Archiv | Januar, 2014

XU Pei: Was bedeutet die EU-Resolution gegen den Organraub in der VR China?

30 Jan

 

 

Im englischen Spiegel-Interview vom Mitte-Januar sagte der Künstler Ai Weiwei, dass die Beziehung zwischen dem Regime Chinas und ihm wie ein kalter Krieg ist. Wieder fühle ich mich von ihm bestätigt, zumal ich die EU-Resulution gegen den systematischen Organraub für eine politische Kriegserklärung an das KP-Regime halte. Einen kalten Krieg zwischen dem KP-Regime und den chinesischen KP-Gegnern nahm ich schon nach dem Tiananmen-Massaker 1989 wahr.

 

In meinem ersten Vortrag 2014 http://goo.gl/YjUNH9 habe ich auch meinen Widerstand gegen den Organraub in der VR China seit 2006 bilanziert. Während ich die EU-Resulution für einen moralischen Sieg über das KP-Regime halte, habe ich die deutschen Medien wie z.B. die Deutsche Welle kritisiert, die dieses Ereignis ignoriert haben.  Gott sei Dank hat die deutsche Webseite der exilchinesischen Mediengruppe Epoch Times darüber berichtet: http://www.epochtimes.de/EU-Resolution-Organraub-in-China-muss-sofort-enden-a1115465.html

 

Dennoch kommen mir einige Ex-DW-Journalisten verdächtig vor, die sich seit Jahren bei den KP-Medien über die Demokratie und Pressefreiheit in Deutschland beklagen. Meiner Erfahrung nach gibt es im Westen Pressefreiheit und Journalisten mit Ethos, die auch gute Berichte über China veröffentlichen. Wegen des DW-Skandals 2008 begann ich, mich um den Ruf der deutschen Medien zu kümmern, von denen ich profitiert hatte. Nachdem meine Beschwerden zu keiner Berichtigung  führten, schicke ich auch Rundmails auf Deutsch, um der systematischen Desinformation aus Peking entgegenzuwirken.

 

Alle Leser sind eingeladen, den Wahrheitsgehalt meiner Beiträge zu prüfen. Im Gegensatz zu manchen korrumpierten Deutschen, bin ich immer bereit,  Fehler zu korrigieren.

 

 

Der kalte Krieg in Deutschland und auf Deutsch

 

 

1989, nachdem das KP-Regime in China die Massendemonstration mit Panzern unterdrückt hatte, wurden die KP-Diktaturen eine nach der anderen in Europa überwunden. 2014 können die Deutschen den Fall der Berliner Mauer zum 25sten Mal feiern, während sich die Chinesen noch gegen ein KP-Regime wehren müssen,  das mit westlicher Unterstützung ein Wirtschaftsmonstrum geworden ist.

 

Die Berliner Mauer ist zwar gefallen, aber der kalte Krieg wird heftiger denn je geführt, auch wenn viele Deutsche ihn nicht wahrnehmen. Durch die Wirtschaftsmacht übt die KP Chinas immer größeren Einfluss auf der internationalen Ebene aus. Trotz des systematischen Organraubs durfte die VR China 2008 die Olympischen Spiele in Peking ausrichten, 2009 als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse auftreten, auf der die Rumäniendeutsche Herta Müller als Literaturnobelpreisträgerin extra zum Stand der Epoch Times und der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte erschien, um die Exilchinesen zu treffen, was wir ahnungslos für Unterstützung hielten.

 

Nach der Beschimpfung von Herta Müller auf die Exilchinesen wegen des rotchinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo habe ich eine Reihe von Kollegen angesprochen, die mir den Grund erklären könnten. Am meisten hat mich der Autor von „Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur“ Carl Gibson beeindruckt, nicht nur weil er in einem Interview zu seinem Buchtitel erklärte:“Als Stalin West-Berlin die Lebensader abschneiden wollte, um den Westberlinern ihren Sinn für Freiheit mit dem Hunger auszutreiben, eilten die für die Lebenserhaltung der einstigen Reichshauptstadt zuständigen Alliierten heran und schafften in unzähligen Flügen so viele Lebensmittel und Energiestoffe herbei, um die Menschen am Leben und die Stadt in politischer Freiheit zu halten. Den fast ein Jahr lang andauernden Motorenlärm über ihren Köpfen nannten die Berliner symbolträchtig ‚Symphonie der Freiheit’– eben weil sie die Wesenheit der großen Geste seitens der einstigen Kriegsgegner intuitiv erfassten“.

 

 

Der kalte Krieg zwischen Carl Gibson und dem deutschen Establishment

 

 

Dieser Gegner der Ceausescu-Diktatur ist nämlich der Lautstärkste unter den Kollegen, die Herta Müller Verfälschung und Plagiat vorwerfen, während die einstige Ceausescu-Vorzeigerautorin Liu Xiaobo unterstützt, der an der sprachlichen Verfälschung der Begriffe und Geschichte im Sinne der KP Chinas aktiv teilnimmt.

 

Laut der Tauber-Zeitung über Gibsons neues Buch „Die Zeit der Chamäleons-  Kritisches zum Leben und Werk Herta Müllers aus ethischer Sicht“ mit Tuschezeichnungen von Michael Blümel hinterfragt der Antikommunist Müllers Dissidenz. „Darüber hinaus analysiert Gibson anhand vieler Aussagen, Interviews und Texten die Standpunkte Müllers. ‚Ihre angeblichen Begegnungen und Folterungen durch die Securitate erscheinen geradezu absurd-grotesk‘, so Gibson. Bis heute hätten weder Journalisten, Schriftsteller und Intellektuelle Äußerungen Müllers hinterfragt. Gibson und Blümel sind nach Bukarest gereist, um in der dortigen ‚Gauckbehörde‘ Müllers Akte einzusehen. Es gebe deutliche Hinweise, dass Müller nicht als staatsfeindlich oder gar Dissidentin eingestuft worden sei“.

 

Herta Müller steht exemplarisch für die skandalösen Preisträger kommunistischer Prägung im Westen. Daran ist der Werteverfall in der freien Welt durch den Handel mit der VR China am leichtesten zu erkennen. Denn vor dem Mauerfall war es unmöglich, dass ein IM-Autor den Friedensnobelpreis und der Vorsitzende des DDR-Schriftstellerverbandes den Literaturnobelpreis bekommen hätten.

 

Die Zerstörung und Perversion der chinesischen Kultur durch das KP-Regime habe ich mit dem Roman „Der weite Weg des Mädchens Hong“ wahrheitstreu vorgeführt. Mein Wunsch ist,  das Bewusstsein für die universellen Grundwerte zu verschaffen, wie die Shen-Yun-Künstler, deren Neujahrsgala ich seit 2007 unterstütze. http://de.shenyunperformingarts.org/videos

 

Nach dem chinesischen Kalender  beginnt das neue Jahr – ein Pferdejahr – am 31. Januar. Das Non-Profit-Ensemble aus New York erreicht erst im März Europa. http://de.shenyunperformingarts.org/tickets

Während das KP-Regime die Welt zu korrumpieren versucht, zeigen uns die Shen-Yun-Künstler mit Rückgrat die Zukunft.

 

Köln, zum Pferdejahr 2014

Xu Pei: Kritik von Ingmar Brantsch (1943-2013) an Herta Müller

24 Jan

Ingmar Brantsch ist leider gestorben, mit dem Ärger über die deutschen Medien, insbesondere über die FAZ, die  aus der Vorzeige-Autorin der Ceausescu-Diktatur   eine Untergrundautorin machten.

2011, nach der Beschimpfung von Herta Müller auf die Exilchinesen in der FAZ habe ich dank eines deutschen Kollegen den Kenner der rumäniendeutschen Literatur kontaktiert.

Ingmar Brantsch hat mich nicht nur mündlich über Herta Müller aufgeklärt, sondern mir seine Veröffentlichung geschenkt, in der unter der Überschrift“Arme Luxusdissidenten“ Herta Müller und ihren zweiten geschiedenen Mann kritisiert werden, „Ihre Zukunft bleibt vergangen, weil sie nie aus ihrem manipulierten Heldengedöns herauskommen und hüben wie drüben nie authentisch sein können“.

Seine öffentliche Kritik begann schon im Oktober 1989. Damals warf er Herta Müller auf einer rumäniendeutschen Literaturtagung in Marburg vor, „mit der Entlarvung des katholischen banatschwäbischen Pastors als Vergewaltiger einer ausreisewilligen Schwäbin in der Erzählung ‚Der Mensch ist ein großer Fasan‘ den vulgärmarxistischen Antikatholiszismus Ceausescus zu bedienen“, darauf hin weinte Herta Müller vor Wut und kreitschte, dass Brantsch sie wieder verfolgt wie immer schon.  Dabei ist Herta Müller diejenige, die von der KP-Diktatur mit vier Preisen ausgezeichnet wurde und frei reisen durfte.

Nach dem Tod von Ingmar Brantsch, dessen Kritik an Herta Müller ich bereits auf Chinesisch vorgestellt habe, möchte ich auch seine Kritik an der „genialen Psychopatin“ in seinen Augen auf Deutsch verbreiten, damit er weiter unter uns lebt.

Mehr über den humorvollen Kölner Kollegen unter:

http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/10506-dem-schriftsteller-ingmar-brantsch-zum.html

Antwort der Exilchinesen auf Herta Müller:

XU Pei: Vortrag vom 9. Januar 2014 in Schriftform

10 Jan

Vielen Dank für die Einführung.

Dank des Initiators und seiner Bezeichnung für mich als „Dissidentin wider Willen“ fühle ich mich veranlasst, eine Bilanz über meinen Einsatz für die universellen Grundwerte  zu ziehen. Nach einer Kostprobe von dem genannten Roman „Der weite Weg des Mädchens Hong“ möchte ich ein Schnittbild von meinem Einsatz gegen den systematischen Organraub aufzeigen.

Wie man sich selber sieht und bezeichnet wird, gehört auch zu den Hauptmotiven meines Romans.  http://www.eselsohren.at/2013/08/19/xu-pei-der-weite-weg-des-madchens-hong/

Die Hauptfigur der Ich-Erzählerin meines Romans bekommt von unterschiedlichen Bezugspersonen verschiedene Namen. Die Ich-Erzählerin unterschreibt die sechs Briefe an ihren europäischen Ehemann auch mit fünf Bezeichnungen. (Kostprobe S. 188)

Ein weiblicher Gegenpol zu Heinrich Heine

1993, als ich den Initiator bei unserem gemeinsamen Doktorvater kennenlernte, hatte ich gerade meinen ersten Gedichtband „Täglich reitet der Herzog aus“ veröffentlicht, mit dem ich anfing, einen weiblichen Gegenpol zu dem 169 Jahre älteren Heinrich Heine darzustellen.

110 Jahre nach dem Tod des deutschen Europäers im französischen Exil kam ich als Tochter eines rotchinesischen Ehepaares in Tibet wieder zur Welt.

Mit 22 Jahren kam ich wie ein glückliches Schwein aus der Farm der Tiere à la George Orwell zum Studium in die Geburtsstadt des zum Protestantismus konvertierten und zum Pantheismus bekennenden Dichters jüdischer Eltern. Nach dem Tiananmen-Massaker 1989, welches mir die Augen öffnete, begann ich in Freiheit und in einer Fremdsprache mich öffentlich zu Wort zu melden, um als Chinesin gegen das Terror-Regime aufzutreten.

1996, nach meinem ersten Heimkehrversuch, bin ich von Düsseldorf nach Köln umgezogen, weil ich die Menschenrechte und die Freiheit in der Fremde den Sonderrechten und der Unfreiheit in der Heimat unter einer KP-Diktatur vorzog.

Dank meines Promotionsstudiums in Germanistik und Philosophie, insbesondere meiner Beschäftigung mit  Heine, der vier Jahre vorm Tod seine „Heimkehr zu Gott“ verkündete, nachdem er dazu beigetragen hatte, die jüdisch-christliche Ordnung umzuwerfen und sogar das Böse, den Satan aufzuwerten, bin ich mit dem traditionellen Gottes- und Menschenbild des Westens vertraut. Dank der 23 Jahre, die ich in Tibet und China unter der KP-Diktatur  verbracht habe, kann ich die östlichen Religionen und Grundwerte vom Kommunismus und anderen Ismen aus dem Westen unterscheiden. So fühle ich mich in westlicher wie östlicher Tradition zu Hause.

Meistens komme ich mir wie eine chinesische Biene im westlichen Garten vor; hin und wieder wirke ich wie eine Nadel, vor der sich Blasen aller Art fürchten. Dabei möchte ich nur in Demut meinen geistigen Horizont erweitern und die traditionellen Grundwerte verteidigen, die für alle Rassen überparteiisch und überreligiös zu gelten haben.

Im Vergleich zu den nachfolgend genannten, heldenhaften chinesischen Persönlichkeiten, halte ich mich nicht für eine Dissidentin, aber ich bekam dank meiner deutschen Veröffentlichungen die Aufenthaltserlaubnis für Deutschland und  besitze seit 2004 den deutschen Pass. Darum möchte ich dem Ruf einer Kulturschaffenden gerecht werden und meine soziale Verantwortung wie ein Kosmopolit übernehmen.

Ein Arte-Dokumentarfilm über „Chinas Wirtschaftsmacht in Europa“ fragt

danach, „Quand la Chine délocalise en Europe… Die Chinesen kommen! Europas Rettung oder Untergang?“

Ein sehenswerter Bericht, der Europas Unterwandung durch die Kommunisten aus China behandelt, aber noch besser beleuchten könnte! Das Film-Team hat auch nicht wahrgenommen, dass es zwei Gruppen von Chinesen gibt, die nach Europa kommen. Die Gruppe, zu der ich gehöre, tut alles, um Europa vor den im Film gezeigten Chinesen unter der KP-Führung in Peking zu warnen und zu verteidigen.

Es freut mich, dass sich der Rotary-Club auch darum bemüht, dem Werteverfall in unserer Welt entgegenzuwirken. Deshalb nutze ich die Gelegenheit, anhand des Organraubs zu zeigen, wie die KP-Vertreter die freiheitliche Demokratie korrumpieren und wie der Begriff „Dissident“ missbraucht wird.

Vor 12 Jahren im Januar war ich noch in China. Nachdem Peking den Kampf um die Austragungsrechte der Olympischen Spiele 2008 gewonnen hatte, unternahm ich einen zweiten Heimkehrversuch. Das so genannte „Wirtschaftswunder“ konnte die Prüfung durch mich nicht bestehen. Mir fielen überall die Umweltzerstörungen, die Menschenrechtsverletzungen und die KP-Propaganda  auf. Nach zwei Monaten verwarf ich meinen Plan und reiste wieder nach Deutschland zurück.

Dank der Freiheit im Westen und des Internets kann ich seitdem der systematischen Desinformation der KP Chinas entgegenwirken.

Der Organraub und seine Gegner

2006 begann ich, den systematischen Organraub in Rotchina anzuprangern.

Menschen,  die sich gegen das Verbrechen einsetzen, werden verfolgt. Der Dichterkollege Lihong (Zhang Jianhong 1958-2010), mit dem ich per Internet Kontakt hatte, wurde deswegen sogar zu Tode verfolgt. Zu seiner dritten Verhaftung im September 2006 haben seine 63 Essays im Internet geführt. Drei Überschriften seiner Essays lauten „Die geraubten Organe schreien“, „Organraub bei lebendigem Leib hat noch nicht aufgehört, aber auf die Olympischen Spiele wird schon vorbereitet“ und „Gib uns Gao Zhisheng zurück, gib unser Gewissen zurück“. Der Rechtsanwalt Gao gehört auch zu den mutigen chinesischen Persönlichkeiten, die die Verfolgung von Falun Gong durch die KP Chinas offen angeprangert haben. Dafür wurde er noch einen Monat früher als Lihong verhaftet.  Mit einem offenen Brief und einem Hungerstreik zu meinem vierzigsten Geburtstag habe ich Gao 2006 moralisch unterstützt.

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2014/01/08/offener-brief-von-xu-pei-im-marz-2006/

Im Essay „Über Europas Aufwachen und Verantwortung“ wertete Lihong das Treffen von Merkel während ihres ersten China-Besuchs mit einigen Verfolgten, wie z. B. dem Jesuiten Aloysius Jin und die Haltung des Vizepräsidenten des EU-Parlamentes Edward McMillan-Scott gegenüber dem Organraub, als Europas Aufwachen. Dann schrieb er weiter, „Europas Verantwortung  basiert nicht nur auf seinen freiheitlichen Grundwerten wie Demokratie, unabhängige Justiz und Menschenrechten, sondern auch darauf, dass die unmenschliche Terror-Ideologie in Europa entstand, die das fast hundertjährige Unheil und furchtbares Leiden im Osten verursacht hat.“

Im anderen Essay “Die Olympischen Spiele in Peking sind eine Herausforderung für das internationale Gewissen” vertritt er auch meine Ansicht, „Wenn 2008 die Olympischen Spiele wirklich in Peking stattfinden, dann wäre es nicht nur ein großer Hohn für die griechische Antike und den modernen olympischen Geist, sondern auch eine Katastrophe für die Menschenwürde, die menschliche Zivilisation und die weltliche Gerechtigkeit!”

Der Dissident konnte durch die Nachrichtensperren des KP-Regimes nicht erfahren, dass alle Chinesen, die sich mit McMillan-Scott in Peking getroffen hatten, nach der Untersuchungsreise des Politikers im Mai 2006 verfolgt wurden. Vor den Olympischen Spielen in Peking rief McMillan-Scott zu einem politischen Boykott auf, den ich auch unterstützt habe.

Siehe den WDR-Fernsehbericht „Exilchinesin“

Während mehrere Europapolitiker, wie z.B. der Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering den Spielen fernblieben, traten die deutschen Politiker Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Richard Weizsäcker mit ihrem Einsatz für Peking hervor, obwohl der Katholik Bernhard Wilden aus Köln kurz vor Weihnachten 2006 in Peking vom Staatsapparat ermordet wurde. Bis heute wird dieser Mord in der Politik und in den Medien kaum beachtet.

2008 habe ich mich noch mit einem offenen, von vielen unterschriebenen Brief an den Dalai Lama gewandt, damit er unseren Boykott nicht durchkreuzte, zumal wir Free Tibet unterstützen. Leider vergeblich!  Während der Dalai Lama bis heute in der Falle des KP-Regimes sitzt,  kam der Künstler Ai Weiwei, der das Olympiastadion mitentworfen hatte, vor der Eröffnungsfeier ebenfalls zu der Erkenntnis, dass die Olympischen Spiele von dem Regime missbraucht wurden. Seitdem wird auch er verfolgt.

In der Diskussion über die Olympischen Spiele fiel die stellvertretende Leiterin des chinesischen Programms der Deutschen Welle Zhang Danhong mit ihren antidemokratischen Äußerungen auf. Beispielsweise sagte  sie: „Darüber zu meckern, dass Seiten gesperrt sind, geht in die inneren Angelegenheiten Chinas.“ Als es um die Internetseiten von Falun Gong und Free Tibet ging, zog sie sogar einen unmöglichen Vergleich: „Hier in Deutschland kann man auch nicht jede Seite aufmachen, zum Beispiel Kinderpornografie oder Rechtsextremismus“.

Ihre Äußerungen verrieten auch, dass sie bestens über die wirkliche Lage in China informiert ist, denn sie gab sogar offen zu, „Es gibt gewisse Grenzen für die chinesische Regierung und die dürfen nicht überschritten werden und das wissen die Dissidenten auch.“  In der Tat sind echte Dissidenten diejenigen, die die Grenzen zwar kennen, diese aber trotz Verfolgung überschreiten, wie ich anhand der drei chinesischen Persönlichkeiten aufgezeigt habe. Nicht nur die Dissidenten, sondern auch die Spione der KP Chinas und westliche China-Korrespondenten sowie Wissenschaftler wissen, was das KP-Regime verbietet.

Seit 2008 werde ich von Lesern und Journalisten mit der „ausländischen Ausgabe der Volkszeitung“ unter der KP-Führung bei der Deutschen Welle konfrontiert. Bis dahin ging ich noch davon aus, dass die chinesische Redaktion der Deutschen Welle das chinesische Publikum mit unzensierten Nachrichten versorgen würde, wie es sich gehört. Leider musste ich nach der ungewollten Auseinandersetzung mit dem chinesischen Programm der Deutschen Welle den Kritikern zustimmen. Tatsächlich missbraucht die Chinaredaktion die Deutsche Welle zum Reimport der KP-Propaganda, wie ein Deutschlandfunk-Beitrag vom 27.10.2008 berichtet.

Aber unsere Kritik hat zu keiner wesentlichen Verbesserung des chinesischen Programms der Deutschen Welle geführt. So sagte der ausscheidende Intendant Erik Bettermann im September 2013: „Und in China, da stehen wir auf der Schwarzen Liste der KP, die uns als Stimme der Dissidenten missversteht. Die Dissidenten sagen übrigens, die Deutsche Welle stünde aufseiten der KP. Eine unbefriedigende Sandwich-Situation. Aber es gibt gute Ansätze. So will beispielsweise der neue chinesische Botschafter in Berlin an einer Entspannung arbeiten“.

Die Deutsche Welle und der Missbrauch

Bettermann hat ignoriert, dass ich im November 2012 noch am Beispiel der Deutschen Welle verdeutlicht habe, wie das KP-Regime mit ausgesuchten chinesischen Berichten der Deutschen Welle, seinen Handlangern und den weltweiten „Konfuzius-Instituten“ die wirkliche Lage, insbesondere den systematischen Organraub in der VR China vertuschen will.

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/11/23/xu-pei-uber-einflussnahme-der-kp-chinas-in-deutschland-am-beispiel-der-deutschen-welle/

An dem Zitat von Bettermann ist auch zu erkennen, dass er unseren Einsatz für die universellen Grundwerte und gegen das KP-Regime nicht begreifen kann oder will. Der von ihm gelobte Botschafter ist ein von dem Regime mit 9 Jahren ausgesuchter und mit 18 Jahren in die DDR geschickter KP-Vertreter, aber er wird von einem China-Korrespondenten als Chinas bester Mann verklärt. Wie kann ein KP-Botschafter den Konflikt zwischen dem KP-Regime und seinen  Verfolgten lösen? Wenn er sich zutrauen würde, ein einziges der unzähligen KP-Verbote zu brechen, dann wäre er gar nicht in diesem System aufgestiegen!

Leider kooperieren die deutschen Medien, wie Deutsche Welle und alle öffentlichen Institutionen lieber mit den KP-Vertretern als mit den KP-Gegnern. Auch das EU-Parlament wird ignoriert, sobald es gegen KP-Verbrechen agiert.

Das Europäische Parlament  hat am 12. Dezember eine Entschließung zu Organentnahmen in China verabschiedet, die nicht nur den systematischen Organraub durch das KP-Regime anprangert, sondern auch „die unverzügliche Freilassung aller gewaltlosen politischen Gefangenen in China, einschließlich der Anhänger der Falun-Gong-Bewegung“ fordert.

Das ist ein historischer Sieg über das Böse, wofür auch der Dichterkollege Lihong sein Leben gegeben hat. Aber kein einziges Leitmedium im deutschsprachigen Raum hat darüber berichtet.

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P7-TA-2013-0603+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE

Dabei betrifft es auch Europa, denn die Entschließung fordert auch: „die EU und ihre Mitgliedstaaten auf, sich des Themas der Organentnahmen in China anzunehmen; empfiehlt der EU und ihren Mitgliedstaaten, den Missbrauch bei Organtransplantationen in China öffentlich zu verurteilen und ihre Bürger, die nach China reisen, für dieses Thema zu sensibilisieren; fordert eine umfassende und transparente Untersuchung der Praktiken auf dem Gebiet der Organtransplantation in China durch die EU sowie die strafrechtliche Verfolgung derjenigen, denen eine Beteiligung an solchen ethisch nicht vertretbaren Praktiken zur Last gelegt wird“.

Im Gegensatz dazu haben viele deutsche Medien einen DPA-Bericht im August veröffentlicht, dessen Ende lautet: „Vorwürfe von Falun Gong, dass Organe angeblich sogar von lebenden Anhängern entnommen werden, bestreitet der Mediziner Shi Bingyi von der Behörde für Nierentransplantationen entschieden: ‚Wir verwenden nie Organe lebender Falun-Gong-Anhänger. Niemals‘. Menschenrechtsexperten sagen auch, dass es keine Beweise für systematische Hinrichtungen und Organentnahmen bei den Falun-Gong-Häftlingen gebe“. Das chinesische Programm der Deutschen Welle hat diesen Propagandabericht im Sinne der KP Chinas sofort übersetzt und verbreitet, wie es das häufig tut. Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, habe ich mich bei der Deutschen Welle und der DPA beschwert, aber wieder vergeblich, wie es auch bei der FAZ und anderen Medien der Fall war.

Zum dritten Gedenktag an den Dichterkollegen Lihong habe ich eine Beschwerde über die DPA und die Deutsche Welle beim deutschen Presserat eingereicht, weil diese gegen den deutschen Pressekodex verstoßen haben.

Pseudo-Dissidenten und ihre Funktion

Nach dem Tiananmen-Massaker unterstütze ich die Demokratiebewegung und lerne immer mehr Dissidenten wie die oben genannten kennen. Leider fiel der Friedensnobelpreis 2010 ausgerechnet auf Liu Xiaobo, dessen Lebensmotto lautet: „Ich verachte Menschenmassen, betrachte die Gesellschaft als Mob, verehre die persönliche Kreativität des Genies, mein Lebensziel ist es zu sehen, ob ein einsames Genie mit Kreativität stärker ist als das gemeine Volk“. Seit 1989 dient dieser Egomane dem KP-Regime immer wieder als Vertuscher, so wollte er im Manuskript seiner Nobelpreisrede dem Regime bescheinigen, die Menschenrechtslage in der VR China verbessert zu haben. Mehr dazu: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/11/beitrage-uber-liu-xiaobo-von-xu-pei/

Während ich mich gerne zu dem „gemeinen Volk“ geselle, stellt sich Herta Müller hinter das „einsame Genie“ und beschimpft in der FAZ die Exilchinesen, wegen ihrer Kritik an einem Lügner.

Da die FAZ die Beschimpften nicht zu Wort kommen lässt, habe ich recherchiert, um herauszufinden, warum ich eine Literratur-Nobelpreisträgerin zur Verunglimpfung der Exilchinesen reizen konnte. https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/15/herta-muller-und-schlimme-e-mails-von-exilchinesen/

Dabei habe ich festgestellt, dass sowohl Herta Müller als auch Liu Xiaobo von echten Dissidenten, wie Carl Gibson als verlogen betrachtet werden. „Die Zeit der Chamäleons“ ist Gibsons neueste Werk. http://carlgibsongermany.wordpress.com/2013/12/27/herta-muller-als-sujet-der-karikatur-michael-blumels-satirische-illustrationen-zu-carl-gibsons-neuem-werk-die-zeit-der-chamaleons/

Ein weiterer Zeitzeuge ist der Experte der rumäniendeutsche Literatur Ingmar Brantsch (1940-2013).  Mit 29 Jahren durfte Brantsch zum ersten Mal Rumänien verlassen und blieb dann wegen der Freiheit in Deutschland.  Er ist wie andere Kritiker von Herta Müller enttäuscht bzw. verbittert. Ein Aphorismus mit der Überschrift „Unglaublich“ von Brantsch lautet: „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie doof der ist, der glaubt den Medien.“ Im März 2009 veröffentlichte Brantsch „Ich war kein Dissident“, um sich von Herta Müller und ihrem zweiten geschiedenen Ehemann zu distanzieren, die von der Ceausescu-Diktatur protegiert wurden und jeweils vier Preise bekamen.

Ihm gegenüber hatte ich noch die deutschen Medien verteidigt. Denn ich war der Meinung, dass man kein pauschales Urteil fällen sollte, nur weil es unter den deutschen Journalisten eine Lovenberg gibt, die eine Vorzeigeautorin der Ceausescu-Diktatur zur Untergrundautorin stilisiert hat. Zu der FAZ-Nachricht über den Julius-Campe-Preis 2013 an Lovenberg kommentierte ein Leser: „Fuer das lobhudelnde Interview mit Charlotte Roche hätte Frau von Lovenberg eher die ‚goldene Zitrone‘ der Literaturkritik verdient“. Als ich diese FAZ-Nachricht zu lesen bekam, war es zu spät, um noch einen Leserkommentar abzugeben. Möglicherweise wird er wieder nicht veröffentlicht, wie einst mein erster Leserkommentar zu Herta Müller. Wichtig ist, dass ich immer darum bemüht bin, zur Wahrheitsfindung beizutragen. Leider konnte meine Unterstützung Brantsch kaum trösten. Bis zu seinem Tod Ende Oktober 2013 konnte ich ihn mit keiner Nachricht erfreuen.

Aus Bedauern darüber, dass die FAZ gegen die Maxime ihrer Gründer „die Wahrheit der Tatsache als heilig zu betrachten“ verstößt, habe ich meinen Brief an die FAZ-Herausgeber vom August 2012  im Internet veröffentlicht und verschicke nun Rundmails, um der Desinformation entgegenzuwirken. Möglicherweise ist der heutige Abend ein Ergebnis meiner Rundmails.  https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/11/brief-an-die-faz-herausgeber-von-xu-pei-am-10-august-2012/

Beim Widerstand gegen den Organraub in der VR China gerate ich wider Willen in den Konflikt mit den deutschen Politikern, Medienmachern und Prominenten. Warum? Für mich zählt nur der Wahrheitsgehalt und nicht der Bekanntheitsgrad. Funktionieren die deutschen Medien etwa genau umgekehrt? Stellen sie keine wahrheitstreue Presse mehr, sondern einen Medienmarkt dar, der sich um alles andere  als die universellen Grundwerte kümmert?

Wie dem auch sei, nichts kann mich daran hindern,  aus Wahrheitsliebe und Nächstenliebe Menschen und Gruppen zu unterstützen, die für unsere universellen Grundwerte kämpfen, wie das Non-Profit-Ensemble Shen Yun aus jungen Exilchinesen. Ich freue mich jetzt schon auf ihr Gastspiel in Frankfurt im März.

http://de.shenyunperformingarts.org/videos

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich freue mich auf unseren Austausch.

Januar  2014

Offener Brief von XU Pei im März 2006

8 Jan

 

 

Ich weiß nicht, wie viele Exilchinesen in Deutschland leben.  Als ich 1988 zum  Studium nach Deutschland kam, wußte ich nicht, daß ich jetzt ebenfalls eine Exilchinesin werden würde, weil ich durch das Pekinger Massaker von 1989 gegen das Regime eingestellt bin und daher nicht mehr als Schriftstellerin in China arbeiten kann.

 

Ich weiß aber, daß es in Indien 80,000 Exiltibeter gibt und sich  die Menschenrechtslage in China  nach dem genannten Massaker weiter verschlechtert hat, während dort auf Kosten der armen Chinesen und mit Hilfe des reichen Westens ein „Wirtschaftswunder“ geschaffen wurde. Gerhard Schröder wollte sogar das Waffenembargo, welches nach dem Massaker erhoben wurde, rückgängig machen, weil er wohl die deutsche Industrie an diesem „Wunder“ teilhaben lassen wollte. Er  vergaß dabei aber, daß er sich um die Freundschaft mit einem Regime bemühte, das insgesamt schon etwa 80 Mio Menschen umgebracht hat.

 

Zehn Jahre  nach dem Pekinger Massaker begann der Massenmord an den Praktizierenden der Falun-Gong, einer buddhistischen Meditationsbewegung. Als ich 2002 von dieser  „kommunistischen Judenverfolgung“ in China erfuhr,  habe ich Briefe an zahlreiche Politiker und bekannte Persönlichkeiten geschrieben, u.a. an Gerhard Schröder, Wolfgang Thierse und Angela Merkel, um auf dieses Verbrechen hinzuweisen und die hiesige Öffentlichkeit davor zu warnen, es einfach hinzunehmen oder indirekt zu unterstützen.

 

Ich schreibe diesen offenen Brief, weil ich nicht weiß, was ich als Exilschriftstellerin sonst noch gegen solche Verfolgungen und Massenmorde in meiner Heimat tun kann.

 

Ich weiß aber, daß der Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng in Peking am 4. Februar 2006 mit einem Hungerstreik begann, nachdem er die kommunistische Führung in drei offenen Briefen dazu aufgefordert hatte, mit der Falun-Gong-Verfolgung aufzuhören, und daraufhin selbst verfolgt wurde. Am 6. März haben mindestens  zehntausend Exilchinesen auf der ganzen Welt ihn mit einem eigenen Hungerstreik unterstützt.

 

Angesichts der Tatsache, daß in China mißliebigen Menschen zwangsweise Organe entnommen werden, um damit zu handeln,  und die Leichname dann eingeäschert werden,  in Gedanken an meine Schriftstellerkollegen, die in Arbeitslagern Produkte herstellen müssen, die auf dem deutschen Markt preiswert angeboten werden, möchte  ich am 22. März,  meinem 40sten Geburtstag,  in Hungerstreik treten,  um mein Gewissen zu beruhigen und um  die Medien und die Bewohner meines Gastlandes  darum zu bitten, die Wahrheit über das menschenrechtswidrige Geschehen in China besser bekannt zu machen bzw. zur Kenntnis zu nehmen.

 

 

21. März 2006

Xu Pei: geboren 1966 in VR China, lebt seit Ende 1988 in Europa. Studium der Germanistik und Philosophie (Promotion Düsseldorf 1996); deutsche und chinesische Veröffentlichungen, zuletzt: „Lotosfüße“ (Gedichte), Düsseldorf (Grupello Verlag) 2001; „Affenkönig“ (Gedichte), Köln (Walther König) 2002; „Schneefrau“ (Gedichte), Düsseldorf (Grupello Verlag)2003