Xu Pei über den Regisseur Zhang Yimou

12 Dez

„Zhang Yimous faschistische Ästhetik“ lautet die Überschrift eines Artikels von Cao Changqing, einem chinesischen Journalisten, der auch im Exil leben muß. Am 20. Juli 2008 hat Cao den Artikel in New York fertiggestellt und in der Augustausgabe einer Hongkonger Zeitschrift veröffentlicht.Cao ist auch der Meinung, daß die Olympischen Spiele in Berlin und in Peking eindeutig vom diktatorischen Regime inszeniert worden sind.Sie haben auch sogenannte Künstler engagiert, die für sie propagieren, um einer Einparteiherrschaft mit künstlerischen Mitteln einen Glanz zu verleihen, der die Menschen verblenden und verführen soll.Cao hat Zhang Yimou mit Leni Riefenstahl verglichen.

 

Fünf Ähnlichkeiten:

 

Beiden kommen von unten, kämpfen sich nach oben und dann werden von den Machthabern unterstützt.

Ähnliche ästhetische Vorstellung

Ähnliche Vorstellung vom Staat a la “Triumph des Willens”

Ähnliche Wirkung mit unterschiedlichen Mitteln

Beiden wissen genau, was für Dienste sie den Machthabern leisten.

 

und drei Unterschiede:

 

Bei Riefenstahl geht es um Kreativität, bei Zhang Nachahmung.

Während Riefenstahl Größenwahn zeigt, auch ohne das Regime, braucht Zhang das Regime, um Größenwahn zu zeigen.

Bei Riefenstahl wirkt es Yang (männlich, hell…), bei Zhang Yin (weiblich, dunkel)

 

hat Cao festgestellt und ausführlich begründet.

 

Als ich am 5. August diesen Artikel zu lesen bekam, fühlte ich mich bestätigt, denn ich habe vor vier Jahren (2004) einen Aufsatz geschrieben, um das Regime in China als Bedrohung für die Welt und Zhang als Nachfolger von Riefenstahl zu beleuchten. Angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking und der roten Propaganda weltweit gewinnt dieser Aufsatz eine Aktualität, die mich freut und ich wünsche, daß dieses historische Dokument Ihnen mehr Hintergrund über China und Zhang Yimou vermittelt.

 

Was für ein “Held”?

 

Seit der Film “Held (Hero)” (2002) in Deutschland zu sehen ist, habe ich als Chinesin mehrmals Lob für diesen “großartigen” Film aus meinem Heimatland gehört, während mir im Internet nur chinesische Kritik an seinem Regisseur Zhang Yimou begegnet ist. Zhang selbst bezeichnete diesen Film als einen großen chinesischen Film, welcher große amerikanische Filme an Beliebtheit übertreffen sollte. Leider übersah er den Individualismus und Humanismus in den amerikanischen Filmen und unterstrich stattdessen mit seinem “Held” den zurzeit in Rotchina unübersehbaren gewaltverherrlichenden Nationalismus.

 

Durch Zhang Yimous Film wird einer der berüchtigsten chinesischen Kaiser der Qin-Dynastie nicht nur als Eroberer anderer Staaten dargestellt wie in der chinesischen Geschichte, sondern auch noch als “Eroberer” des berühmten Helden Jing Ke.

 

Die überlieferte bekannte Geschichte lautet: Um sein friedliches Heimatland vor einer bevorstehenden Invasion Qins zu schützen, war Jing Ke gezwungen, Qins gewalttätigen König zu ermorden. Dieses Attentat misslang leider – und Jing Ke wurde umgebracht. Nach konfuzianischem Wertesystem wird Jing Ke als Held bewundert und der erste Kaiser von Qin, der Jings Heimatland schließlich überwältigte und das erste Kaiserreich der chinesischen Geschichte gründete, als Tyrann verurteilt. Aber in Zhangs Film läßt der Attentäter dem Tyrann, bzw. der nationalen Einheit zuliebe sein Schwert fallen und wird dennoch umgebracht.

 

Als eine Journalistin, die ein Dichterportrait von mir für Funkhaus Europa machen wollte, beim Interview auch diesen Film bewunderte, mußte ich dieses Phänomen als interkulturelles Missverständis ernst nehmen, obwohl ich mich bis dahin von der Journalistin gut verstanden fühlte, nicht zuletzt, weil wir beide Erfahrungen unter einer kommunistischen Diktatur machen mußten: Sie war vor dem Zusammenbruch der DDR in die BRD geflohen. Ich verließ Anfang 2002 fluchtartig die VRC (Volksrepublik China) und schwor mir wie der in Paris lebende Literaturnobelpreiträger Gao Xingjian, nie wieder in die Heimat zurückzukehren, solange das jetzige Regime existiert.

 

Um weiteren deutschen Bewunderern Zhangs jetzige Rolle in der VRC zu erklären, fiel mir Leni Riefenstahl ein. Zhang Yimou ist nicht nur genau so talentiert, sondern ebenso erfolgreich, daß er auf Chinesisch jetzt als “großer roter Mensch” bezeichnet wird. In der Tat ist er so rot, daß die Premiere seines Filmes “Held” in der Volkskongresshalle unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen gefeiert wurde. Für die Filmproduktion hatte er ein Staatsbudget von über 30 Millionen US Dollar erhalten. Einige tausend Mitglieder der “Volksbefreiungsarmee” spielten als Statisten mit. Für groß angelegte Werbekampagnen wurden sogar zwei Flugzeuge drei Tage lang in Anspruch genommen. Ein Werbespruch hieß: Schau dir Zhang Yimous Filme an, um die nationale Filmindustrie zu unterstützen!

 

Während Leni Riefenstahl durch ihre Freundschaft mit Hitler über getötete und verfolgte Künstlerkollegen triumphierte, sah Zhangs Laufbahn in Rotchina zuerst recht “schwarz” aus:

 

Zhang wurde Anfang der Fünfziger Jahre geboren, kurz nach der Machtergreifung der kommunistischen Partei in China. Um die Ausbeuterklasse zu vernichten, hatten die Kommunisten all diejenigen Eigentümer, die nicht mit der alten Regierung von Chiang Kaishek nach Taiwan fliehen konnten, getötet oder ihre Besitztümer im Namen desVolkes beschlagnahmt. Um die Bevölkerung mit der “blutroten” kommunistischen Ideologie zu assimilieren, war es nach 1949 an der Tagesordnung gewesen, Menschen im so genannten Klassenkampf zu töten oder zu degradieren.

 

Das erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1957, als über 500 Tausend Intellektuelle, welche zum Teil im Namen von Demokratie und Freiheit für die KPC (Kommunistische Partei Chinas) gegen die Regierung von Chiang Kaishek gekämpft hatten, als “Rechte Elemente” verfolgt wurden, weil manche von ihnen die Demokratie und Freiheittatsächlich einforderten.

 

Danach verursachte das Regime durch den “Großen Sprung nach vorne”, der den amerikanischen und britischen „Imperalismus“ binnen weniger Jahre einholen sollte, eine Hungersnot, die etwa 40 Millionen Chinesen dahinraffte.

 

Zhangs Familie gehörte zu den allerersten Chinesen, die als “schwarz” bezeichnet und unterdrückt wurden, weil sein Vater als Offizier die alte Regierung verteidigt hatte. Er wuchs in Armut und Diskriminierung auf und dürfte sich während der Hungersnot (1959-1961) kaum satt gegessen haben können.

 

In meinem Geburtsjahr – 1966 – rief Mao zur “Großen Proletarischen Kulturrevolution” auf, um seine Alleinherrschaft zu stärken, welche Staatspräsident Liu Shaoqi nach der Hungersnot zu bedrohen schien. Die Jugendlichen, die Mao als “großer rettender Stern des Volks” schon im Kindergarten besingen mußten, beteiligten sich enthusiastisch daran, und diejenigen, deren Familien nicht “schwarz” waren, durften als Maos Rotgardisten im Namen der Revolution alles zerstören, was zur Kultur Chinas gehörte, von alten Tempeln bis hin zu jungen Lehrern.

[…]

Zhang war damals (1966) ein 16-jähriger Mittelschüler, als der gesamte Bildungsbetrieb Rotchinas unterbrochen wurde. Ab 1968 mußte er als Bauer auf dem Land hart arbeiten, bis er als 21-jähriger eine Stelle in einer Textilfabrik bekam. Während der junge Arbeiter in der Freizeit sein Talent entwickelte und angeblich Blut verkaufen mußte, um sich einen Fotoapparat zu kaufen, wurde der Klassenkampf permanent weitergeführt.

[…]

Nach Maos Kulturrevolution war es im Jahre 1977 wieder möglich, durch eine Aufnahmeprüfung einen Studienplatz zu bekommen, den vorher nur “Rote Kinder” bekommen konnten. Zhang musste sich mit seiner Fotografie an den Kultusminister wenden, um eine Sondergenehmigung zu bewirken, weil er die Altersgrenze bereits überschritten hatte. In den Jahren 1978-1982 studierte Zhang dann unter Protest seitens Lehrer- und Studentschaft Kinematographie an der Pekinger Filmhochschule. Das Studium war gebührenfrei, und sein Leben wurde von seiner berufstätigen Frau unterhalten.

 

Nach seinem Studium arbeitete Zhang zuerst als Kameramann, dann als Darsteller, und zwar in Filmen, die als “Vergangenheitsbewältigung” oder als “Suche nach den Wurzeln” zu bezeichnen sind. Ein Wortführer dieser neuen Kunstrichtung war Zheng Yi. Dieser zu Zhangs Generation gehörende Schriftsteller schrieb auch das Drehbuch für den Film “Old Well”, in dem Zhang zum ersten Mal als Hauptdarsteller wirkte und in Japan einen Preis gewann.

 

Im Jahre 1988 durfte Zhang als Regisseur der “fünften Generation” in Rotchina Beiträge zu einem Filmmarkt leisten, den das Regime zum ersten Mal zuließ, trotz Zensur. Davor, d.h. nach der Machtergreifung der Kommunisten, waren alle chinesischen privaten Filmstudios, die bereits im Jahr 1905 die ersten Filme gedreht hatten und sehr florierten, unter kommunistische Ideologie und Führung gestellt worden. So wurden Filme gedreht, die das Leben vor 1949 in China als menschenunwürdig und die Kommunisten als Retter darstellten. Meinen ersten Eindruck von Tibet habe ich von dem Film “Sklaven” bekommen, in dem Sklaven in Tibet von den Kommunisten befreit werden sollten.

 

Aber selbst von solchen Propagandafilmen gab es nur wenige vor 1980, weil die Fachleute mit dem “ununterbrochenen Klassenkampf” beschäftigt waren und dabei auch der Reihe nach unter verschiedenen Vorwänden “beseitigt” wurden – mal als “rechte Elemente”, mal als “Kapitalistengehilfen”. Es ist festzustellen, dass nach 1949 in Rotchina alle Filme von der kommunistischen Ideologie beeinflusst worden sind. Und kaum war es in den Achtzigern möglich, diese Staatsideologie auch in Filmen in Frage zu stellen, ereignete sich im Jahre 1989 das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens. Danach sind alle Intellektuellen, welche den roten Gedankenkäfig zu öffnen versucht hatten, entweder verhaftet worden oder geflohen, wie auch Zheng Yi. Ihm gelang es, nach einer dreijährigen Flucht, im Jahre 1992 Hongkong zu erreichen. Seit 1993 lebt er wie die meisten chinesischen Intellektuellen nach dem Massaker in den USA, was mit den deutschen Intellektuellen während der Nazizeit durchaus zu vergleichen ist.

 

Ich gehöre zur zweiten Generation, die in Rotchina aufwuchs. Im Vergleich zu Zhang habe ich nicht nur einen Vater, welcher für die KP Chinas gekämpft hatte, sondern auch das Glück, mit 21 Jahren mein Studium an einer Hochschule für Fremdsprachen beenden zu können.Während Zhangs Ausbildung durch Maos Kulturrevolution gestört wurde, wurde meine Bildung von Dengs Reformen begleitet, trotz der Repression im Jahre 1986, als der liberale Generalsekretär der KPC, Hu Yaobang, entmachtet wurde, dessen Tod im Jahr 1989 dann die weltbewegende Demonstration auslöste.

 

Diese Demonstrationen in Peking verfolgte ich als Studentin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Fernsehen und erlebte das Tiananmen-Massaker als den Schock meines Lebens. Erst von da an lernte ich die Wahrheit, oder anders gesagt, die Geschichte meiner Heimat bewusst kennen. Dazu zählte auch ein Vortrag über die Kulturrevolution von Zheng Yi, den er nach seiner Flucht auf Einladung von Prof. Helmut Martin an der Bochumer Universität hielt. Dieser Sinologe durfte auch wegen solchen Engagements für “antichinesische Kräft” Rotchina bis zu seinem Tode nicht mehr besuchen.

 

Während Zhang den Deutschen durch den “Goldenen Bären” bei der Berlinale (1988) für seinen Film “Das rote Kornfeld” bekannt wurde, wurde er den Chinesen zuerst dadurch bekannt, dass er seine Ehefrau und seine fünfjährige Tochter im Stich ließ, weil seine “Neue” niemand anderes war als die Schauspielerin Gong Li, die zu jener Zeit die Hauptrolle in seinem Film “Das rote Kornfeld” spielte.

 

Das “Rote” in Zhangs Filmen fiel mir auf, und die weiblichen Hauptrollen erinnerten mich an die berühmte Propagandageschichte “Die Frau mit weißem Haar”, welche das Elend der Chinesinnen vor 1949 veranschaulichen sollte. In der alten chinesischen Gesellschaft sollen Frauen sexuell missbraucht und ausgebeutet worden sein. Durch die kommunistische Befreiung aber konnten die Frauen “die Hälfte des Himmels” auf ihren Schultern tragen, – so jedenfalls wollte es das Regime der Bevölkerung eintrichtern.

 

In Wirklichkeit aber verloren die Chinesinnen in Rotchina nicht nur wie die Männer ihr ganz normales Menschenrecht, sondern auch das Recht auf Mutterschaft. Vom Staat organisierte Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen hatte es in der vergangenen “schwarzen” Gesellschaft jedenfalls nie gegeben.

 

Es stimmt, dass seit 1949 Konkubinen nicht mehr erlaubt sind. Während die Ehefrauen und Kinder früher wegen junger Frauen nicht verlassen werden durften, werden in Rotchina die altgedienten Ehefrauen einfach geschieden, wie es bei Zhangs Frau passiert ist. Wenn auch Zhangs Scheidung im Jahre 1988 noch als ein Skandal galt, sind Zhangs Affären heutzutage in Rotchina normal. Als seine Tochter bei einem Interview einmal danach gefragt wurde, gab sie zu verstehen, sie habe nichts dagegen, wenn ihr Vater sie nicht wieder so vernachlässige wie während seiner siebenjährigen Liaison mit Gong Li.

 

Zhangs Filme stellen die Frauen vor 1949 also weiterhin nach dem kommunistischen Muster dar, nur mit einer sexuellen Anzüglichkeit, die weder dem kommunistischen Kanon noch den alten chinesischen Sitten entspricht, sondern Zhang charakterisiert. Sein Film “Leben” (1994), welcher die Realität in Rotchina darstellt, darf aber bis heute nicht in Rotchina gezeigt werden.

 

Farbenwechsel

 

Nach 1989, nachdem die kommunistischen Regime in Osteuropa eines nach dem anderen zusammenbrachen, verlor der Kommunismus ein für allemal seine Glaubwürdigkeit. Die KPC hatte zwar mit Panzern ihre Macht erhalten, aber die Herzen der Menschen verloren. Als “Opium für das Volk” dient in Rotchina seitdem der Nationalismus; schließlich gibt es auch heute noch keine Pressefreiheit. Die Bevölkerung hört nur die Stimme der KPC.

 

Die chinesische Sprache, die einst tiefsinnig und vieldeutig war, wurde von den Kommunisten leider ideologisiert. Nachdem ich erfuhr, wie die friedlichen Studenten als “Gewalttäter” oder gar als von Ausländern gesteuerte “Staatsumstürzler” in den öffentlichen Medien beschrieben wurden, gingen mir erst die Augen auf für die kommunistische Propaganda bzw. ihre sprachliche Gewalt.

 

Das Massaker von 1989 war das erste Verbrechen in Rotchina, welches direkt vor der gesamten Weltöffentlichkeit vollzogen wurde. Dennoch streitet das Regime bis heute alles ab. Deshalb werden auch diejenigen Opferfamilien bis heute verfolgt, welche nicht bereit sind, dieses Massaker zugunsten einer nationalen Stabilität zu vergessen, wie das Regime es verlangt.

 

Dank meines Promotionsstudiums in Deutschland habe ich meine chinesische Wurzel zu schätzen gelernt. In Deutschland wird der theoretische Teil als die Drei Lehren des Konfuzianismus, Taoismus und des Buddhismus in der Philosophie rezipiert, und der praktische Teil wird als Qi Gong, Tai Ji Quan, Joga oder Gongfu usw. verbreitet, während sie mir als ganzheitliche Selbstkultivierung, mit anderen Worten als theistische Lebensform bekannt sind.

 

Ich veröffentliche zwar seit 1989 in beiden Sprachen regimekritische Schriften, aber so engagiert wie Prof. Martin war ich nicht. Als ich nach meiner Promotion im Jahre 1996 die Pekinger Universität besuchte, um dort tätig zu werden, stellte ich fest, dass es für mich unmöglich sein würde, mich wieder in diesem roten Käfig einzuleben. Wie kann ich damit einverstanden sein, den Marxismus als die Seele der Pekinger Universität zu bezeichnen?

 

Zhang aber hatte gezwungermaßen seine Suche nach der Wurzel aufgegeben und bewegt sich nun auf einer Oberfläche, welche die Wahrheit in Rotchina versteckt. Nachdem Zhang mit Hilfe ausländischer Anerkennung auch in Rotchina bekannt wurde, gab er eine Heldentat auf, genau wie in seinem Film “Held”, in dem der Attentäter im Angesicht des Tyrannen auf sein Schwert verzichtete. Während nach dem konfuzianischen Wertesystem der erste Kaiser von Qin als Tyrann verurteilt wurde, wird er bis heute noch von den kommunistischen Führern verehrt.

 

So sagte Mao Zedong im September 1959 bei einem ausländischen Interview: “Ich bin wie der erste Kaiser von Qin, ich bin einverstanden mit dem ersten Kaiser von Qin, nicht einverstanden bin ich mit Konfuzius”. Jiang Zeming, der nach dem Tode Dengs (1997) im Jahre 1998 den Machtkampf in der KPC gewann, verhält sich genauso wie Mao. So wurde eine der größten Militärparaden zum 50sten Gründungstag in Rotchina veranstaltet, und der Diktator zeigte sich in einer Pose wie Mao vor den Rotgardisten.Während Mao die chinesischen Intellektuellen und Künstler verfolgte, versuchte Jiang, sie zu bestechen – bei Zhang hat er anscheinend den größten Erfolg erzielt. Während Hitler die Juden zu vernichten suchte, versucht Jiang seit Sommer 1999 Falun-Gong, eine traditionelle theistische Lebensform, zu vernichten, deren Prinzipien “Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Duldsamkeit” sind und zu Beginn der Verfolgung in Rotchina von mindestens 70 Millionenen Menschen praktiziert wurde. (Jiang wird mittlerweile wegen Völkermordes in verschiedenen Ländern – auch in Deutschland – angeklagt.)

 

Im Jahr 2002, beim 16. Nationalen Volkskongress, welcher dem Regime als “Deko” diente, zu dem Zhang nun ebenfalls zählt, ließ sich der Diktator trotz seines hohen Alters (76 Jahre alt!) noch einmal zum Vorsitzenden der Militärkommission “wählen”, denn wer die Macht über die Armee hat, der steht über der KPC, somit auch über Rotchina.Während Zhang weitere 30 Millionen Dollar für einen Film (2004) erhielt, welcher die unglaubwürdige Geschichte einer Geisha aus der Vergangenheit vorführt, werden über 6 Millionen chinesische Prostituierte einmal wieder zur Zielscheibe einer “roten Kampagne” gegen die Prostitution.Während Zhang einst für sein Blut einen Fotoapparat bekam, wurden arme Bauern beim Blutverkauf mit dem Aids-Virus infiziert. Damit die Weltöffentlichkeit nichts von der Existenz der Aids-Dörfer mit etwa einer Million Bewohnern erfuhr, wurden die freiwilligen Helfer vom Regime verfolgt.

 

Als ich Zheng Yi neulich am Telephon auf Zhang hin ansprach, konnte er nur seufzen. Als er mit Zhang für den Film “Old Well” zusammengearbeitet hatte, war Zhang noch ein verantwortlicher Schauspieler gewesen. Zhang und seine Filme zu kritisieren sei ihm zu peinlich.

 

Mir geht es auch nicht darum, ihn als Opfer oder Täter zu stigmatisieren, sondern nur darum, zu zeigen, wie der einst “schwarze” Zhang nun ein “Held” in Rotchina wurde und mit seinen roten Filmen einen großen Beitrag dazu leistet, die chinesische Geschichte und die augenblickliche Realität zu verstellen. Ohne seine Werbefilme wäre es undenkbar, daß Rotchina den Wettbewerb als Veranstalter für die Olympischen Spiele im Jahre 2008 gewonnen hätte.

 

Ich selbst bin durch mein Deutschlandstudium auf eine schwarze Liste geraten und kann nur das Internet als Wandzeitung benutzen, um dem roten nationalistischen Regime Widerstand zu leisten.

 

Aber auch deswegen weiß ich, wie Leni Riefenstahl es geschafft hatte, glorreiche Filme mit Welterfolg zu zeigen, während ein Regime gerade dabei war, diese Welt in einen Abgrund zu stürzen.

06.08.2008, am Kölner Dom

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