Brief an die FAZ-Herausgeber von Xu Pei am 10. August 2012

11 Dez

Sehr geehrte Herren  Herausgeber,

 

dies soll mein letzter Versuch sein, die FAZ auf meine Bemühung um die Konfliktlösung  zwischen den chinesischen KP-Gegnern und Herta Müller bzw. ihrer FAZ- Redakteurin hinzuweisen.

 

Als deutsche Bürgerin mit chinesischen Wurzeln genieße  ich meine Freiheit und möchte sie dafür einsetzen, dass auch die Festlandschinesen die gleichen Menschenrechte bekommen wie die Chinesen in der Republik China, die seit 1949 nur noch auf der Insel Taiwan existiert.

 

Erst dank meines Promotionsstudiums in Deutschland (1989-1996) konnte ich die chinesische Tradition und Geschichte bewusst schätzen lernen, während ich durch das Tiananmen-Massaker die KP-Diktatur und ihre systematische Desinformation durchschaute. Seit meinem zweiten Heimkehrversuch 2002 bin ich mit Chinesen weltweit verbunden, um dem Terrorregime Widerstand zu leisten, trotz der „Berliner Mauer“ der KP Chinas im Internet. Seitdem betätige ich mich als Vermittlerin, um transparente Menschen wie den Künstler Ai Weiwei und unbeugsame Gruppen wie die Falun Gong-Bewegung zu unterstützen,  die für die universellen Grundwerte kämpfen und leiden.

 

Von den FAZ-Lesern werde ich regelmäßig  mit Ihren Beiträgen in Bezug auf China einschließlich Tibet informiert und konfrontiert. Ich vertrete auf Deutsch die gemeinsame Erkenntnis der chinesischen KP-Gegner,  dass sich das linkstotalitäre Regime in der VR China bereits zu einem rechtstotalitären Regime verwandelt hat. Die roten Machthaber terrorisieren nicht nur die Chinesen, sondern korrumpieren und bedrohen die ganze Welt.

 

Auch in Deutschland werden allerlei Befürworter von der KP Chinas unterhalten, die entweder deutsche Medien wie z.B. Deutsche Welle oder eigens dafür errichtete Propagandazentren wie z. B.  „Konfuzius-Institute“ benutzen, um ein Trugbild von dem heutigen China vorzugaukeln.

 

Das FAZ-Interview mit der im Exil lebenden Chinaexpertin He Qinglian über die Deutsche Welle und Ihre Veröffentlichung über die Konfuzius-Institute von dem Sinologen Dr. Jörg -M. Rudolph gehören zu den wenigen deutschen Beiträgen, die die Unterwanderung der KP Chinas in Deutschland beleuchtet haben. Durch diese FAZ-Beiträge fühle ich mich in meiner Bürgerinitiative bestätigt und gewann den Eindruck, dass die FAZ die gleichen Grundwerte beachtet und verteidigt wie wir Exilchinesen.

 

Während ich als Exilchinesin in Deutschland nur meinem eigenen Gewissen gehorche, werden die deutschen China-Korrespondenten in der VR China mit unzähligen Zwängen belastet. Viele sind schon durch das Neuchinesisch à la George Orwell  mit dem KP-Virus infiziert worden, weswegen ich bis zum Jahr 1998 fast nur auf Deutsch veröffentlichte, auch wenn es mir bis heute noch schwerer fällt,  auf Deutsch zu schreiben,  als mich in meiner Muttersprache auszudrücken.

 

Durch die deutschen Berichte über den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist mir besonders klar geworden, dass sich kein deutscher Chinakorrespondent oder Sinologe mit dem chinesischen Widerstand gegen die KP-Diktatur auf der politischen, kulturellen und ideologischen Ebene auskennt.  Liu Xiaobo gehört auf allen Ebenen nicht zu den KP-Gegnern, sondern spielt seit dem Tiananmen-Massaker 1989  eine Rolle wie Sascha Anderson in der damaligen DDR.  Die Charta 08, für die Liu von einem Flügel der KP Chinas verhaftet wurde, ist auch als Reformvorschlag für die KP konzipiert, während ein politischer Oppositioneller bzw. ein echter Dissident wie Wei Jingsheng die KP-Diktatur von Grund auf ablehnt. Liu Xiaobos Rede „Ich habe keine Feinde“ , die bei der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises verlesen wurde, steht als Paradebeispiel für die perfide Propaganda, die Liu als Geisel der KP Chinas seit 1989 im Sinne seiner Peiniger betreibt.

 

Seit 2010 bin ich darum bemüht, die Kritik von wahrhaftigen und aufrichtigen Chinesen an Liu Xiaobo in der deutschen Öffentlichkeit vorzustellen, wie z.B. in diesem Beitrag http://community.zeit.de/user/xu-pei/beitrag/2011/01/07/das-deutsche-chinabild-bezug-auf-liu-xiaobo

 

Deswegen habe ich mich an Herta Müller gewandt, nachdem sie als Nobelpreisträgerin öffentlich die chinesischen KP-Gegner  im Exil auf der Frankfurter Buchmesse 2009 traf und 2010 die Nominierung von Liu Xiaobo unterstützte, der zahlreiche KP-Gegner angefeindet hatte.

 

Leider hat sich Herta Müller in den Konflikt zwischen den chinesischen KP-Gegnern und KP-Reformern bzw. Kollaborateuren eingemischt und die Kritiker von Liu Xiaobo öffentlich verunglimpft.  Die zuständige FAZ-Redakteurin für diese Verunglimpfung  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/solidaritaet-mit-dem-friedensnobelpreistraeger-liu-xiaobo-wenn-der-zweite-schuh-herunterfaellt-1608782.html

gab den Beschimpften keine Chance,  Herta Müllers Verklärung von Liu Xiaobo und ihrer falschen Behauptung über die Exilchinesen in der FAZ entgegenzutreten, obwohl  der Journalismus als eine Säule der Demokratie doch gerade vom gesellschaftlichen Diskurs lebt.

Aber sie bot Herta Müller  ein FAZ-Interview über ihren „Seelenverwandten“ und Liu Xiaobos „Freund“ Liao Yiwu an, in dem diese behaupten darf, „Auch dem Regime bedeutet er (Liao Yiwu) viel, nur umgekehrt – nach Xiaobo und Ai Weiwei hat er wohl den dritten Rang auf der Liste der chinesischen Staatsfeinde inne“ . Damit hat Herta Müller noch einmal gezeigt, dass sie wenig Ahnung von dem Regime und seinen Gegnern hat, aber gerne unbegründete und unverantwortliche Äußerungen in der Öffentlichkeit produziert.

 

Die Gründungsväter der FAZ haben aus der Nazi-Geschichte gelernt, die Wahrheit der Tatsache als heilig zu betrachten und das der FAZ als Maxime auf die Fahne zu schreiben.

 

Im Glauben daran, dass Sie als ihre Nachfolger diese Maxime genau so schätzen, rufe ich hiermit die FAZ dazu auf, die Gerechtigkeit gewähren und die Kritiker von Liu Xiaobo und Herta Müller zu Wort kommen zu lassen.

 

„Was wahr ist, muß wahr bleiben – egal, welche Folgen daraus  gezogen werden. Wer anfängt, sich oder andere zu verleugnen, ist auf gefährlichem Weg und nicht wesentlich besser als die Übelwollenden in China“, antwortete mir Andreas Platthaus, der meinen fünften Gedichtband auf Deutsch „Himmelsauge“ (2008) in der FAZ besprochen hat.

 

Als Exilchinesin, die  in der deutschen Sprache und Deutschland ein Zuhause gefunden hat, möchte ich gerne alles dazu beitragen, dass die FAZ nicht durch Herta Müller und Co. in Verruf gerät. Bis jetzt habe ich die FAZ als ein deutsches Leitmedium betrachtet, das die freiheitlich demokratische Grundordnung repräsentiert und überwacht.

 

Ich bin jedenfalls bereit,  die Kritiker von Herta Müller bei ihrer Gegenöffentlichkeit zu unterstützen, wie ich gegenüber der KP-Diktatur  diejenigen unterstütze, die der KP Chinas mit wahrhaftigen Worten und heldenhaften Taten Widerstand leisten. Dafür habe ich lieber auf die Sonderrechte im Heimatland verzichtet und das Exil in Kauf genommen. Denn die Wahrhaftigkeit ist mir das Allerwichtigste im Leben.

 

In diesem Sinne stehe ich Ihnen  als deutsche  Stimme der unterdrückten und verfolgten Chinesen gerne Rede und Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

Dr. XU Pei

St. Apernstr. 4

50667 Köln

 

PS: http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/1505-ein-offener-brief-von-exilchinesen-an/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/15/herta-muller-und-schlimme-e-mails-von-exilchinesen/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/27/xu-pei-uber-die-selbstentlarvung-von-herta-muller/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/12/xu-pei-uber-die-seelenverwandtschaft-von-herta-muller-und-liao-yiwu/

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