Archive | Juli, 2013

Xu Pei: Snowden, Murdoch und Kissinger im chinesischen Kontext

27 Jul

Zum sechzigsten Gedenktag an den Koreakrieg möchte ich mit dem Beitrag „Snowden, Murdoch und  Kissinger im chinesischen Kontext“ verdeutlichen,  dass  es im  freiheitlichen Westen Missstände gibt, aber der Rechtsstaat ermöglicht das Bürgerengagement, während unter dem Motto „Wandel durch Handel“ das KP-Regime den Westen unterwandert und korrumpiert.

Snowden in Hongkong

Während  Snowden in den Medien der KP Chinas gelobt wird, wird er von den echten Chinaexperten wie z.B. He Qinglian im amerikanischen Exil als KP-Handlanger kritisiert. Diese chinesische Sicht wurde in meinem Beitrag „Vorsicht! Ein Geisterfahrer – Für Unterstützer des 29-jährigen Amerikaners Snowden“ dargestellt.

Anfang 2002 verließ ich Hongkong, und fuhr Ende des Jahres  extra nach Frankfurt, um an einer Kundgebung  gegen „Hong Kong Basic Law Article 23“ teilzunehmen.  Mit dem Paragrafen 23  wollte das KP-Regime die Bürgerrechte in der ehemaligen britischen Kolonialstadt unterminieren.  Wäre Snowden nicht nach Hongkong geflohen, wenn er davon erfahren hätte? Die zivile Gesellschaft in Hongkong leistet dem KP-Regime immer noch Widerstand. Dem Menschenrechtsanwalt Albert Ho Chun-yan  zufolge verließ Snowden auf Rat eines „Middleman“s, der offensichtlich Peking vertrat, Hongkong, nachdem der US-Auslieferungsantrag dort eintraf. Mit anderen Worten, Snowden hatte die Hilfe der Hongkonger Gesellschaft nicht in Anspruch genommen, aus welchem Grund auch immer.

Snowden verbrachte mit vier Notebooks zuerst 20 Tage in einem Fünfsterne-Hotel und dann seinen dreißigsten Geburtstag in einem Versteck, während seine Enthüllungen die US-Kritik an den Cyber-Angriffen aus Peking konterkarierten und die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die US-Regierung als Täter lenkten.

Während Snowden nach dem Ende des Treffens zwischen Obama und dem KP-Chef Xi  zum erstem Mal in Hongkong auftrat, fand sein zweiter öffentlicher Auftritt in Moskau  statt, nachdem einen Tag davor der „fünfte Strategie- und Wirtschaftsdialog“ zwischen den USA und Rotchina in Washington  zu Ende ging.

Auf dem genannten Dialog in Washington verglich Xis Repräsentant Wang Yang die Beziehung der beiden Staaten mit der eines Ehepaars, während  Xi beim Besuch in Berlin  noch vom „Traumpartner Deutschland-China“ sprach.

Der rote Vize-Premier Wang Yang sagte noch, „Wir beide können nicht den Weg von einer Scheidung einschlagen, wie Deng Wendi und  Murdoch, der Preis ist zu hoch.“

Geplatzter  „Chinatraum“ von Murdoch

Im Westen machte sich Rupert  Murdoch mit allen Mitteln, auch mit Abhörskandalen  zum Medienmogul. Aber in Rotchina bzw. Hongkong erlebte Murdoch nur eine Niederlage, obwohl Murdoch alles getan hatte, um mit der KP Chinas Geschäfte machen zu können. Beispielsweise schaltete er  BBC  ab, das bis dahin über seinen Satelliten ausgestrahlt und in der VR China empfangen wurde.  Er verteilte  die „Hintergrundinformationen“ der KP Chinas an seine Redaktionen, um nach der Anweisung der KP Chinas über den Auslandsbesuch des damaligen KP-Chefs Jiang Zemin zu berichten.

Murdoch stellt ein Paradebeispiel für den schrankenlosen KP-Krieg  dar, nämlich wie westliche Unternehmen mit Versprechen in die Falle gelockt und ausgenutzt werden. Mit Murdochs Investition hatte sich der Fernsehsender „Phoenix“ etabliert und agiert mittlerweile unter der KP-Führung weltweit.

Murdochs Scheitern hat sein ehemaliger Mitarbeiter Bruce Dover im Jahr 2008  unter der Überschrift „Rupert Murdoch’s China Adventures: How the World’s Most Powerful Media Mogul Lost a Fortune and Found a Wife“  veröffentlicht.

In der Periode, in der Murdoch davon träumte, in Rotchina Geschäfte zu machen, lernte er 1997 in Hongkong die 28-jährige Mitarbeiterin Deng Wendi kennen, deren Vorname bis zu ihrem siebzehnten Lebensjahr „Kulturrevolution“ war. 1999 ließ  sich der 68 Jahre alte Mann von seiner zweiten Frau scheiden, um die  Rotchinesin im Alter seiner drei Kinder aus der zweiten Ehe zu heiraten.

2000 erschien ein Bericht in „Wall Street Journal“ über die unrühmliche Vergangenheit der jungen Frau Murdoch. Klagen konnte Murdoch dagegen nicht, weil der Bericht zutraf. Einige Jahre später konnte Murdoch die Zeitung durch Kauf unter seine Kontrolle bringen. Nach diesem Erfolg durfte Michael Wolff  ihn insgesamt fünfzig Stunden lang interviewen. Aber nach dem Erscheinen der Biographie „The Man Who Owns the News: Inside the Secret World of Rupert Murdoch“  machte  Murdoch  dem kritischen Verfasser viel Ärger. Nachdem sich der 82-jährige kurz vor dem vierzehnten Hochzeitstag zum dritten Mal scheiden lassen wollte, gab der Biograph aufschlussreiche Auskunft über das Ehepaar.

Unter Chinesen und in den chinesischen Medien gilt Deng Wendi als die Hemmungsloseste unter den Chinesinnen,  die westliche Ehemänner der Eltern- bzw.Großelterngeneration ergattert haben, wovon in meinem Roman „Der weite Weg des Mädchens Hong“ auch die Rede war.

In den deutschen Medien aber wurde sie erst 2011 durch einen Zwischenfall im britischen Unterhaus bekannt.  Wegen der illegalen Abhörpraktiken musste Murdoch vor einem Untersuchungsausschuss  Rede und Antwort stehen. Da wollte ein Gegner ihn mit einem Teller Rasierschaum attackieren und wurde von Frau Murdoch blitzschnell zurückgeschlagen.

Ihr Gewalteinsatz  hat die Weltpresse mobilisiert, und die Abhörpraktiken und Bestechung von Polizisten, die der Unternehmer zu verantworten hat, wurden dadurch von vielen Medien vernachlässigt. Im „Spiegel“ war sogar zu lesen, „Ihr passionierter Ganzkörpereinsatz zugunsten ihres Gatten Rupert signalisiert nicht nur Fürsorge, sondern auch eine neue gesellschaftliche Bewertung von Paaren mit großem Altersunterschied. Über sie die Nase zu rümpfen, ist nicht mehr zeitgemäß“.

In einer Liste der mächtigsten Menschen der Welt steht Rupert Murdoch auf Platz 26. Durch die Scheidung wird das KP-Regime wohl seinen Einfluss auf den Medienmogul  einbüßen, zumal Frau Murdoch in den chinesischen Medien auch als KP-Spionin gilt. Nachdem Murdoch endlich von seinem „Chinatraum“ aufwachte,  begann das KP-Regime schon, einen britischen Pharmakonzern wie ein Schwein auszuschlachten, der sich auf die Korruption in Rotchina eingelassen hatte, wie alle anderen westlichen Unternehmen auch.

Die Gewinnsucht hat nicht nur Murdoch blind gemacht, sondern auch viele Westler.

Die größte Heuschrecke in den Händen der KP Chinas

Von Michael Wolff ist zu erfahren, dass das Ehepaar Murdoch zur Feier von  Henry Kissingers neunzigstem Geburtstag erscheinen sollte, aber nur Frau Murdoch erschien. Acht Tage später wurde Murdochs Scheidungsantrag bekannt.

Gleich und Gleich gesellt sich gern. Im Jahr 1997 überreichte Kissinger Murdoch die Auszeichnung „Humanist des Jahres“, die eine jüdische Organisation verlieh. Ein deutschsprachiger Kommentartor hielt die Auszeichnung für eine Sprachverdrehung à la George Orwell.  Auch aufrichtige Juden beteiligten sich an dem Protest gegen diese Auszeichnung.  Darum spielt die jüdische Zugehörigkeit keine Rolle. In jeder Rasse, jeder Klasse, jeder Glaubensgemeinde und jedem Land gibt es Menschen, die moralische Grundwerte verraten und sich wie Heuschrecken verhalten.

Eine Sprachverdrehung ist auch der Friedensnobelpreis für Kissinger,  wie der Dokumentarfilm „Der Fall Henry Kissinger – Kriegsverbrecher und Nobelpreisträger“ zeigt. Aber man darf sich nicht seinetwegen zum Antisemitismus oder Antiamerikanismus verleiten lassen.  Denn die USA  gelten als Lieblingsziel aller Menschen, die nach Freiheit streben. Seit 1917 haben  die USA  viele politische Flüchtlinge, die von den Kommunisten, Nazis und sonstigen Staatsterroisten verfolgt werden, aufgenommen, während das KP-Regime die Menschen in China seit 1949 ihrer Rechte  beraubt hat.

Man darf wohl Kissinger anprangern und verpönen für seine menschenfeindlichen Äußerungen und Handlungen. Beispielsweise sagte Kissinger zu Nixon am 1. März 1973: „Die Auswanderung von Juden aus der Sowjetunion ist kein Ziel der amerikanischen Außenpolitik. Und wenn sie die Juden in der Sowjetunion in die Gaskammern schicken, ist das auch kein amerikanisches Problem. Es ist vielleicht ein humanitäres Problem“, nachdem die israelische Premierministerin Golda Meir um amerikanische Unterstützung bat, um mehr sowjetische Juden freizubekommen.

Laut dem Dokumentarfilm „Die Wahrheit über Henry Kissinger“ nennt Kissinger Nixon einen gefährlichen Gauner. Dabei hatten sie einander in die Hände gespielt und ihre Macht missbraucht. Zudem ist Kissinger der einzige Politiker aus dem Westen, der sich bei den KP-Führern der  fünf Generationen in Rotchina eingeschmeichelt hat. Er ist der Hauptverantwortliche für die westliche Appeasement-Politik, die  Massenmorde wie den Kambodscha-Genozid ermöglicht hat.

1971 kam Kissinger zum ersten Mal nach Rotchina, um den Massenmörder Mao zu treffen und mit einem Schurkenstaat das UNO-Gründungsmitglied,die Republik China, aus der UNO zu verdrängen, obwohl Mao zu jener Zeit immer noch unschuldige Chinesen ermorden ließ.

Nach dem Tiananmen-Massaker war der Namensgeber der Beratungsfirma Kissinger Associates, Inc.der Erste, der das Tiananmen-Massaker verteidigte. Wenig später berichtete das „Wall Street Journal“ von Kissingers Geschäften in Rotchina.

Während Kissingers Freund Helmut Schmidt gerne von seinem Besuch und den Gastgebern in Rotchina schwärmte, war Kissinger vierfach häufiger als Schmidt in Rotchina.  Anfang der 1990er Jahre erreichte seine Jahreseinnahme schon 8 Millionen Dollar. Auch im innerparteilichen Machtkampf der KP Chinas spielt Kissinger eine Rolle.

Bevor  Bo Xilai,  der Konkurrent des jetzigen KP-Chefs, im Gefängnis landete, wurde er von Kissinger gelobt und unterstützt. Der kranke Greis war mindestens dreimal in Bos Machtgebiet Chongqing, sodass Yu Ying-shih  einen Kommentar unter der Überschrift  „Kissinger hat Bo Xilai geschadet“ veröffentlichte.

Der neunzigjährige Kissinger ist trotz seiner Bypassoperationen seit 1982 immer noch in Rotchina aktiv. So haben die KP-Medien am 22. Juli den letzten Bericht über Kissinger veröffentlicht. Der vorletzte KP-Chef Jiang Zemin habe am 3. Juli Kissinger mit vier Familienangehörigen getroffen und zusammen gegessen. Dabei schmeichelte Kissinger dem Verfolger der Falun Gong-Bewegung,   „1989… befand sich  China in relativ schwieriger Lage. Sie haben kein Zaudern gezeigt… Ihr Ausdauer und Mut haben mich tief beeindruckt“.

In der Freiheit hätte sich Kissinger bestens über China informieren können, wie die Verfasser des Werkes  „Staats-Organe – Transplantationsmissbrauch in China“,  http://www.staatsorgane.org/shop/pi1/pd1.html

aber er und seinesgleichen lassen sich lieber von der Propagandamaschinerie  der KP Chinas vereinnahmen, um Geschäfte zu machen.

Ich bin dankbar dafür, dass ich mich in Deutschland gegen diese Heuschrecken zur Wehr setzen kann! Das hätte ich in Rotchina nicht tun können.