„Das Leben der Anderen“ auf Chinesisch von XU Pei

17 Dez

Bei jeder Gelegenheit erwähne ich und empfehle ich den deutschen Film „Das Leben der Anderen“ (2006) und das nicht nur, weil der Film über die DDR in der VR China verboten ist. Begründung dafür unter http://xu-pei.lila-lotus.de/index.php?id=58

Die ausländischen Filme werden trotz des KP-Verbots auf chinesisch verbreitet. Aus Rache verfolgt das KP-Regime dann die Film-Teams. Beispielsweise durfte die Schauspielerin Bai Ling 10 Jahre lang nicht einreisen, nachdem sie neben Richard Gere in dem verbotenen Film „red corner“(1997) mitgewirkt hatte, in dem es um systematische Korruption und abhängige Justiz in der VR China ging.  Auch Videos über die Jasminrevolution  oder über das Ende der Ceaușescu-Diktatur  „Die siebentägige Revolution in Rumänien“ lassen sich nicht unterdrücken.

Als ich „Das Leben der Anderen“ auf deutsch sah,  war ich tief beeindruckt. Denn der westdeutsche Florian Henckel von Donnersmarck hat haargenau den grausamen Kern einer KP-Diktatur herausgeschält und dem Publikum schön verpackt präsentiert. Nicht nur die künstlerische Leistung des Films, sondern auch die ungetrübte Gutherzigkeit des Regisseurs sind bewundernswert. Zu dem Film passt ein Zitat aus dem Buch der Bücher im christlichen Kulturkreis, „Laß Dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiegen das Böse stets mit dem Guten.“ (Römer 12:21)

Auch eine chinesische Fassung dieses Films habe ich online gesehen.  Die Nacktszenen, die man verschwinden liess, habe ich nicht vermisst, aber sehr wohl Wörter wie „Berufsverbot“. Durch solche bewusste oder unbewusste Eingriffe gibt es Szenen und Dialoge, die für das chinesische Publikum unverständlich sein müssen. Dennoch kann man durch den Film erfahren, dass  die Kulturschaffenden unter einer KP-Diktatur zur Prostitution gezwungen werden. Diejenigen, die sich dagegen wehren, werden verfolgt und sogar in den Tod getrieben. Jeder muss sich entscheiden, ob er seinem Gewissen folgt oder Karriere machen will.

Außerhalb des Films

Am 17. Dezember 1988 morgens früh landete ich mit einem DDR-Flugzeug in  Ostberlin. Der Anblick des dunklen und des hellbeleuchteten Teils von Berlin verdeutlichte mir den Unterschied zwischen der DDR und BRD. Bis dahin glaubte ich der systematischen Desinformation der KP Chinas, dass die Berliner Mauer auf die Kriegsverbrechen des NS-Regimes zurückzuführen sei und kein Unterschied zwischen den beide Teilen des Landes bestehe. In einer kleinen Gesprächsrunde in der Heimat hatte ich sogar versprochen,  mich vor  die Berliner Mauer zu stellen und ihnen ein Foto davon  zu schicken…

Das Tiananmen-Massaker im Juni zwang mich dann dazu, die Staatsideologie der VR China  und der DDR, die das Pekinger Massaker gut hieß, zu hinterfragen und zu ergründen. Dank der Freiheit in Deutschland konnte ich ohne Schwierigkeit herausfinden, dass der Kommunismus genau so wie der Faschismus Terrorismus ist,  nur rotlackiert. Zurecht werden die Kommunisten von den traditionell gesinnten Chinesen als rote Räuber bezeichnet.

Ich werde  auch an Eva-Maria Hagen und Wolf Biermann erinnert, dessen Gastvorlesung (1993) an der Heinrich Heine Universität  Düsseldorf mir bei der Selbst- und Wahrheitsfindung half,  so wie es auch die Werke der Exilautoren aus anderen KP-Dikaturen beispielsweise  Richard Wurmbrand (1909-2001) und Chang Jung (1952-) taten.

2009 war ich zuletzt in Berlin und habe mit Freunden das Gastspiel des Shen Yun Ensembles  http://de.shenyunperformingarts.org/ besucht, dessen Vorführungen viele Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen beflügeln, aber von der KP Chinas verboten und verleumdet werden.

Als „Das Leben der Anderen“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war es für mich mehr als eine Genugtung, denn die KP Chinas tut alles, um ihrem Günstling Zhang Yimou (1951-) zu einem Oscar zu verhelfen. Nach dem Tiananmen-Massaker wurden drei Filme von Zhang für Oscars nominiert.  Zu seinem Film „Hero“ (2003 ) fiel mir Leni Riefenstahl während des NS-Regimes in Deutschland ein. Seitdem gehöre ich zu Zhangs Kritikern. https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/12/xu-pei-uber-den-regisseur-zhang-yimou/

Innensicht und Außensicht

Trotz meiner Bewunderung kann ich durch „Das Leben der Anderen“ erfahren, dass sein Regisseur das Glück hat, eine KP-Diktatur nur als Aussenstehender zu erleben und zu durchschauen.  Bertolt Brecht (1898-1956) gehört wie  Maxim Gorki (1868-1936) und Lu Xun (1881-1936) zu den Propagandisten des Kommunismus, deren Werke von den kommunistischen Herrschenden  instrumentalisiert werden, um die Nachgeborenen einer  Gehirnwäsche  zu unterziehen.

Um Brecht zu lesen, muss man in der VR China also nicht stehlen, wie es der Stasi-Hauptmann in dem Film tut. Der Pseudo-Prolet Brecht, der in der DDR  zu den „Ausbeutern“ gehörte,  kann nicht als Vorbild dienen, wenn man ein guter Mensch werden will, sondern eher als abschreckendes Beispiel. „Der gute Mensch von Szechuan“ von Brecht blieb für mich als Studentin in Sichuan unverständlich.  Nachdem ich in Deutschland mehr über den Autor in Erfahrung gebracht hatte, wollte ich von ihm nichts mehr lesen. Denn ich lasse mich nur von Menschen belehren oder inspirieren, deren Worte und Taten übereinstimmen.

Ein verbotenes Buch (Samisdat) hätte den Stasi-Hauptmann eher dabei unterstützt, sein von der KP-Maschinerie gestörtes Menschsein wieder  zu beleben.

Im Vergleich zum Film geht es  in der VR China viel korrupter und  brutaler zu, insbesondere was sexuelle Gewalt betrifft.  Bei der Überwachung haben die Stasi-Schergen der KP Chinas es nicht nötig, sich zu verstecken. Sie haben beispielsweise nicht nur den blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng (1971-) und seine Familie geschlagen, sondern auch jeden Besucher, sogar den Hollywoodstar Christan Bale.

Vor dem Tiananmen-Massaker 1989 gab es in der VR China noch „Eselkommunisten“, die wirklich dem Volk und Staat dienen wollten.  Ohne sie hätte ich keine schöne Erinnerung an Sichuan und wäre nicht in der Lage gewesen, mich in die „feindliche“ Welt zu wagen.  Erst das Tiananmen-Massaker hat vielen Menschen wie mir die Augen geöffnet. Seitdem  findet der chinesische Widerstand gegen die KP-Diktatur auf mannigfaltige Art und Weise statt.  Mein erster Protest auf deutsch lautet: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/09/25/das-lebenslied-von-xu-pei/

Durch das Tiananmen-Massaker  verlieren die Kommunisten und ihre Staatsideologie ein für allemal Glaubwürdigkeit und Respekt. Dadurch wurde es erst für die KP-Gegner möglich, trotz der Fahndung in China unterzutauchen und sogar ins Ausland zu fliehen, was viele notgedrungen taten. Durch die Existenz der tatkräftigen KP-Gegner war es Liu Xiaobo (1955-) erst möglich, nach seiner Verleugnung des Tiananmen-Massakers in den Medien der KP Chinas, als mit Dollars honorierter „Luxusdissident“ in China zu leben.

Für einen Spitzel unter einer KP-Diktatur wie Oskar Pastior, der die erste Gelegenheit ergriff, um in die Freiheit zu fliehen und sich zu offenbaren, habe ich Verständnis, aber für Liu Xiaobo habe ich nur Verachtung,  denn er hat seit 1989 die tatkräftigen Bürgerrechtler wie z. B. den Rechtsanwalt Gao Zhisheng (1964-) im Sinne der KP Chinas konterkariert. Trotz seiner Hurendienste für die Herrschenden wurde er zu einer Haft von 11 Jahren verurteilt und bekam damit  den Friedensnobelpreis 2010.

Die Galionsfiguren der KP Chinas

„Das Leben der Anderen“ hat viele Chinesen zu eigenen Reflexionen inspiriert. Unter ihnen befinden sich weder Liu Xiaobo noch Zhang Yimou.  Zhangs Rolle bei den Olympischen Spielen Peking und der Film „The Flowers of War“ zeigten, dass Zhang Yimou seine geistige Prostitution fortgesetzt hat. Der Film hat alle Filme in der VR China bei den Kosten (94 Millionen Dollar) übertroffen und durfte als Kandidat bei der Oscar-Nominierung 2012 Rotchina vertreten, aber trotzdem sein Ziel nicht erreicht. Daher bleibt Zhang auch weiterhin Zielscheibe des chinesischen Spottes.

Schon nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 wurde  Ai Weiwei (1957-) der berühmteste Kritiker von Zhang.  Sein Urteil über Zhang lautet, „Er ist nur ein Opportunist, ein Mensch ohne Seele. Er versteht gar nicht, was richtig und falsch ist, was der Respekt vor der Kunst, der Menschenwürde und Ethik für einen Kulturschaffenden bedeutet. Er verehrt die Macht, produziert ekelerregendes Zeug“.

Seitdem fühle ich mich von Ai Weiwei bestätigt und bestärkt. Leider wird der unabhängige Künstler ebenfalls verfolgt, trotz der Sonderrechte, die er durch seinen Vater Ai Qing (1910-1996) bekam.  Mehr dazu https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/13/xu-pei-uber-den-kunstler-ai-weiwei/

Ai Weiwei hat der Welt verdeutlicht, dass die Menschen in dem heutigen China genau wie in dem Film „Das Leben der Anderen“ mit allen Mitteln verfolgt werden, wenn sie sich nicht mit dem KP-System ins Bett legen wollen.

Um unter einer KP-Diktatur gefeiert zu werden muss man Anpasser, Spitzel und Verräter werden, wie „Das Leben der Anderen“ zeigt. Oder mit den Worten des DDR-Gegners Gerulf Pannach (1948 – 1998) „Idioten macht man zu Idolen, wenn sie loben, was besteht.“  Pannach und andere Ostdeutsche, die ihren aufrechten Gang nicht aufgeben wollten und Position bezogen, wurden mit systematischen „Zersetzungsmaßnahmen“ verfolgt,  auch wenn sie das Glück hatten, von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft zu werden.

Ich bin dankbar, ahnungslos den Käfig verlassen zu haben und genieße die Freiheit im Westen.

Ohne Gewissen keine Zukunft

Leider nehme ich als Exilchinesin die Einflussnahme der KP Chinas immer stärker wahr. Während der Oscar-Traum der KP Chinas bisher noch nicht in Erfüllung ging, hat Mo Yan (1955-), der wie Zhang Yimou als Huhn im Gedankenkäfig der KP Chinas gehalten wird und Zhang die Drehvorlage lieferte,  den Literaturnobelpreis 2012 bekommen.

Mehr dazu: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/14/xu-pei-uber-den-literaturnobelpreistrager-2012/

Daran ist noch einmal klar zu erkennen, dass auch die Literatur- und Friedenspreise im Westen  immer stärker nach Macht und Markt riechen. Sie hätten aber nach der Moral duften müssen.

Mehr dazu

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/05/stellungnahme-von-xu-pei-zum-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-fur-liao-yiwu/

Jedenfalls braucht ein Westler nur  „Das Leben der Anderen“ zu sehen, um zu begreifen, dass Selbstkastraten keinen Respekt verdienen, auch wenn sie im Westen mit Preisen ausgezeichnet werden. Ihre Werke haben keine Nährwerte für die Seele, wie die Eier von Hühnern im Käfig, die mit Hormonen und Fischmehl zugestopft werden. Freiheit hätte ihnen besser getan.

Für die Freiheit haben sich 100 Tibeter selbst angezündet; Für das Gewissen sind mindestens 3627 Falun Gong Praktizierenden zu Tode gefoltert worden. (Stand:17. 12. 2012)

Bevor 2012 zu Ende geht, hat auch die australische Premierministerin Julia Gillard vor der Apokalypse gewarnt. Nach meiner Wahrnehmung wird der „Weltuntergang“ nicht stattfinden, aber es lohnt sich zu hinterfragen, warum davon die Rede ist und was Weihnachten eigentlich bedeutet.

Die Zukunft gehört jedenfalls nur denjenigen, die ihr Gewissen bewahrt haben, egal ob sie in der Unfreiheit oder in der Freiheit leben.

Köln, 17. 12. 2012

Eine weiße Pflaumenblüte (Baimei)

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/7750560

aus fünf Rundmails

Das erste Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/23/xu-pei-uber-die-rote-gefahr-fur-deutschland/

Das zweite Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/28/insider-wissen-uber-china-fur-deutschsprachige-mitburger-von-xu-pei/

Das dritte Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/11/23/xu-pei-uber-einflussnahme-der-kp-chinas-in-deutschland-am-beispiel-der-deutschen-welle/

Das vierte Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/05/was-fur-schwiegersohne-gibt-es-in-deutschland/

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Eine Antwort to “„Das Leben der Anderen“ auf Chinesisch von XU Pei”

  1. karin Seebach Dezember 21, 2012 um 9:32 am #

    – dies wurde realistisch und wahrheitsgetreu verstanden mit einem scharfen Intellekt.
    Danke – Xu Pei
    weihnachtlichen Gruss von Karin aus Dänemark

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