Archiv | November, 2013

Xu Pei: Auch die Deutschen werden von der KP Chinas desinformiert

24 Nov

 

– Offener Brief zum Journalistentag 2013 in Dortmund

 

2008 besuchte ich zum ersten Mal einen Journalistentag, um vor dem Missbrauch der Olympischen Spiele durch das KP-Regime in China zu warnen.

 

Fünf Jahre nach den Olympischen Spielen in Peking möchte ich mit diesem Brief der systematischen Desinformation der Kommunistischen Partei Chinas entgegenwirken, ebenso wie auf meiner Homepage: http://dr.xu-pei.de/  und mit meinem Roman „Der weite Weg des Mädchens Hong“.

 

Die Menschenrechtslage in meinem Herkunftsland verschlechtert sich weiter. Neben dem systematischen Organraub an Falun Gong-Praktizierenden verbrennen sich seit 2003 Menschen, seit 2009 auch in Tibet und im Exil, um gegen die KP-Unterdrückung zu protestieren.

 

Die KP Chinas hat nicht nur den Konflikt in Tibet, sondern auch Konflikte mit allen anderen ethnischen oder nationalen, religiösen, politischen und sozialen Gruppen auf der ganzen Welt verursacht.

 

Die KP Chinas bezeichnet in ihrem ‘Neusprech’ à la George Orwell die fünf wichtigsten Konflikte als „Fünf Gifte“ und verfolgt die betroffenen Menschen mit perfiden Mitteln. Unter der Überschrift „Fünf Gifte“ ist auch ein Spiegel-Bericht über die Spionagetätigkeit der KP Chinas erschienen. 2011 wurde John Zhou wegen seiner Spionagetätigkeit für das KP-Regime in Deutschland verurteilt.

 

Die Staatsanwaltschaft in Celle hatte den deutschen Verfassungsschutz zitiert: „Die chinesische Regierung diffamiert die als größte Gefahren für die eigene Macht bewerteten Personengruppen als sogenannte ‚Fünf Gifte‘. Sie bekämpft diese nicht nur in der Heimat, sondern späht auch die in Deutschland lebenden Anhänger aus. Betroffen sind vor allem die von China des Separatismus verdächtigten Uiguren und Tibeter sowie die Angehörigen der Meditationsbewegung Falun Gong. Darüber hinaus betrachtet die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) auch Mitglieder der Demokratiebewegung und Befürworter einer Eigenstaatlichkeit Taiwans als Staatsfeinde.“

 

Die sogenannten ‘Fünf Gifte’ hat das KP-Regime auch tabuisiert. Die fünf Tabus werden von vielen westlichen Chinaexperten und -korrespondenten übernommen. Entweder vermeiden sie diese fünf Themen, oder sie verbreiten die KP-Verleumdungen gegen die betroffenen Gruppen. Paradebeipiel hierfür ist das größte und aktuellste Tabu Falun Gong. Bis heute übernehmen manche deutsche Medien die KP-Propaganda gegen die Falun Gong Bewegung. Erst im Rahmen meines letzten Heimkehrversuchs 2002 durfte ich Chinesen, die wegen Falun Gong verfolgt werden, kennenlernen und seitdem verteidige ich sie gegen Verleumdungen aller Art.

 

Währenddessen nehmen die Auslandspropaganda-Zentren der KP Chinas – „Konfuzius-Institute“ – zu. Dort werden nicht die konfuzianischen Prinzipien, die mit demokratischen Grundwerten kompatibel sind, vermittelt, sondern das Rotchinesisch und die Ideologie der KP-Machthaber in Peking. Sie übernehmen beispielsweise die oben genannten Fünf Verbote, die nicht nur gegen die Menschenrechtscharta, sondern auch gegen das deutsche Grundgesetz verstoßen.

 

In diesem Sinne stehe ich Ihnen gerne Rede und Antwort.

 

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Xu Pei: Bestandsaufnahme der deutschen Berichte in Bezug auf die VR China von 2008

17 Nov

 

 

1 Einleitung

 

Rot ist die Farbe der Kommunisten.  Wo rote Fahnen geschwenkt werden, kann man davon ausgehen, dass es um kommunistische Veranstaltungen geht, wie diesmal, als die Olympische Fackel durch San Francisco getragen wurde. Wegen der großen Proteste in London und Paris haben die kommunistischen Diplomaten in den USA eine Gegendemonstration von etwa 5000 Auslands-Chinesen organisiert. Diese roten Demonstranten haben Exilchinesen wie Zhou Fengsuo, der nach dem Pekinger Massaker 1989 als einer der 21 Studentenführer vom Regime verfolgt wurde, angegriffen. Einer trug sogar eine Kopfverletzung davon.

 

Der Kampf zwischen der KP Chinas (Rotchinesen) und anderen Chinesen findet jetzt heftiger denn je auf der internationalen Ebene statt. Bereits Ende 1949 hat  Chiang Kai-Shek gewarnt,  wenn die demokratischen Staaten die Bedeutung des antikommunistischen Krieges in China unterschätzen, dann  würden sie ihrer eigenen Sicherheit, Freiheit und Selbständigkeit schaden.

 

Leider wurde der antikommunistische Krieg in China damals nicht unterstützt, während Stalin und die Kommunisten aus der ganzen Welt (Komintern) die KP Chinas unterstützten. Die Republik China konnte nur noch auf der Insel Taiwan existieren und ist auch jetzt die letzte Burg der Chinesen gegen die Kommunisten. Oktober 1971 verlor die Republik China, die im Jahr 1945 mit den USA, England, Frankreich und der Sowjetunion die UNO gegründet hat,  sogar ihren Platz im UNO-Sicherheitsrat an Rotchina.

 

Als ich 1989 durch die deutschen Medien von dem Pekinger Massaker erfuhr, war ich erschüttert, weil ich als in Rotchina geborene und aufgewachsene Chinesin nichts anderes kannte als die rote Propaganda, nach der die KP Chinas die Chinesen von der „dunklen alten Gesellschaft“ befreit hätte… Wie konnte die Mutter, mit der sich die KP Chinas vergleicht, die Kinder in meinem Alter mit Panzern töten? 19 Jahre später, als die Panzer wieder in Lhasa einrollten, um die friedlichen Demonstranten  niederzuschlagen, war ich nicht überrascht, sondern froh darüber, dass sich die deutschen Medien  wieder kritisch mit der Situation in Rotchina auseinander setzen, zumal die ARD nun schon ihre Umfrage,  ob der Olympische Fackellauf nach den Protesten abgebrochen werden sollte oder nicht, nicht durchführen konnte, ohne einer großen Manipulationskampagne aus Rotchina ausgesetzt zu werden. Aber daraus wurde dennoch ein undifferenzierter Schluss von Seiten der ARD gezogen:  „Chinesen nutzen nicht nur den olympischen Fackellauf, sondern auch das Internet für die Einflussnahme auf die internationale Meinung.“

 

Denn es ist die KP Chinas, die alles unternimmt, um ihren Einfluss geltend zu machen, wo gegen sich die Chinesen insbesondere Exilchinesen wehren.

 

2 Die Arbeitsbedingungen der deutschen Reporter

 

Ein richtiges Urteil zu fällen ist nicht leicht, noch schwieriger ist es, an die richtigen Informationen zu kommen. Das kommunistische Regime tut aber nichts anderes als die richtigen Informationen zu vertuschen und zu manipulieren. Deshalb möchte ich keine deutschen Journalisten kritisieren, die trotz der  schwierigen Arbeitsbedingung in Rotchina viel geleistet haben.

 

Um die Gastgeberrolle der Olympischen Spiele 2008 zu bekommen hat das Regime versprochen, die Medienfreiheit zu ermöglichen.

 

Seit Januar 2007 tritt eine neue Regelung für die ausländischen Journalisten in Kraft, nach der die ausländischen Journalisten nicht nur über die  Olympischen Spiele, sondern auch über Politik, Technik, Kultur und Wirtschaft in Rotchina berichten dürfen. Aber in einer Umfrage der Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Peking vom August 2007 ist zu  lesen, 95% der 163 Befragten sind der Meinung, dass die Situation in Festlandschina nicht dem internationalen Standard entspricht, 67% sind der Meinung, dass sich das Regime nicht  an das Versprechen hält, 40% geben an, sie wurden bei der Arbeit seit Januar behindert und eingeschränkt. Sie wurden beobachtet, bedroht, belästigt, unrechtmäßig verhaftet. Sie bzw. ihre Informanten wurden sogar verprügelt.  Dabei haben sie noch nicht über die empfindlichen Fälle wie die Falun Gong-Verfolgung berichtet. Falun Gong ist ein buddhistischer Weg, den schätzungsweise 100 Millionen Menschen gehen. Als ich 2002 in Rotchina von der Verfolgung erfuhr, waren es mehr als 300 verifizierte Todesopfer, nun ist die Zahl auf mehr als 3000 gestiegen.

 

Laut Reporter ohne Grenzen wurden im Jahr 2007 mehr als 180 ausländische Journalisten angegriffen, bedroht oder verhaftet. Nach der Berichterstattung über den Aufstand in Tibet fand sogar eine Kampagne gegen ausländische Reporter statt.  Die Vereinigung der Auslandskorrespondenten in Peking rief bereits ihre Mitglieder auf, mehr als bisher auf ihre Sicherheit zu achten.

 

3 Der rote Einfluß auf die deutschen Sinologen

 

Als Chinesin begann ich mit 17 an einer Fremdsprachenhochschule in Rotchina Deutsch zu studieren. Durch die deutsche Sprache und die Deutschlehrer aus Westdeutschland konnte ich mich  unbewusst von der kommunistischen Indoktrination distanzieren.

Seit fast zwanzig Jahren lebe ich in Deutschland und kann mich bewusst von der roten Propaganda befreien.

 

Die deutschen Sinologen aber, die seit der Aufnahme der Diplomatischen Beziehung zwischen Westdeutschland und Rotchina im Jahr 1972 Chinesisch studieren, machen meistens genau das Gegenteil, es sei denn, wenn sie in Taiwan Chinesisch studieren oder die Lehrbücher aus der Republik China benutzen. Die moderne chinesische Sprache in Rotchina ist von der Schreibweise, dem Satzbau und dem geistigen Inhalt her stark von der KP Chinas ideologisiert. Wenn der Sinologe noch eine Funktionärstochter heiratet, die bis heute noch stolz auf ihre Eltern ist, dann kann man davon ausgehen, dass der Sinologe unbewusst als Sprachrohr der KP Chinas in Deutschland fungiert, auch wenn er als China-Experte gilt.

 

Es ist kein Zufall, dass die zwei mir bekannten deutschen China-Experten, die regimekritisch sind, beide Chinesinnen aus der Republik China geheiratet haben. Gleich und Gleich gesellt sich gern. Helmut Martin, der Professor an der Universität Bochum war, durfte aber nach dem Pekinger Massaker 1989 bis zu seinem Tod nicht mehr Rotchina betreten. Thomas Weyrauch, der Autor von „Gepeinigter Drache-Chinas Menschenrechte im Spätstadium der KP-Herrschaft“ hat, soweit ich weiß,  per Internet Andersdenkende in Rotchina interviewen können.

 

So wundert es mich nicht, wenn mir die rote Propaganda über China und Tibet in Deutschland bzw. in den deutschen Medien  begegnet. Einiges, was mir in den deutschen Medien schon immer auffiel, möchte ich anhand dreier Artikel über den neuesten Aufstand in Tibet in  der ZEIT zeigen, weil ich damit auf die Infiltration durch die rote Propaganda hinweisen möchte.

 

Der Grund für meine Wahl  ist, dass sich eine Moral bzw. eine Güte in den Artikeln zeigt, die ich als Basis für einen Austausch betrachte. Mich freut es auch, dass der Verfasser durch den Aufstand in Tibet an das Pekinger Massaker erinnert wird, was das Regime gerne verleugnet. Und er ist der Meinung:  „Aber wenn die Regierung auf Mönche schießen lässt, dann ist ein Olympiaboykott unausweichlich. “

 

4 KP Chinas ist nicht gleich China

 

In den drei Artikeln „Hässliche Spiele“, „Die Fackelstafette als Spießrutenlauf“, „Niemand will Ärger mit China“

wird auch kein Unterschied zwischen KP Chinas und China gemacht. Das ist genau, was sich die KP Chinas wünscht.

Die KP Chinas möchte so gerne China vertreten, dafür hat sie sogar eine Theorie von „drei Vertretungen“ erfunden, wogegen wir Chinesen insbesondere Exilchinesen uns wehren.

 

Die indoktrinierten Chinesen fühlen sich auch angegriffen wenn die Politik der KP Chinas vom Westen kritisiert wird. Und eine meiner Aufklärungsaufgaben im chinesischen Internet besteht darin, ihnen zu erklären, dass die kommunistische Ideologie, nach der sich jeder Chinese im Land laut der Verfassung richten muss, geistige Abfälle aus dem Westen sind und uns Chinesen,  dem Land und der Kultur großen Schaden eingebracht haben.

 

Alle Chinesen egal welchen Ethnischen Gruppen sie angehören, wenn sie der KP Chinas gehorchen und Parteimitglieder werden, dann werden sie zu Bürgern erster Klasse aufsteigen. Unter Tibetern gibt es also auch genug Menschen, die damals den Dala Lama aus Tibet vertrieben und jetzt im Namen der Tibeter ihn beschimpfen.

 

Die KP Chinas versucht den Konflikt zwischen ihr und der Bevölkerung in einen Konflikt unter den Ethnischen Gruppen zu verwandeln. Das würde aber der Verfasser erkennen, wenn er wie ich nicht auf die deutschen China-Korrespondenten und Sinologen angewiesen wäre.

 

Mittlerweile kann ich nicht nur zwischen den Zeilen der roten Propaganda den richtigen Sachverhalt erkennen, sondern auch bei Bedarf die echten China-Experten in allen möglichen Bereichen um Informationen bitten.

 

5 Ohne KP Chinas erst ein neues China

 

Es gibt ein rotes Lied, das fast alle Festlandschinesen kennen. Darin wird besungen, ohne KP Chinas kein neues China. Das ist die typische Propaganda auf der einen Seite. Gleichzeitig werden alle Konkurrenten, insbesondere Gegner diffamiert.

Die kommunistische Propaganda versucht immer, aus den friedlichen Demonstranten Terroristen zu machen, um eine Rechtfertigung vom Militärischen Einsatz und Terror zu erzeugen. Die Strategie ist immer die Gleiche. Diesmal in Lhasa wurden wie vor 19 Jahren in Lhasa und Peking Gewalttaten und Brandstiftungen vom Regime  inszeniert. Eine solche Inszenierung kann aber von erfahrenen Exilchinesen wie z. B. Chen Pokong, der auch für radio free asia arbeitet, entlarvt werden.

 

An die kommunistische Propaganda, dass ein Flugzeugattentat rechtzeitig verhindert wurde, die der Verfasser erwähnt, glauben wir Exilchinesen auch nicht. Das ist für uns lediglich ein Zeichen dafür, dass das Regime wieder einen Vorwand erzeugt, um die Uiguren zu unterdrücken.

 

In der Tat hat auch der Verfasser gemerkt,  dass eine Verhaftungswelle in den vergangenen Wochen über das Land gegangen ist. Dennoch wünscht er sich:„Auch wegen der Spiele hat sich China Mäßigung auferlegt.“

 

Leider haben wir Exilchinesen schon längst festgestellt, dass selbst  Olympia in der Hand der KP Chinas zum politischen Verfolgungsvorwand verwendet worden ist.

 

Die KP Chinas hat versucht, Menschenrecht als Recht auf Essen  zu reduzieren, was der Verfasser leider akzeptiert.  Es ist auch keine gigantische Leistung von der KP Chinas, wenn die Hungersnot, die der „große Sprung nach vorne“ verursachte, jetzt nicht mehr geschieht, wie der Verfasser meint. Denn ohne die KP Chinas haben sich Chinesen viel besser entwickelt. Schauen Sie Taiwan und Hongkong an. Vergleichen Sie Hongkong vor 1997 und danach!

 

Der Verfasser vergleicht die KP Chinas mit den chinesischen Kaisern, zu unrecht, denn die chinesischen Kaiser waren religiös. Kein Kaiser, keine Dynastie hat 80 Millionen Menschen in Friedenszeiten umgebracht und die Natur aus Größenwahn zerstört wie die KP Chinas. Auch der schlechteste Kaiser in China, der erste Kaiser, berühmt durch die Tonarmee, wird von Mao und seinen Nachfolgern in den Schatten gestellt.

 

Der Grund für solche Mißverständnisse liegt meines Erachtens darin, dass die Republik China, die seit 1911 existiert, kaum in Deutschland wahrgenommen wird. Trotz der Kriege gegen die  Kommunisten und die japanische Invasion genießt ein  Bürger in der Republik China sowohl vor 1949 auf dem Festland als auch danach auf der Insel Taiwan viel mehr Freiheiten als in Rotchina, insbesondere jetzt.

 

Die blutige Niederschlagung in Tibet hat der Welt noch einmal deutlich gemacht, dass die KP mit dem Massenmord nicht aufgehört hat.

 

Genau wie in den kommunistischen Medien kommt die Falun Gong Verfolgung, die seit 1999 in Rotchina tagtäglich geschieht und der weltweite chinesische Widerstand gegen die KP Chinas, der dazu führte, dass tagtäglich einige tausend Chinesen zur KP Chinas nein sagen, nicht in den genannten Artikeln vor.

 

Als in Tibet geborene chinesische Exildichterin mit einem deutschen Pass seit 2004 fühle ich mich verpflichtet, der roten Propaganda entgegen zu wirken und die Wissenslücken in der deutschen Öffentlichkeit zu schließen.

 

Köln, April 2008

 

 

Unter der Überschrift „Wie kommt die rote Infiltration in den deutschen Medien zustande?“ wurde der obige Vortrag am Gewerkschaftstag  des DJV-Landesverbandes NRW in Iserlohn  am 19.04.08 gehalten.

Xu Pei: Lesung in Tübingen am 7. November 2013

9 Nov

 

Vielen Dank für die Einladung der Tibet Jugend der Tibet Initiative Deutschland.

Dies ist die zweite Veranstaltung mit der Tibet Jugend, die ich mit meinen Erfahrungen und Erkenntnissen unterstützen möchte.

In dem ersten Vortrag „Der Konflikt in Tibet und seine Ursachen“ in Karlsruhe

wurde verdeutlicht, dass der Konflikt in Tibet kein ethnischer, sondern ein ideologischer Konflikt auf  internationaler Ebene ist, und zwar ein Konflikt zwischen freiheitlichen Demokratien und kommunistischen Diktaturen.

Diese Erkenntnis habe ich nicht nur durch meine persönliche Erfahrung mit der VR China, sondern auch durch meine intensive Auseinandersetzung in der freiheitlichen Welt gewonnen.  Die neueste Buchveröffentlichung „Der weite Weg des Mädchens Hong“ hat meinen Erkenntnisweg anhand zweier Liebesgeschichten in Rotchina und Westeuropa beschrieben, die in einer Binnen- und einer Rahmengeschichte erzählt werden.

Heute möchte ich zuerst drei Partien aus dem Roman vorlesen, die mit Tibet zu tun haben. Dann möchte ich die Frage „Was bedeutet mir Tibet?“ beantworten, um unter anderem zu verdeutlichen, dass der Roman keine Autobiografie ist, auch wenn mein Leben und Werk  eng miteinander verbunden sind.

 

Was bedeutet mir Tibet?

 

Diese Frage lässt sich aus biographischer, buddhistischer und sozialpolitischer Perspektive beantworten.

 

1. Tibet als Geburtsort

 

Mitten in Maos Terror wurde ich in Dardo, auf Chinesisch Kangding, geboren, weil meine Eltern vom KP-Regime nach Osttibet geschickt worden waren. Sie mussten als Kader von 1955 bis 1974 in Osttibet arbeiten. 1968 wurde ich als zweijähriges Kind nach Chengdu, in die Hauptstadt der Provinz Sichuan gebracht, damit ich bei einer Tante in besserem Klima aufwachsen konnte.  Denn um diese Zeit wurde mein Vater zur Zielscheibe von Maos Klassenkampfes. Nicht nur er, sondern auch mein drittälterer Bruder wurde von den maoistischen Rebellen so verprügelt, dass beide lebenslange Schäden davon trugen. Mein Vater verlor das Gehör eines Ohrs und eine  Augenverletzung beeinträchtigte die Sehkraft dieses Bruders, sodass er später nicht in die Armee eintreten konnte, wie mein Vater und ein anderer Bruder.

Ethnisch gesehen gehören wir zu Han, dem größten Volk in China. Mein ältester Bruder (1957-) musste sich nach dem Schulabschluss Maos Zwangslandverschickung unterwerfen und in einem tibetischen Dorf leben, bis er 1977 nach Maos Tod (1976) an der ersten Aufnahmeprüfung zum Studium teilnehmen durfte.

Auf diese Weise sind die ersten 10 Jahre meines Lebens mit Tibet und seinen Bewohnern verbunden. In Dardo leben nicht nur Tibeter und Han, sondern auch Menschen anderer Völker, einschließlich Muslime. Ich hatte Spielfreunde, deren Vater Han und deren Mutter Tibeterin waren. Es gab auch eine tibetische Bürgermeisterin, die mich als Schönheit beeindruckte und später ermordet wurde.

Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann muss ich an das Essen, die Landschaft und die Menschen in Tibet denken.

 

2. Buddhistische Weltanschauung

 

Meine Kindheit (1966-1976) wurde von Maos Terror überschattet, ohne dass ich ahnte, worum es ging. Als Reaktion darauf wünschte ich mir vor lauter Langweile zu sterben, als ich mit acht Jahren wieder bei meinen Eltern lebte. Als ich meiner Mutter sagte, dass ich lieber sterben möchte, meinte sie, dass mein Tod noch weniger Sinn macht als das langweilige Leben. Außerdem hänge das Leben vom Himmel ab…

Erst nach Maos Tod wurde das Leben in Rotchina bunter. So lebten Gläubige und Glaubensstätten verschiedener Schulen wieder auf. Soweit ich weiß, gibt es in Dardo mindestens eine Kirche, eine Moschee und sechs buddhistische Klöster verschiedener Schule.

Die Leitgedanken des KP-Regimes in China sind Marxismus und Leninismus wie in anderen kommunistischen Staaten auch. Die Einwohner werden von Kindheit an systematisch zum Atheismus und Materialismus indoktriniert. Ich bin möglicherweise eine der Wenigen, die sich nicht umerziehen lassen, denn mich haben etliche Menschen und Phänomene fasziniert, die trotz der KP-Unterdrückung und -Verfolgung  in China vorhanden und bekannt sind.

Beispielsweise wurde ein Buddhist namens Haideng (1902-1989) zuerst im Volk bewundert,  dann vom Regime vereinnahmt.  Denn er gehörte zu den Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten. Eine Kostprobe, Kopfstand auf einem Finger:

Unter den Menschen, die mich nicht nur beeindruckt, sondern auch weitergebracht haben, erwähne ich Haideng aus zwei Gründen. Erstens, er hatte von einem Mönch der tibetischen Schule gelernt. Zweitens, ich habe im Internet einen Propagandafilm „Shao Lin Haideng Meister“ der KP Chinas aus dem Jahr 1984 gefunden, in dem der zehnte Penchan Lama (1938-1989 ) und der Kungfu-Star Jet Li vorkamen. Die Penchan Lamas gehören wie die Dalai Lamas zu den Linienhaltern der buddhistischen Orden in Tibet, die weltliche Macht besaßen. Jet Li wurde schon als Achtjähriger zum Kungfu-Kämpfer  gedrillt und  ist nicht in der Lage, das KP-Regime von dem Land, der chinesischen Kultur und den Menschen zu unterscheiden. Als Filmstar kämpft er weiter auf der internationalen Ebene für die KP Chinas und hatte nach eigener Aussage den Dalai Lama dazu gebracht, die Olympischen Spiele Peking zu unterstützen.

Der vierzehnte Dalai Lama ist wohl der bekannteste Buddhist, aber es gibt neben ihm noch viele Linienhalter, deren Linien noch länger und reiner sind, denn die Linie des Dalai Lama wird schnell mit den weltlichen Dingen vermischt. Ein Buddhist ist eigentlich jemand, der sich von den weltlichen Dingen abgewandt hat, aber es gab Dalai Lamas, die sogar die weltliche Macht ergriffen. Darum hat es um die Dalai Lamas immer wieder Morde gegeben. Andere Linienhalter sind nicht berühmt und mächtig, dafür aber besitzen sie übersinnliche Fähigkeiten. Sie sind in der Lage,  Kranke zu heilen, wie z. B. der Meister von Falun Gong, während der jetzige Dalai Lama sich wegen einer Krankheit noch operieren lassen musste.

 

3. Ruf der Tibeter nach Menschenrechten

 

Meiner Erfahrung nach werden die Tibeter genau wie die Menschen anderer Völker vom KP-Regime dazu gezwungen, auf ihren eigenen Willen zu verzichten. Beispielsweise werden sie zur Sterilisation und Abtreibung gezwungen.  So lange sie die KP-Ideologie akzeptieren und der KP-Führung folgen, können sie vom jetzigen System profitieren und auch viel Geld verdienen, egal zu welchem Volk sie gehören, wie z.B. der Holocaust-Überlebende Kissinger.

Die Menschenrechte werden in jedem Land unter der KP-Führung verletzt, das ist systemimmanent. Deshalb gibt die VR China viel Geld aus, um dieses systematische Verbrechen mit Hilfe westlicher Prominenter wie Kissinger zu vertuschen.

2008, als ich den Ruf aus China „Wir wollen keine Olympischen Spiele, wir wollen Menschenrechte“ unterstützte, sagte Kissinger, dass Busch die Olympischen Spiele in Peking nicht boykottieren solle und er mit seinen Enkeln nach Peking fliegen würde, um die  Olympischen Spiele zu besuchen.

Vielleicht hat Kissinger als US-Graueminenz, der  die Menschenrechte in der VR China missachtet, auch indirekt Einfluss auf den Dalai Lama. Jedenfalls hat der Dalai Lama den olympischen Geist ignoriert und die Propagandaschau der KP Chinas unterstützt, obwohl mein offener Brief an ihn gegen den Missbrauch des olympischen Gedankens von vielen Chinesen unterschrieben wurde.

Deshalb habe ich mich dafür entschieden, auch die Tibeter öffentlich zu unterstützen, die nach Menschenrechten schreien, indem sie unter anderem sich selbst verbrennen.

Die ununterbrochenen Selbstverbrennungen und die Reaktion der KP Chinas darauf haben gezeigt, dass der Mittlere Weg des Dalai Lamas gescheitert ist.

Auch ein Jahr unter dem neuen KP-Generalsekretär Xi Jinping  hält die Verfolgung in Tibet an und der Dalai Lama wird weiter als Separatist verleumdet, um den Nationalismus zu beschwören.

Laut der Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) vom 4. November wurden „allein im Oktober 2013 drei tibetische politische Gefangene zu insgesamt 19 Jahren Haft verurteilt und mindestens 47 Tibeter aus politischen Gründen festgenommen. Sieben von ihnen drohen langjährige Gefängnisstrafen. Außerdem hat der Chef der Kommunistischen Partei Tibets, Chen Quanguo, in der von der Zentralen Parteischule veröffentlichten Zeitschrift ‚Qiushi‘ am vergangenen Wochenende zu einer Verstärkung des Kampfes gegen den Dalai Lama aufgerufen.

China müsse alles tun, um zu verhindern, dass die ‚reaktionäre Propaganda‘ der Separatisten aus dem Ausland nach Tibet gelangt, forderte der Parteichef. China werde daher alle illegalen Satelliten-Empfangsgeräte beschlagnahmen, die Überwachung des Internets verstärken und dafür sorgen, dass alle Telefon- und Internetnutzer sich unter ihrem wahren Namen registrieren lassen müssen. Auch rief der KP-Chef dazu auf, keine Bilder des Dalai Lama in Tibet kursieren zu lassen“.

Gleichzeitig ist in den von der KP gelenkten und korrumpierten Medien von Erfolgen bei der Entwicklung Tibets die Rede.  Um die Welt zu desinformieren,  setzt das KP-Regime auch in Deutschland  alle möglichen Propagandamaßnahmen ein, wie z.B. die „Tibet-Kulturwoche in Deutschland“, die im Oktober in Berlin und München stattfand.

Deshalb soll der Dalai Lama aufhören, sich und die Welt zu betäuben, indem er weiter von einer Lösung mit der KP Chinas träumt. Die Geschichte hat gezeigt, dass die KP Chinas keinen Dialog, sondern nur Gewalt kennt.

Die Exiltibeter und Tibetfreunde sollen die tibetischen Kommunisten dazu bringen, sich an der Austrittswelle zu beteiligen, wie mehr als 150 Millionen Chinesen es getan haben, um sich geistig von der KP Chinas zu befreien und damit eine friedliche Revolution herbeizuführen, wie in Osteuropa.