Archiv | Dezember, 2012

„Das Leben der Anderen“ auf Chinesisch von XU Pei

17 Dez

Bei jeder Gelegenheit erwähne ich und empfehle ich den deutschen Film „Das Leben der Anderen“ (2006) und das nicht nur, weil der Film über die DDR in der VR China verboten ist. Begründung dafür unter http://xu-pei.lila-lotus.de/index.php?id=58

Die ausländischen Filme werden trotz des KP-Verbots auf chinesisch verbreitet. Aus Rache verfolgt das KP-Regime dann die Film-Teams. Beispielsweise durfte die Schauspielerin Bai Ling 10 Jahre lang nicht einreisen, nachdem sie neben Richard Gere in dem verbotenen Film „red corner“(1997) mitgewirkt hatte, in dem es um systematische Korruption und abhängige Justiz in der VR China ging.  Auch Videos über die Jasminrevolution  oder über das Ende der Ceaușescu-Diktatur  „Die siebentägige Revolution in Rumänien“ lassen sich nicht unterdrücken.

Als ich „Das Leben der Anderen“ auf deutsch sah,  war ich tief beeindruckt. Denn der westdeutsche Florian Henckel von Donnersmarck hat haargenau den grausamen Kern einer KP-Diktatur herausgeschält und dem Publikum schön verpackt präsentiert. Nicht nur die künstlerische Leistung des Films, sondern auch die ungetrübte Gutherzigkeit des Regisseurs sind bewundernswert. Zu dem Film passt ein Zitat aus dem Buch der Bücher im christlichen Kulturkreis, „Laß Dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiegen das Böse stets mit dem Guten.“ (Römer 12:21)

Auch eine chinesische Fassung dieses Films habe ich online gesehen.  Die Nacktszenen, die man verschwinden liess, habe ich nicht vermisst, aber sehr wohl Wörter wie „Berufsverbot“. Durch solche bewusste oder unbewusste Eingriffe gibt es Szenen und Dialoge, die für das chinesische Publikum unverständlich sein müssen. Dennoch kann man durch den Film erfahren, dass  die Kulturschaffenden unter einer KP-Diktatur zur Prostitution gezwungen werden. Diejenigen, die sich dagegen wehren, werden verfolgt und sogar in den Tod getrieben. Jeder muss sich entscheiden, ob er seinem Gewissen folgt oder Karriere machen will.

Außerhalb des Films

Am 17. Dezember 1988 morgens früh landete ich mit einem DDR-Flugzeug in  Ostberlin. Der Anblick des dunklen und des hellbeleuchteten Teils von Berlin verdeutlichte mir den Unterschied zwischen der DDR und BRD. Bis dahin glaubte ich der systematischen Desinformation der KP Chinas, dass die Berliner Mauer auf die Kriegsverbrechen des NS-Regimes zurückzuführen sei und kein Unterschied zwischen den beide Teilen des Landes bestehe. In einer kleinen Gesprächsrunde in der Heimat hatte ich sogar versprochen,  mich vor  die Berliner Mauer zu stellen und ihnen ein Foto davon  zu schicken…

Das Tiananmen-Massaker im Juni zwang mich dann dazu, die Staatsideologie der VR China  und der DDR, die das Pekinger Massaker gut hieß, zu hinterfragen und zu ergründen. Dank der Freiheit in Deutschland konnte ich ohne Schwierigkeit herausfinden, dass der Kommunismus genau so wie der Faschismus Terrorismus ist,  nur rotlackiert. Zurecht werden die Kommunisten von den traditionell gesinnten Chinesen als rote Räuber bezeichnet.

Ich werde  auch an Eva-Maria Hagen und Wolf Biermann erinnert, dessen Gastvorlesung (1993) an der Heinrich Heine Universität  Düsseldorf mir bei der Selbst- und Wahrheitsfindung half,  so wie es auch die Werke der Exilautoren aus anderen KP-Dikaturen beispielsweise  Richard Wurmbrand (1909-2001) und Chang Jung (1952-) taten.

2009 war ich zuletzt in Berlin und habe mit Freunden das Gastspiel des Shen Yun Ensembles  http://de.shenyunperformingarts.org/ besucht, dessen Vorführungen viele Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen beflügeln, aber von der KP Chinas verboten und verleumdet werden.

Als „Das Leben der Anderen“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, war es für mich mehr als eine Genugtung, denn die KP Chinas tut alles, um ihrem Günstling Zhang Yimou (1951-) zu einem Oscar zu verhelfen. Nach dem Tiananmen-Massaker wurden drei Filme von Zhang für Oscars nominiert.  Zu seinem Film „Hero“ (2003 ) fiel mir Leni Riefenstahl während des NS-Regimes in Deutschland ein. Seitdem gehöre ich zu Zhangs Kritikern. https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/12/xu-pei-uber-den-regisseur-zhang-yimou/

Innensicht und Außensicht

Trotz meiner Bewunderung kann ich durch „Das Leben der Anderen“ erfahren, dass sein Regisseur das Glück hat, eine KP-Diktatur nur als Aussenstehender zu erleben und zu durchschauen.  Bertolt Brecht (1898-1956) gehört wie  Maxim Gorki (1868-1936) und Lu Xun (1881-1936) zu den Propagandisten des Kommunismus, deren Werke von den kommunistischen Herrschenden  instrumentalisiert werden, um die Nachgeborenen einer  Gehirnwäsche  zu unterziehen.

Um Brecht zu lesen, muss man in der VR China also nicht stehlen, wie es der Stasi-Hauptmann in dem Film tut. Der Pseudo-Prolet Brecht, der in der DDR  zu den „Ausbeutern“ gehörte,  kann nicht als Vorbild dienen, wenn man ein guter Mensch werden will, sondern eher als abschreckendes Beispiel. „Der gute Mensch von Szechuan“ von Brecht blieb für mich als Studentin in Sichuan unverständlich.  Nachdem ich in Deutschland mehr über den Autor in Erfahrung gebracht hatte, wollte ich von ihm nichts mehr lesen. Denn ich lasse mich nur von Menschen belehren oder inspirieren, deren Worte und Taten übereinstimmen.

Ein verbotenes Buch (Samisdat) hätte den Stasi-Hauptmann eher dabei unterstützt, sein von der KP-Maschinerie gestörtes Menschsein wieder  zu beleben.

Im Vergleich zum Film geht es  in der VR China viel korrupter und  brutaler zu, insbesondere was sexuelle Gewalt betrifft.  Bei der Überwachung haben die Stasi-Schergen der KP Chinas es nicht nötig, sich zu verstecken. Sie haben beispielsweise nicht nur den blinden Bürgerrechtler Chen Guangcheng (1971-) und seine Familie geschlagen, sondern auch jeden Besucher, sogar den Hollywoodstar Christan Bale.

Vor dem Tiananmen-Massaker 1989 gab es in der VR China noch „Eselkommunisten“, die wirklich dem Volk und Staat dienen wollten.  Ohne sie hätte ich keine schöne Erinnerung an Sichuan und wäre nicht in der Lage gewesen, mich in die „feindliche“ Welt zu wagen.  Erst das Tiananmen-Massaker hat vielen Menschen wie mir die Augen geöffnet. Seitdem  findet der chinesische Widerstand gegen die KP-Diktatur auf mannigfaltige Art und Weise statt.  Mein erster Protest auf deutsch lautet: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/09/25/das-lebenslied-von-xu-pei/

Durch das Tiananmen-Massaker  verlieren die Kommunisten und ihre Staatsideologie ein für allemal Glaubwürdigkeit und Respekt. Dadurch wurde es erst für die KP-Gegner möglich, trotz der Fahndung in China unterzutauchen und sogar ins Ausland zu fliehen, was viele notgedrungen taten. Durch die Existenz der tatkräftigen KP-Gegner war es Liu Xiaobo (1955-) erst möglich, nach seiner Verleugnung des Tiananmen-Massakers in den Medien der KP Chinas, als mit Dollars honorierter „Luxusdissident“ in China zu leben.

Für einen Spitzel unter einer KP-Diktatur wie Oskar Pastior, der die erste Gelegenheit ergriff, um in die Freiheit zu fliehen und sich zu offenbaren, habe ich Verständnis, aber für Liu Xiaobo habe ich nur Verachtung,  denn er hat seit 1989 die tatkräftigen Bürgerrechtler wie z. B. den Rechtsanwalt Gao Zhisheng (1964-) im Sinne der KP Chinas konterkariert. Trotz seiner Hurendienste für die Herrschenden wurde er zu einer Haft von 11 Jahren verurteilt und bekam damit  den Friedensnobelpreis 2010.

Die Galionsfiguren der KP Chinas

„Das Leben der Anderen“ hat viele Chinesen zu eigenen Reflexionen inspiriert. Unter ihnen befinden sich weder Liu Xiaobo noch Zhang Yimou.  Zhangs Rolle bei den Olympischen Spielen Peking und der Film „The Flowers of War“ zeigten, dass Zhang Yimou seine geistige Prostitution fortgesetzt hat. Der Film hat alle Filme in der VR China bei den Kosten (94 Millionen Dollar) übertroffen und durfte als Kandidat bei der Oscar-Nominierung 2012 Rotchina vertreten, aber trotzdem sein Ziel nicht erreicht. Daher bleibt Zhang auch weiterhin Zielscheibe des chinesischen Spottes.

Schon nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2008 wurde  Ai Weiwei (1957-) der berühmteste Kritiker von Zhang.  Sein Urteil über Zhang lautet, „Er ist nur ein Opportunist, ein Mensch ohne Seele. Er versteht gar nicht, was richtig und falsch ist, was der Respekt vor der Kunst, der Menschenwürde und Ethik für einen Kulturschaffenden bedeutet. Er verehrt die Macht, produziert ekelerregendes Zeug“.

Seitdem fühle ich mich von Ai Weiwei bestätigt und bestärkt. Leider wird der unabhängige Künstler ebenfalls verfolgt, trotz der Sonderrechte, die er durch seinen Vater Ai Qing (1910-1996) bekam.  Mehr dazu https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/13/xu-pei-uber-den-kunstler-ai-weiwei/

Ai Weiwei hat der Welt verdeutlicht, dass die Menschen in dem heutigen China genau wie in dem Film „Das Leben der Anderen“ mit allen Mitteln verfolgt werden, wenn sie sich nicht mit dem KP-System ins Bett legen wollen.

Um unter einer KP-Diktatur gefeiert zu werden muss man Anpasser, Spitzel und Verräter werden, wie „Das Leben der Anderen“ zeigt. Oder mit den Worten des DDR-Gegners Gerulf Pannach (1948 – 1998) „Idioten macht man zu Idolen, wenn sie loben, was besteht.“  Pannach und andere Ostdeutsche, die ihren aufrechten Gang nicht aufgeben wollten und Position bezogen, wurden mit systematischen „Zersetzungsmaßnahmen“ verfolgt,  auch wenn sie das Glück hatten, von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft zu werden.

Ich bin dankbar, ahnungslos den Käfig verlassen zu haben und genieße die Freiheit im Westen.

Ohne Gewissen keine Zukunft

Leider nehme ich als Exilchinesin die Einflussnahme der KP Chinas immer stärker wahr. Während der Oscar-Traum der KP Chinas bisher noch nicht in Erfüllung ging, hat Mo Yan (1955-), der wie Zhang Yimou als Huhn im Gedankenkäfig der KP Chinas gehalten wird und Zhang die Drehvorlage lieferte,  den Literaturnobelpreis 2012 bekommen.

Mehr dazu: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/14/xu-pei-uber-den-literaturnobelpreistrager-2012/

Daran ist noch einmal klar zu erkennen, dass auch die Literatur- und Friedenspreise im Westen  immer stärker nach Macht und Markt riechen. Sie hätten aber nach der Moral duften müssen.

Mehr dazu

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/05/stellungnahme-von-xu-pei-zum-friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-fur-liao-yiwu/

Jedenfalls braucht ein Westler nur  „Das Leben der Anderen“ zu sehen, um zu begreifen, dass Selbstkastraten keinen Respekt verdienen, auch wenn sie im Westen mit Preisen ausgezeichnet werden. Ihre Werke haben keine Nährwerte für die Seele, wie die Eier von Hühnern im Käfig, die mit Hormonen und Fischmehl zugestopft werden. Freiheit hätte ihnen besser getan.

Für die Freiheit haben sich 100 Tibeter selbst angezündet; Für das Gewissen sind mindestens 3627 Falun Gong Praktizierenden zu Tode gefoltert worden. (Stand:17. 12. 2012)

Bevor 2012 zu Ende geht, hat auch die australische Premierministerin Julia Gillard vor der Apokalypse gewarnt. Nach meiner Wahrnehmung wird der „Weltuntergang“ nicht stattfinden, aber es lohnt sich zu hinterfragen, warum davon die Rede ist und was Weihnachten eigentlich bedeutet.

Die Zukunft gehört jedenfalls nur denjenigen, die ihr Gewissen bewahrt haben, egal ob sie in der Unfreiheit oder in der Freiheit leben.

Köln, 17. 12. 2012

Eine weiße Pflaumenblüte (Baimei)

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/7750560

aus fünf Rundmails

Das erste Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/23/xu-pei-uber-die-rote-gefahr-fur-deutschland/

Das zweite Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/28/insider-wissen-uber-china-fur-deutschsprachige-mitburger-von-xu-pei/

Das dritte Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/11/23/xu-pei-uber-einflussnahme-der-kp-chinas-in-deutschland-am-beispiel-der-deutschen-welle/

Das vierte Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/12/05/was-fur-schwiegersohne-gibt-es-in-deutschland/

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Xu Pei über den Künstler Ai Weiwei

13 Dez

Ai Weiwei ist nicht der erste und der letzte Mensch, der plötzlich spurlos in Rotchina verschwindet.  Am 20. April 2010 hatte das Regime den Rechtsanwalt Gao Zhisheng verschwinden lassen. Bis heute fehlt jede Spur von dem Panchen Lama, dem zweithöchsten tibetischen Würdenträger, der bereits im Mai 1995 als Sechsjähriger von Sicherheitskräften entführt wurde und seitdem verschwunden ist. Am 25. April 2012 ist er 23 Jahre alt geworden – falls er noch lebt. Als Ai Weiwei 2006 zu bloggen begann, wurde Gao Zhisheng zum ersten Mal verschleppt. Dank Internet konnte ich zusehen, dass sich Ai Weiwei genau wie Gao Zhisheng für andere Menschen einsetzte, dabei die Staatsterroristen anprangerte und deswegen verschleppt wurde. Bevor ich 2008 den Namen Ai Weiwei mit seiner Kritik an den Olympischen Spielen in einem deutschen Bericht las, dachte ich, daß sein Vorname „die Zukunft“ ist. Denn sein Vorname Weiwei hat auf Chinesisch ein ähnliches Aussehen wie das chinesische Wort für die Zukunft und sein Vater Ai Qing (1910-1996)  war ein von der Propaganda der Komintern  betrogener Künstler.

Ein Kind aus Liebe

Es gibt vermutlich niemanden in Rotchina, der Ai Qing nicht kennt, wenn er liest. Denn das Regime vereinnahmt seine patriotische Lyrik, um die Chinesen  zu indoktrinieren, damit sie das Land China mit der Kommunistischen Partei verwechseln und aus Nationalgefühl die KP-Diktatur verteidigen. Ai Qing ist ein Pseudonym, was die gleiche Lautschrift hat wie Liebesgefühl auf Chinesisch. Von den Kommunisten wurde erwartet, sich von ihrer familiären Verbindung einschließlich ihres Namens zu trennen, um sich schon äußerlich ganz dem Kampf gegen die herrschende Weltordnung zu widmen. Ein berühmtes Gedicht von Ai Qing heißt „Ich liebe dieses Land“ und endet mit den Zeilen: Warum sind meine Augen oft von Tränen gefüllt? Weil ich das Land zutiefst liebe… Die Vaterlandsliebe von Ai Qing und vielen Chinesen seiner Generation haben die Komintern und Mao Zedong vereinnahmt und missbraucht, um die Republik China zu infiltrieren und zu erobern. Wie Edgar Snow und andere westliche Intellektuelle hatte Ai Qing auch dazu beigetragen, den machtbesessenen Mao Zedong in den rettenden Stern des chinesischen Volkes umzudichten. In der Volksrepublik China, über dem der rote Stern strahlt,  wurden die Menschenrechte und Freiheit von den  Machthabern systematisch beraubt, die man in der Republik China genossen hatte. Als KP-Mitglied und Kulturfunktionär durfte sich der zweimal geschiedene Ai Qing 1955 nur heimlich  mit Gao Ying (1933*) treffen, denn sie war noch mit einem anderen Funktionär verheiratet und hatte bereits zwei Kinder. Als Gao mit Ai Weiwei schwanger wurde, wollte sie ihn abtreiben lassen. Es war Ai Qing, der das Leben von Ai Weiwei rettete. In der Autobiographie von Gao Ying (2003) hat Ai Qing damals ihr gesagt, „Das ist mein bestes Geschenk für Dich, Du darfst es nicht einfach aufgeben… Das Kind ist meins, Ich habe das Recht, es zu schützen“. Als Gao Ying darauf antwortete, „Das Kind ist wirklich ein ungebetener Gast“, sagte Ai Qing, „Das Kind ist ein Werk von uns beiden, vielleicht ein hervorragendes Werk“! Kaum wurde Ai Weiwei geboren, begann 1957 die so genante Anti-Rechts-Kampagne der KP Chinas. Ai Qing wurde wie Millionen Chinesen verfolgt.  Gao Ying stand zu seinem zweiten Ehemann und die ganze Familie wurde aus Peking verbannt.

Vater und Sohn

Nach dem Tod von Mao Zedong 1976 hat die KP Chinas dem Druck des Volks nachgegeben und einen Reformkurs eingeschlagen. Dabei waren die liberalen Kräfte innerhalb der KP zur Macht gekommen, zu der Ai Qing zählte. 1979  wurde  Ai Qing offiziell rehabilitiert und erreichte als Vize-Vorsitzender des roten Schriftsteller-Verbandes den Rang eines Vize-Ministers der VR China. Ai Weiwei gehört zu den Chinesen, die seit 1979 mit Ausstellung und Veröffentlichung nach Freiheit streben und der KP-Diktatur Widerstand leisten.  Nach der Verhaftung von den schärfsten Kritikern unter ihnen wie z. B. Wei Jingsheng hatte Ai Weiwei sich 1981 nach New York abgesetzt, um sich die Freiheit zu verschaffen. Als 1989 die Chinesen meiner Generation (1966) auf dem Platz des Himmlischen Friedens Freiheit und Demokratie forderten, erschien dort auch der betagte Ai Qing, um sich mit den Demonstranten zu solidarisieren. Ai Weiwei hat den Tiananmen-Protest aus den USA unterstützt. In der Freiheit  hat er die alte Wunden geheilt und sich zu einer Persönlichkeit entwickelt, die Menschen  verschiedener Kulturen und Schichten kennt, malt und fotografiert. 1993 kehrte Ai Weiwei wegen seines kranken Vaters nach China zurück.  Er stellt einen  Kontrast zu den so genannten Prinzlingern wie Bo Xilai dar , die wie er einen ranghohen Vater im herrschenden Kaderkasten haben. Ai Weiwei bezeichnet all die Institutionen, in denen Intellektuelle unter der Führung der KP Chinas stehen, als „Leichenhallen“ und lehnt jede Kooperation mit der kommunistischen Führung ab, um aus der Erfahrung seines Vaters zu lernen. Er meinte,  die Gemeinsamkeit zwischen ihm und seinem Vater ist, dass sie beide die Ungerechtigkeit nicht ertragen können. Das hervorragende Werk seit seiner Rückkehr lebt Ai Weiwei den Menschen in China den aufrechten Gang vor. Dafür schreckt er vor Provokationen nicht zurück. Am 4. Juni 1994, zum fünften Jahrestag des Tiananmen-Massakers, hat er ein Foto von der Künstlerin und seiner späteren Frau Lu Qing gemacht, auf dem diese eine vulgäre Pose als Verachtung für  Maos Porträt am Tor des Himmlischen Friedens zeigte.  Die beiden führen anscheinend eine offene Ehe, denn er hat ihr seinen einzigen Sohn mit einer anderen Frau nicht verheimlicht. Die Medien der KP Chinas warfen ihm nach seiner Verschleppung deshalb die Verbreitung von Pornographie und Bigamie vor. Ai Weiwei ist durch seine künstlerische Arbeit auch im Westen berühmt geworden und nutzt seinen Status, um den bedürftigen Menschen zu helfen. Er setzt sich für die Gerechtigkeit ein und gibt sein Vermögen dafür aus. Dabei scheut er auch keine Kritik an den verantwortlichen Machthabern.  Er wird von den nationalistischen Rotchinesen als „Verräter des Vaterlandes“ und „Fünfsernelakai des Westens“ bezeichnet, während die nationalistischen Rotchinesen gerne im Ausland, auch in Deutschland leben. Ai Weiwei ist auch ein Sprachkünstler, der von den vulgären Wörtern Gebrauch macht,  um dem kommunistischen Neusprech entgegenzuwirken. Er benutzt allerdings nicht die selben Wörter, sondern erfindet oder übernimmt andere Wortkombination, wie z. B. „Glas-Schlamm-Pferd“, was die selbe Aussprache hat, wie ein sexistisches Wort. Dank Ai Weiwei symbolisiert  Glas-Schlamm-Pferd die kompromisslose Haltung gegenüber den Machthabern, die Yang Jia (1980-2008) mit seiner Selbstjustiz gezeigt hat. Seine Dokumentarfilme über Yang Jia haben die verlogene Justiz unter der KP-Führung beleuchtet. Der Spitzname für  Liu Xiaobo,  Liu Wudi (Liu, der angeblich keine Feinde hat), kommt von Ai Weiwei. Ich habe ihn übernommen und benutze ihn gerne. Denn  viele chinesische Intellektuelle wissen, dass Liu Xiaobo eine Reihe von Wortführern des chinesischen Widerstands gegen die KP-Diktatur zu seinen Feinden erklärt hat. Als Liu wegen der „Charta 2008“, die als einseitige Liebeserklärung an die Machthaber zu verstehen ist, verhaftet wurde, hat Ai Weiwei mit ihm solidarisiert, wie viele Chinesen, indem er sie unterschrieb. Nachdem Liu zum Friedensnobelpreisträger nominiert wurde, hat Ai sich auch von ihm distanziert, indem er öffentlich der „Charta 2008“ den Stinkefinger zeigte. Ai Weiwei  sorgt für einen Dialog zwischen dem freiheitlichen Westen und dem heutigen China unter der KP-Diktatur. Er hat bist jetzt auch den chinesischen Widerstand innerhalb Chinas im Westen repräsentiert.  So offen und transparent wie er hat bis jetzt noch kein Chinese dem Westen gezeigt. Offenheit und Transparenz ist auch seine Waffe gegen das Regime, das alles zu verstecken und vertuschen versucht, einschliesslich der Zahl der Todesopfer beim Erdbeben 2008. Durch das Werk und Leben von Ai Weiwei kann man erfahren, dass die Volksrepublik China kein Rechtsstaat ist, auch wenn ihre Mietmäuler diese Tatsache abstreiten. Ai Weiwei hat sich quasi aufgeopfert, damit die demokratische Welt endlich begreift, dass die VR China ein Schurkenstaat ist, der jeden bedroht. Darauf habe ich schon seit 2002, nach meinem zweiten Heimkehrversuch hingewiesen. Letzte Aktualisierung im Mai 2012

Xu Pei über den Regisseur Zhang Yimou

12 Dez

„Zhang Yimous faschistische Ästhetik“ lautet die Überschrift eines Artikels von Cao Changqing, einem chinesischen Journalisten, der auch im Exil leben muß. Am 20. Juli 2008 hat Cao den Artikel in New York fertiggestellt und in der Augustausgabe einer Hongkonger Zeitschrift veröffentlicht.Cao ist auch der Meinung, daß die Olympischen Spiele in Berlin und in Peking eindeutig vom diktatorischen Regime inszeniert worden sind.Sie haben auch sogenannte Künstler engagiert, die für sie propagieren, um einer Einparteiherrschaft mit künstlerischen Mitteln einen Glanz zu verleihen, der die Menschen verblenden und verführen soll.Cao hat Zhang Yimou mit Leni Riefenstahl verglichen.

 

Fünf Ähnlichkeiten:

 

Beiden kommen von unten, kämpfen sich nach oben und dann werden von den Machthabern unterstützt.

Ähnliche ästhetische Vorstellung

Ähnliche Vorstellung vom Staat a la “Triumph des Willens”

Ähnliche Wirkung mit unterschiedlichen Mitteln

Beiden wissen genau, was für Dienste sie den Machthabern leisten.

 

und drei Unterschiede:

 

Bei Riefenstahl geht es um Kreativität, bei Zhang Nachahmung.

Während Riefenstahl Größenwahn zeigt, auch ohne das Regime, braucht Zhang das Regime, um Größenwahn zu zeigen.

Bei Riefenstahl wirkt es Yang (männlich, hell…), bei Zhang Yin (weiblich, dunkel)

 

hat Cao festgestellt und ausführlich begründet.

 

Als ich am 5. August diesen Artikel zu lesen bekam, fühlte ich mich bestätigt, denn ich habe vor vier Jahren (2004) einen Aufsatz geschrieben, um das Regime in China als Bedrohung für die Welt und Zhang als Nachfolger von Riefenstahl zu beleuchten. Angesichts der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking und der roten Propaganda weltweit gewinnt dieser Aufsatz eine Aktualität, die mich freut und ich wünsche, daß dieses historische Dokument Ihnen mehr Hintergrund über China und Zhang Yimou vermittelt.

 

Was für ein “Held”?

 

Seit der Film “Held (Hero)” (2002) in Deutschland zu sehen ist, habe ich als Chinesin mehrmals Lob für diesen “großartigen” Film aus meinem Heimatland gehört, während mir im Internet nur chinesische Kritik an seinem Regisseur Zhang Yimou begegnet ist. Zhang selbst bezeichnete diesen Film als einen großen chinesischen Film, welcher große amerikanische Filme an Beliebtheit übertreffen sollte. Leider übersah er den Individualismus und Humanismus in den amerikanischen Filmen und unterstrich stattdessen mit seinem “Held” den zurzeit in Rotchina unübersehbaren gewaltverherrlichenden Nationalismus.

 

Durch Zhang Yimous Film wird einer der berüchtigsten chinesischen Kaiser der Qin-Dynastie nicht nur als Eroberer anderer Staaten dargestellt wie in der chinesischen Geschichte, sondern auch noch als “Eroberer” des berühmten Helden Jing Ke.

 

Die überlieferte bekannte Geschichte lautet: Um sein friedliches Heimatland vor einer bevorstehenden Invasion Qins zu schützen, war Jing Ke gezwungen, Qins gewalttätigen König zu ermorden. Dieses Attentat misslang leider – und Jing Ke wurde umgebracht. Nach konfuzianischem Wertesystem wird Jing Ke als Held bewundert und der erste Kaiser von Qin, der Jings Heimatland schließlich überwältigte und das erste Kaiserreich der chinesischen Geschichte gründete, als Tyrann verurteilt. Aber in Zhangs Film läßt der Attentäter dem Tyrann, bzw. der nationalen Einheit zuliebe sein Schwert fallen und wird dennoch umgebracht.

 

Als eine Journalistin, die ein Dichterportrait von mir für Funkhaus Europa machen wollte, beim Interview auch diesen Film bewunderte, mußte ich dieses Phänomen als interkulturelles Missverständis ernst nehmen, obwohl ich mich bis dahin von der Journalistin gut verstanden fühlte, nicht zuletzt, weil wir beide Erfahrungen unter einer kommunistischen Diktatur machen mußten: Sie war vor dem Zusammenbruch der DDR in die BRD geflohen. Ich verließ Anfang 2002 fluchtartig die VRC (Volksrepublik China) und schwor mir wie der in Paris lebende Literaturnobelpreiträger Gao Xingjian, nie wieder in die Heimat zurückzukehren, solange das jetzige Regime existiert.

 

Um weiteren deutschen Bewunderern Zhangs jetzige Rolle in der VRC zu erklären, fiel mir Leni Riefenstahl ein. Zhang Yimou ist nicht nur genau so talentiert, sondern ebenso erfolgreich, daß er auf Chinesisch jetzt als “großer roter Mensch” bezeichnet wird. In der Tat ist er so rot, daß die Premiere seines Filmes “Held” in der Volkskongresshalle unter strengsten Sicherheitsmaßnahmen gefeiert wurde. Für die Filmproduktion hatte er ein Staatsbudget von über 30 Millionen US Dollar erhalten. Einige tausend Mitglieder der “Volksbefreiungsarmee” spielten als Statisten mit. Für groß angelegte Werbekampagnen wurden sogar zwei Flugzeuge drei Tage lang in Anspruch genommen. Ein Werbespruch hieß: Schau dir Zhang Yimous Filme an, um die nationale Filmindustrie zu unterstützen!

 

Während Leni Riefenstahl durch ihre Freundschaft mit Hitler über getötete und verfolgte Künstlerkollegen triumphierte, sah Zhangs Laufbahn in Rotchina zuerst recht “schwarz” aus:

 

Zhang wurde Anfang der Fünfziger Jahre geboren, kurz nach der Machtergreifung der kommunistischen Partei in China. Um die Ausbeuterklasse zu vernichten, hatten die Kommunisten all diejenigen Eigentümer, die nicht mit der alten Regierung von Chiang Kaishek nach Taiwan fliehen konnten, getötet oder ihre Besitztümer im Namen desVolkes beschlagnahmt. Um die Bevölkerung mit der “blutroten” kommunistischen Ideologie zu assimilieren, war es nach 1949 an der Tagesordnung gewesen, Menschen im so genannten Klassenkampf zu töten oder zu degradieren.

 

Das erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1957, als über 500 Tausend Intellektuelle, welche zum Teil im Namen von Demokratie und Freiheit für die KPC (Kommunistische Partei Chinas) gegen die Regierung von Chiang Kaishek gekämpft hatten, als “Rechte Elemente” verfolgt wurden, weil manche von ihnen die Demokratie und Freiheittatsächlich einforderten.

 

Danach verursachte das Regime durch den “Großen Sprung nach vorne”, der den amerikanischen und britischen „Imperalismus“ binnen weniger Jahre einholen sollte, eine Hungersnot, die etwa 40 Millionen Chinesen dahinraffte.

 

Zhangs Familie gehörte zu den allerersten Chinesen, die als “schwarz” bezeichnet und unterdrückt wurden, weil sein Vater als Offizier die alte Regierung verteidigt hatte. Er wuchs in Armut und Diskriminierung auf und dürfte sich während der Hungersnot (1959-1961) kaum satt gegessen haben können.

 

In meinem Geburtsjahr – 1966 – rief Mao zur “Großen Proletarischen Kulturrevolution” auf, um seine Alleinherrschaft zu stärken, welche Staatspräsident Liu Shaoqi nach der Hungersnot zu bedrohen schien. Die Jugendlichen, die Mao als “großer rettender Stern des Volks” schon im Kindergarten besingen mußten, beteiligten sich enthusiastisch daran, und diejenigen, deren Familien nicht “schwarz” waren, durften als Maos Rotgardisten im Namen der Revolution alles zerstören, was zur Kultur Chinas gehörte, von alten Tempeln bis hin zu jungen Lehrern.

[…]

Zhang war damals (1966) ein 16-jähriger Mittelschüler, als der gesamte Bildungsbetrieb Rotchinas unterbrochen wurde. Ab 1968 mußte er als Bauer auf dem Land hart arbeiten, bis er als 21-jähriger eine Stelle in einer Textilfabrik bekam. Während der junge Arbeiter in der Freizeit sein Talent entwickelte und angeblich Blut verkaufen mußte, um sich einen Fotoapparat zu kaufen, wurde der Klassenkampf permanent weitergeführt.

[…]

Nach Maos Kulturrevolution war es im Jahre 1977 wieder möglich, durch eine Aufnahmeprüfung einen Studienplatz zu bekommen, den vorher nur “Rote Kinder” bekommen konnten. Zhang musste sich mit seiner Fotografie an den Kultusminister wenden, um eine Sondergenehmigung zu bewirken, weil er die Altersgrenze bereits überschritten hatte. In den Jahren 1978-1982 studierte Zhang dann unter Protest seitens Lehrer- und Studentschaft Kinematographie an der Pekinger Filmhochschule. Das Studium war gebührenfrei, und sein Leben wurde von seiner berufstätigen Frau unterhalten.

 

Nach seinem Studium arbeitete Zhang zuerst als Kameramann, dann als Darsteller, und zwar in Filmen, die als “Vergangenheitsbewältigung” oder als “Suche nach den Wurzeln” zu bezeichnen sind. Ein Wortführer dieser neuen Kunstrichtung war Zheng Yi. Dieser zu Zhangs Generation gehörende Schriftsteller schrieb auch das Drehbuch für den Film “Old Well”, in dem Zhang zum ersten Mal als Hauptdarsteller wirkte und in Japan einen Preis gewann.

 

Im Jahre 1988 durfte Zhang als Regisseur der “fünften Generation” in Rotchina Beiträge zu einem Filmmarkt leisten, den das Regime zum ersten Mal zuließ, trotz Zensur. Davor, d.h. nach der Machtergreifung der Kommunisten, waren alle chinesischen privaten Filmstudios, die bereits im Jahr 1905 die ersten Filme gedreht hatten und sehr florierten, unter kommunistische Ideologie und Führung gestellt worden. So wurden Filme gedreht, die das Leben vor 1949 in China als menschenunwürdig und die Kommunisten als Retter darstellten. Meinen ersten Eindruck von Tibet habe ich von dem Film “Sklaven” bekommen, in dem Sklaven in Tibet von den Kommunisten befreit werden sollten.

 

Aber selbst von solchen Propagandafilmen gab es nur wenige vor 1980, weil die Fachleute mit dem “ununterbrochenen Klassenkampf” beschäftigt waren und dabei auch der Reihe nach unter verschiedenen Vorwänden “beseitigt” wurden – mal als “rechte Elemente”, mal als “Kapitalistengehilfen”. Es ist festzustellen, dass nach 1949 in Rotchina alle Filme von der kommunistischen Ideologie beeinflusst worden sind. Und kaum war es in den Achtzigern möglich, diese Staatsideologie auch in Filmen in Frage zu stellen, ereignete sich im Jahre 1989 das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens. Danach sind alle Intellektuellen, welche den roten Gedankenkäfig zu öffnen versucht hatten, entweder verhaftet worden oder geflohen, wie auch Zheng Yi. Ihm gelang es, nach einer dreijährigen Flucht, im Jahre 1992 Hongkong zu erreichen. Seit 1993 lebt er wie die meisten chinesischen Intellektuellen nach dem Massaker in den USA, was mit den deutschen Intellektuellen während der Nazizeit durchaus zu vergleichen ist.

 

Ich gehöre zur zweiten Generation, die in Rotchina aufwuchs. Im Vergleich zu Zhang habe ich nicht nur einen Vater, welcher für die KP Chinas gekämpft hatte, sondern auch das Glück, mit 21 Jahren mein Studium an einer Hochschule für Fremdsprachen beenden zu können.Während Zhangs Ausbildung durch Maos Kulturrevolution gestört wurde, wurde meine Bildung von Dengs Reformen begleitet, trotz der Repression im Jahre 1986, als der liberale Generalsekretär der KPC, Hu Yaobang, entmachtet wurde, dessen Tod im Jahr 1989 dann die weltbewegende Demonstration auslöste.

 

Diese Demonstrationen in Peking verfolgte ich als Studentin an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Fernsehen und erlebte das Tiananmen-Massaker als den Schock meines Lebens. Erst von da an lernte ich die Wahrheit, oder anders gesagt, die Geschichte meiner Heimat bewusst kennen. Dazu zählte auch ein Vortrag über die Kulturrevolution von Zheng Yi, den er nach seiner Flucht auf Einladung von Prof. Helmut Martin an der Bochumer Universität hielt. Dieser Sinologe durfte auch wegen solchen Engagements für “antichinesische Kräft” Rotchina bis zu seinem Tode nicht mehr besuchen.

 

Während Zhang den Deutschen durch den “Goldenen Bären” bei der Berlinale (1988) für seinen Film “Das rote Kornfeld” bekannt wurde, wurde er den Chinesen zuerst dadurch bekannt, dass er seine Ehefrau und seine fünfjährige Tochter im Stich ließ, weil seine “Neue” niemand anderes war als die Schauspielerin Gong Li, die zu jener Zeit die Hauptrolle in seinem Film “Das rote Kornfeld” spielte.

 

Das “Rote” in Zhangs Filmen fiel mir auf, und die weiblichen Hauptrollen erinnerten mich an die berühmte Propagandageschichte “Die Frau mit weißem Haar”, welche das Elend der Chinesinnen vor 1949 veranschaulichen sollte. In der alten chinesischen Gesellschaft sollen Frauen sexuell missbraucht und ausgebeutet worden sein. Durch die kommunistische Befreiung aber konnten die Frauen “die Hälfte des Himmels” auf ihren Schultern tragen, – so jedenfalls wollte es das Regime der Bevölkerung eintrichtern.

 

In Wirklichkeit aber verloren die Chinesinnen in Rotchina nicht nur wie die Männer ihr ganz normales Menschenrecht, sondern auch das Recht auf Mutterschaft. Vom Staat organisierte Zwangsabtreibungen und Zwangssterilisationen hatte es in der vergangenen “schwarzen” Gesellschaft jedenfalls nie gegeben.

 

Es stimmt, dass seit 1949 Konkubinen nicht mehr erlaubt sind. Während die Ehefrauen und Kinder früher wegen junger Frauen nicht verlassen werden durften, werden in Rotchina die altgedienten Ehefrauen einfach geschieden, wie es bei Zhangs Frau passiert ist. Wenn auch Zhangs Scheidung im Jahre 1988 noch als ein Skandal galt, sind Zhangs Affären heutzutage in Rotchina normal. Als seine Tochter bei einem Interview einmal danach gefragt wurde, gab sie zu verstehen, sie habe nichts dagegen, wenn ihr Vater sie nicht wieder so vernachlässige wie während seiner siebenjährigen Liaison mit Gong Li.

 

Zhangs Filme stellen die Frauen vor 1949 also weiterhin nach dem kommunistischen Muster dar, nur mit einer sexuellen Anzüglichkeit, die weder dem kommunistischen Kanon noch den alten chinesischen Sitten entspricht, sondern Zhang charakterisiert. Sein Film “Leben” (1994), welcher die Realität in Rotchina darstellt, darf aber bis heute nicht in Rotchina gezeigt werden.

 

Farbenwechsel

 

Nach 1989, nachdem die kommunistischen Regime in Osteuropa eines nach dem anderen zusammenbrachen, verlor der Kommunismus ein für allemal seine Glaubwürdigkeit. Die KPC hatte zwar mit Panzern ihre Macht erhalten, aber die Herzen der Menschen verloren. Als “Opium für das Volk” dient in Rotchina seitdem der Nationalismus; schließlich gibt es auch heute noch keine Pressefreiheit. Die Bevölkerung hört nur die Stimme der KPC.

 

Die chinesische Sprache, die einst tiefsinnig und vieldeutig war, wurde von den Kommunisten leider ideologisiert. Nachdem ich erfuhr, wie die friedlichen Studenten als “Gewalttäter” oder gar als von Ausländern gesteuerte “Staatsumstürzler” in den öffentlichen Medien beschrieben wurden, gingen mir erst die Augen auf für die kommunistische Propaganda bzw. ihre sprachliche Gewalt.

 

Das Massaker von 1989 war das erste Verbrechen in Rotchina, welches direkt vor der gesamten Weltöffentlichkeit vollzogen wurde. Dennoch streitet das Regime bis heute alles ab. Deshalb werden auch diejenigen Opferfamilien bis heute verfolgt, welche nicht bereit sind, dieses Massaker zugunsten einer nationalen Stabilität zu vergessen, wie das Regime es verlangt.

 

Dank meines Promotionsstudiums in Deutschland habe ich meine chinesische Wurzel zu schätzen gelernt. In Deutschland wird der theoretische Teil als die Drei Lehren des Konfuzianismus, Taoismus und des Buddhismus in der Philosophie rezipiert, und der praktische Teil wird als Qi Gong, Tai Ji Quan, Joga oder Gongfu usw. verbreitet, während sie mir als ganzheitliche Selbstkultivierung, mit anderen Worten als theistische Lebensform bekannt sind.

 

Ich veröffentliche zwar seit 1989 in beiden Sprachen regimekritische Schriften, aber so engagiert wie Prof. Martin war ich nicht. Als ich nach meiner Promotion im Jahre 1996 die Pekinger Universität besuchte, um dort tätig zu werden, stellte ich fest, dass es für mich unmöglich sein würde, mich wieder in diesem roten Käfig einzuleben. Wie kann ich damit einverstanden sein, den Marxismus als die Seele der Pekinger Universität zu bezeichnen?

 

Zhang aber hatte gezwungermaßen seine Suche nach der Wurzel aufgegeben und bewegt sich nun auf einer Oberfläche, welche die Wahrheit in Rotchina versteckt. Nachdem Zhang mit Hilfe ausländischer Anerkennung auch in Rotchina bekannt wurde, gab er eine Heldentat auf, genau wie in seinem Film “Held”, in dem der Attentäter im Angesicht des Tyrannen auf sein Schwert verzichtete. Während nach dem konfuzianischen Wertesystem der erste Kaiser von Qin als Tyrann verurteilt wurde, wird er bis heute noch von den kommunistischen Führern verehrt.

 

So sagte Mao Zedong im September 1959 bei einem ausländischen Interview: “Ich bin wie der erste Kaiser von Qin, ich bin einverstanden mit dem ersten Kaiser von Qin, nicht einverstanden bin ich mit Konfuzius”. Jiang Zeming, der nach dem Tode Dengs (1997) im Jahre 1998 den Machtkampf in der KPC gewann, verhält sich genauso wie Mao. So wurde eine der größten Militärparaden zum 50sten Gründungstag in Rotchina veranstaltet, und der Diktator zeigte sich in einer Pose wie Mao vor den Rotgardisten.Während Mao die chinesischen Intellektuellen und Künstler verfolgte, versuchte Jiang, sie zu bestechen – bei Zhang hat er anscheinend den größten Erfolg erzielt. Während Hitler die Juden zu vernichten suchte, versucht Jiang seit Sommer 1999 Falun-Gong, eine traditionelle theistische Lebensform, zu vernichten, deren Prinzipien “Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Duldsamkeit” sind und zu Beginn der Verfolgung in Rotchina von mindestens 70 Millionenen Menschen praktiziert wurde. (Jiang wird mittlerweile wegen Völkermordes in verschiedenen Ländern – auch in Deutschland – angeklagt.)

 

Im Jahr 2002, beim 16. Nationalen Volkskongress, welcher dem Regime als “Deko” diente, zu dem Zhang nun ebenfalls zählt, ließ sich der Diktator trotz seines hohen Alters (76 Jahre alt!) noch einmal zum Vorsitzenden der Militärkommission “wählen”, denn wer die Macht über die Armee hat, der steht über der KPC, somit auch über Rotchina.Während Zhang weitere 30 Millionen Dollar für einen Film (2004) erhielt, welcher die unglaubwürdige Geschichte einer Geisha aus der Vergangenheit vorführt, werden über 6 Millionen chinesische Prostituierte einmal wieder zur Zielscheibe einer “roten Kampagne” gegen die Prostitution.Während Zhang einst für sein Blut einen Fotoapparat bekam, wurden arme Bauern beim Blutverkauf mit dem Aids-Virus infiziert. Damit die Weltöffentlichkeit nichts von der Existenz der Aids-Dörfer mit etwa einer Million Bewohnern erfuhr, wurden die freiwilligen Helfer vom Regime verfolgt.

 

Als ich Zheng Yi neulich am Telephon auf Zhang hin ansprach, konnte er nur seufzen. Als er mit Zhang für den Film “Old Well” zusammengearbeitet hatte, war Zhang noch ein verantwortlicher Schauspieler gewesen. Zhang und seine Filme zu kritisieren sei ihm zu peinlich.

 

Mir geht es auch nicht darum, ihn als Opfer oder Täter zu stigmatisieren, sondern nur darum, zu zeigen, wie der einst “schwarze” Zhang nun ein “Held” in Rotchina wurde und mit seinen roten Filmen einen großen Beitrag dazu leistet, die chinesische Geschichte und die augenblickliche Realität zu verstellen. Ohne seine Werbefilme wäre es undenkbar, daß Rotchina den Wettbewerb als Veranstalter für die Olympischen Spiele im Jahre 2008 gewonnen hätte.

 

Ich selbst bin durch mein Deutschlandstudium auf eine schwarze Liste geraten und kann nur das Internet als Wandzeitung benutzen, um dem roten nationalistischen Regime Widerstand zu leisten.

 

Aber auch deswegen weiß ich, wie Leni Riefenstahl es geschafft hatte, glorreiche Filme mit Welterfolg zu zeigen, während ein Regime gerade dabei war, diese Welt in einen Abgrund zu stürzen.

06.08.2008, am Kölner Dom

Brief an die FAZ-Herausgeber von Xu Pei am 10. August 2012

11 Dez

Sehr geehrte Herren  Herausgeber,

 

dies soll mein letzter Versuch sein, die FAZ auf meine Bemühung um die Konfliktlösung  zwischen den chinesischen KP-Gegnern und Herta Müller bzw. ihrer FAZ- Redakteurin hinzuweisen.

 

Als deutsche Bürgerin mit chinesischen Wurzeln genieße  ich meine Freiheit und möchte sie dafür einsetzen, dass auch die Festlandschinesen die gleichen Menschenrechte bekommen wie die Chinesen in der Republik China, die seit 1949 nur noch auf der Insel Taiwan existiert.

 

Erst dank meines Promotionsstudiums in Deutschland (1989-1996) konnte ich die chinesische Tradition und Geschichte bewusst schätzen lernen, während ich durch das Tiananmen-Massaker die KP-Diktatur und ihre systematische Desinformation durchschaute. Seit meinem zweiten Heimkehrversuch 2002 bin ich mit Chinesen weltweit verbunden, um dem Terrorregime Widerstand zu leisten, trotz der „Berliner Mauer“ der KP Chinas im Internet. Seitdem betätige ich mich als Vermittlerin, um transparente Menschen wie den Künstler Ai Weiwei und unbeugsame Gruppen wie die Falun Gong-Bewegung zu unterstützen,  die für die universellen Grundwerte kämpfen und leiden.

 

Von den FAZ-Lesern werde ich regelmäßig  mit Ihren Beiträgen in Bezug auf China einschließlich Tibet informiert und konfrontiert. Ich vertrete auf Deutsch die gemeinsame Erkenntnis der chinesischen KP-Gegner,  dass sich das linkstotalitäre Regime in der VR China bereits zu einem rechtstotalitären Regime verwandelt hat. Die roten Machthaber terrorisieren nicht nur die Chinesen, sondern korrumpieren und bedrohen die ganze Welt.

 

Auch in Deutschland werden allerlei Befürworter von der KP Chinas unterhalten, die entweder deutsche Medien wie z.B. Deutsche Welle oder eigens dafür errichtete Propagandazentren wie z. B.  „Konfuzius-Institute“ benutzen, um ein Trugbild von dem heutigen China vorzugaukeln.

 

Das FAZ-Interview mit der im Exil lebenden Chinaexpertin He Qinglian über die Deutsche Welle und Ihre Veröffentlichung über die Konfuzius-Institute von dem Sinologen Dr. Jörg -M. Rudolph gehören zu den wenigen deutschen Beiträgen, die die Unterwanderung der KP Chinas in Deutschland beleuchtet haben. Durch diese FAZ-Beiträge fühle ich mich in meiner Bürgerinitiative bestätigt und gewann den Eindruck, dass die FAZ die gleichen Grundwerte beachtet und verteidigt wie wir Exilchinesen.

 

Während ich als Exilchinesin in Deutschland nur meinem eigenen Gewissen gehorche, werden die deutschen China-Korrespondenten in der VR China mit unzähligen Zwängen belastet. Viele sind schon durch das Neuchinesisch à la George Orwell  mit dem KP-Virus infiziert worden, weswegen ich bis zum Jahr 1998 fast nur auf Deutsch veröffentlichte, auch wenn es mir bis heute noch schwerer fällt,  auf Deutsch zu schreiben,  als mich in meiner Muttersprache auszudrücken.

 

Durch die deutschen Berichte über den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist mir besonders klar geworden, dass sich kein deutscher Chinakorrespondent oder Sinologe mit dem chinesischen Widerstand gegen die KP-Diktatur auf der politischen, kulturellen und ideologischen Ebene auskennt.  Liu Xiaobo gehört auf allen Ebenen nicht zu den KP-Gegnern, sondern spielt seit dem Tiananmen-Massaker 1989  eine Rolle wie Sascha Anderson in der damaligen DDR.  Die Charta 08, für die Liu von einem Flügel der KP Chinas verhaftet wurde, ist auch als Reformvorschlag für die KP konzipiert, während ein politischer Oppositioneller bzw. ein echter Dissident wie Wei Jingsheng die KP-Diktatur von Grund auf ablehnt. Liu Xiaobos Rede „Ich habe keine Feinde“ , die bei der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises verlesen wurde, steht als Paradebeispiel für die perfide Propaganda, die Liu als Geisel der KP Chinas seit 1989 im Sinne seiner Peiniger betreibt.

 

Seit 2010 bin ich darum bemüht, die Kritik von wahrhaftigen und aufrichtigen Chinesen an Liu Xiaobo in der deutschen Öffentlichkeit vorzustellen, wie z.B. in diesem Beitrag http://community.zeit.de/user/xu-pei/beitrag/2011/01/07/das-deutsche-chinabild-bezug-auf-liu-xiaobo

 

Deswegen habe ich mich an Herta Müller gewandt, nachdem sie als Nobelpreisträgerin öffentlich die chinesischen KP-Gegner  im Exil auf der Frankfurter Buchmesse 2009 traf und 2010 die Nominierung von Liu Xiaobo unterstützte, der zahlreiche KP-Gegner angefeindet hatte.

 

Leider hat sich Herta Müller in den Konflikt zwischen den chinesischen KP-Gegnern und KP-Reformern bzw. Kollaborateuren eingemischt und die Kritiker von Liu Xiaobo öffentlich verunglimpft.  Die zuständige FAZ-Redakteurin für diese Verunglimpfung  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/solidaritaet-mit-dem-friedensnobelpreistraeger-liu-xiaobo-wenn-der-zweite-schuh-herunterfaellt-1608782.html

gab den Beschimpften keine Chance,  Herta Müllers Verklärung von Liu Xiaobo und ihrer falschen Behauptung über die Exilchinesen in der FAZ entgegenzutreten, obwohl  der Journalismus als eine Säule der Demokratie doch gerade vom gesellschaftlichen Diskurs lebt.

Aber sie bot Herta Müller  ein FAZ-Interview über ihren „Seelenverwandten“ und Liu Xiaobos „Freund“ Liao Yiwu an, in dem diese behaupten darf, „Auch dem Regime bedeutet er (Liao Yiwu) viel, nur umgekehrt – nach Xiaobo und Ai Weiwei hat er wohl den dritten Rang auf der Liste der chinesischen Staatsfeinde inne“ . Damit hat Herta Müller noch einmal gezeigt, dass sie wenig Ahnung von dem Regime und seinen Gegnern hat, aber gerne unbegründete und unverantwortliche Äußerungen in der Öffentlichkeit produziert.

 

Die Gründungsväter der FAZ haben aus der Nazi-Geschichte gelernt, die Wahrheit der Tatsache als heilig zu betrachten und das der FAZ als Maxime auf die Fahne zu schreiben.

 

Im Glauben daran, dass Sie als ihre Nachfolger diese Maxime genau so schätzen, rufe ich hiermit die FAZ dazu auf, die Gerechtigkeit gewähren und die Kritiker von Liu Xiaobo und Herta Müller zu Wort kommen zu lassen.

 

„Was wahr ist, muß wahr bleiben – egal, welche Folgen daraus  gezogen werden. Wer anfängt, sich oder andere zu verleugnen, ist auf gefährlichem Weg und nicht wesentlich besser als die Übelwollenden in China“, antwortete mir Andreas Platthaus, der meinen fünften Gedichtband auf Deutsch „Himmelsauge“ (2008) in der FAZ besprochen hat.

 

Als Exilchinesin, die  in der deutschen Sprache und Deutschland ein Zuhause gefunden hat, möchte ich gerne alles dazu beitragen, dass die FAZ nicht durch Herta Müller und Co. in Verruf gerät. Bis jetzt habe ich die FAZ als ein deutsches Leitmedium betrachtet, das die freiheitlich demokratische Grundordnung repräsentiert und überwacht.

 

Ich bin jedenfalls bereit,  die Kritiker von Herta Müller bei ihrer Gegenöffentlichkeit zu unterstützen, wie ich gegenüber der KP-Diktatur  diejenigen unterstütze, die der KP Chinas mit wahrhaftigen Worten und heldenhaften Taten Widerstand leisten. Dafür habe ich lieber auf die Sonderrechte im Heimatland verzichtet und das Exil in Kauf genommen. Denn die Wahrhaftigkeit ist mir das Allerwichtigste im Leben.

 

In diesem Sinne stehe ich Ihnen  als deutsche  Stimme der unterdrückten und verfolgten Chinesen gerne Rede und Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

Dr. XU Pei

St. Apernstr. 4

50667 Köln

 

PS: http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/1505-ein-offener-brief-von-exilchinesen-an/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/15/herta-muller-und-schlimme-e-mails-von-exilchinesen/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/27/xu-pei-uber-die-selbstentlarvung-von-herta-muller/

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/12/xu-pei-uber-die-seelenverwandtschaft-von-herta-muller-und-liao-yiwu/

Was für „Schwiegersöhne“ gibt es in Deutschland?

5 Dez

Wegen der Entfernung und Sprache zieht Europa nur wenige Flüchtlinge aus der VR China an.  Dennoch ist zu lesen, „Sieht man von Ausnahmen ab, ist bei den in Deutschland lebenden Chinesen davon auszugehen, dass ein großer Teil als Asylbewerber, der andere Teil als Arbeitsmigranten ins Land kam“.

Seit der Machtergreifung der Kommunistischen Partei Chinas nimmt die Zahl der Asylanten aus Festlandchina, Tibet, Ostturkistan und der Inneren Mongolei weltweit ununterbrochen zu. 2000 ist ein 14jähriger Tibeter, als Reinkarnation des im Exil gestorbenen Karmapa  anerkannt (Hauptfigur des deutschen Dokumentarfilms „Living Buddha“) ,  über Schneeberge nach Indien geflohen. Der 89jährige Sun Shucai, ein chinesischer Intellektueller,  ist 2012 als Asylant von den USA  aufgenommen worden.

2003 stand  die VR China mit 21.259 Antragstellern an vierter Stelle unter den Herkunftsländern der Asylsuchenden in Europa. Zwischen 2004 und 2007 nahmen jährlich etwa 1.000 Menschen aus der VR China die deutsche Staatsbürgerschaft an. Zu diesen 4.000 Chinesen gehöre ich. Ich war keine Asylsuchende, aber dank unzähligen Exilanten aus den kommunistischen Ländern habe ich erkannt, dass die  KP Chinas auch eine Terrororganisation ist, die Menschen mit dem Staatsapparat betrügt, ermordet und unterdrückt.

Während Menschen wegen der KP-Diktatur aus ihrer Heimat fliehen, gibt es westliche Maoisten, die sich freiwillig auf die KP-Gehirnwäsche einlassen und darauf ihre Karriere als „Chinaexperten“  aufbauen.

Diese  fragwürdigen „Chinaexperten“ werden auch von der KP Chinas und ihren Medien anerkannt. Beispielsweise hat der KP-Sonderreporter des nationalistischen Propagandablattes „Global Times“ in Berlin, der seine Gesinnungsgenossen beim Kampf gegen die Deutsche Welle unterstützt, im Februar 2009 unter der Überschrift „Deutsche Experten sprechen sich als Schwiegersöhne für China aus“  sieben Deutsche bekannt gemacht.

In dem genannten Propaganda-Bericht stand, „Seit Jahren,  mit der wachsenden Stärke der Staatsmacht von China, ist der Westen China gegenüber auch immer kritischer geworden. Aber in Deutschland gibt es viele Chinaexperten, die immer wieder auftreten,  ‚um für China zu sprechen‘. Unter ihnen sind nicht Wenige auch ‚Schwiegersöhne von China'“.  Sieben davon hat der KP-Sonderreporter der Reihe nach gelobt. Ein Foto von Thomas Heberer und seiner zweiten Frau aus Peking illustrierte sein Lob.

Der Bonner Sinologieprofessor  Wolfgang Kubin (1945-)

Dem Bericht zufolge sollte Nummer 1, Wolfgang Kubin, gesagt haben,  „Meine chinesische Frau sagt mir immer, was ich tun soll. Daran nehme ich keinen Anstoß, im Gegenteil, das ist gerade, was ich mir wünsche.“ 1974 begab sich Kubin in die „Kulturrevolution“ der KP Chinas und lernte in Peking das Rotchinesisch (Neusprech à la George Orwell). Dort begegnete Kubin 1981 einem KP-Mitglied,  für das er sich scheiden ließ. (Rotchinesinnen sind dafür bekannt, anderen Frauen ihre Ehemänner auszuspannen. Die jetzige Frau von Rupert Murdoch hat dies sogar zweimal gemacht.)

Es ist nicht festzustellen, dass die öffentlichen Äußerungen von Kubin auf seine Frau zurückzuführen sind, aber es steht fest, dass Kubin kein realistisches Bild von China wiedergibt. In einem WDR-Interview vom 15. Oktober 2009 behauptete Kubin, “Man kommt also heute nicht mehr ins Gefängnis dafür, dass man schreibt, das war zur Zeit der Kulturrevolution so, man kommt auch nicht mehr ins Gefängnis für das, worüber man schreibt. Man kann schreiben, was man will, man kann auch sagen, was man will …”  Dabei war es Kubin, der mich 1989 mit dem Vergleich beeindruckte, „Was den Nazis die Juden waren, sind der Kommunistischen Partei Chinas die Intellektuellen.“(„die horen“ Band156)   Das klang damals für mich unglaublich, mittlerweile muss ich bestätigen, dass es der Realität in China unter der KP-Diktatur entspricht. Menschen in der VR China, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit streben, werden seit 1949 von der KP verfolgt und kommen in der Verfolgung um, wenn sie nicht fliehen, wie Zhang Jianhong (1958-2010).

Leider kann ich  Kubin weder in den deutschen noch in den rotchinesischen Medien widersprechen. Aber dank Internet habe ich derartige Äußerungen von  Kubin auf Chinesisch dokumentiert und kommentiert. Ein Bruchteil davon ist auf Deutsch zu lesen unter: https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/11/25/xu-pei-hauptakteur-der-konfuzius-institute-wolfgang-kubin-im-vergleich-zu-bei-ling/

Der Duisburger Politologieprofessor  Thomas Heberer (1947-)

An der zweiten Stelle wurde Thomas Heberer gelobt. Heberer arbeitete  vierundeinhalb Jahre lang (1977-1981)  in Peking für die Propaganda der KP Chinas.  10 Jahre später wurde Heberer Professor für Wirtschaftssinologie in Deutschland. Als  „Chinaexperte“  hat Heberer in der Öffentlichkeit die Verfolgung von Falun Gong, die Unterdrückung der Tibeter  und andere systemimmanente Verbrechen der KP Chinas gerechtfertigt.

Die deutschen Falun Gong-Praktizierenden mussten sich gegen seine Verleumdung wehren. Richtigstellung zu Thomas Heberers Artikel „Falun Gong – Religion, Sekte oder Kult“

http://www.falunhr.org/newsletter/Richtigstellung%20zu%20Thomas%20Heberers%20Artikel.pdf

Nach der blutigen Niederschlagung des tibetischen Aufstandes im Jahr 2008 veröffentlichte Thomas Heberer Beiträge wie: „‚Hysterisches Verhalten des Westens. Die Verteufelung Chinas‘. 14 Thesen zur Bewertung der Tibetfrage, von Olympia, China und der Lage Chinas“. All diese Beiträge sollten dazu dienen zu vertuschen, dass die KP-Diktatur die Wurzel allen Übels darstellt.

Seine Thesen wurden sofort in den rotchinesischen Medien verbreitet. Eine mehrsprachige Propagandazeitschrift der KP Chinas bedankte sich bei  Heberer mit dem Bericht „Die Beijing Rundschau und ich“ . http://german.beijingreview.com.cn/50Jahre/txt/2008-04/09/content_109310.htm

Heberer trug auch dazu bei,  das China-Programm der Deutschen Welle zum Propagandasender der KP Chinas zu missbrauchen. Darüber habe ich seit 2008 in Beiträgen wie  „Wie rot ist das China-Programm der DW“ berichtet.

Ein Auslandspropagandazentrum der KP Chinas, das sich „Konfuzius-Institut“ nennt, wurde 2009  an der Universität Duisburg-Essen gegründet. Heberer und ein ehemaliger Mitarbeiter der KP-Botschaft in Deutschland sind ihre Direktoren.

Der China-Korrespondent Johnny Erling (1952-)

Nachdem das China-Programm der Deutschen Welle wegen seiner KP-Propaganda auch in Deutschland kritisiert wurde, initiierte Thomas Heberer einen offenen Brief, um die Tatsache zu verdrehen und chinesische Kritiker zu diskreditieren. Unter seinen 105 Unterstützern habe ich zum ersten Mal den Namen Johnny Erling registriert. Seitdem lerne ich seine China-Berichte kennen.

Bevor Erling zum 13. Jahrestag der Verfolgung der Meditationsbewegung Falun Gong unbegründeten Zweifel an dem systematischen Organraub der KP Chinas verbreitete, konnte ich ihn tolerieren. Denn auch als ausländischer Journalist hat man in Peking unter der KP-Diktatur zu leiden.  http://www.welt.de/politik/ausland/article108832657/Brief-der-China-Korrespondenten-an-Angela-Merkel.html  In seinem Bericht ist immerhin zu lesen, „Mit Ausnahme ihres wirtschaftlichen Laisser-faire-Kurses hat Chinas Staatspartei allem Wandel in der Gesellschaft zum Trotz ihre leninistischen Strukturen behalten“. Sein Bericht „Deutschlands gefährliche Freundschaft mit China“ zeigt auch, dass Erling von der roten Gefahr weiß,  auf die ich seit 2002 wie eine Gebetsmühle  hinweise.

Während Kubin und Heberer   in der VR China und ihren  Medien als „Experten“ aus Deutschland gelten, wird Johnny Erling in den Medien der KP Chinas als „deutscher Journalist“  dargestellt. Erling gehört zu den Deutschen, die während der  kommunistischen Zerstörung der chinesischen Kultur in Peking das Rotchinesisch lernten und dann für die Propaganda der KP Chinas arbeiteten, wie Heberer. Seit 1986 arbeitet Erling als China-Korrespondent für deutschsprachige Zeitungen.

Das China-Programm der Deutschen Welle hat seinen Bericht „Weil Peking einfach grossartig wird“ vom 21. Juli 2008 am gleichen Tag ins Chinesische übersetzt. Dieser Bericht wurde in den rotchinesischen Medien unter der Überschrift „Deutscher Journalist ist erstaunt über die Großartigkeit der Olympischen Spiele in Peking“ verbreitet. http://world.people.com.cn/GB/57506/7597384.html

Erling wird nicht nur vom Propagandasender der KP Chinas „china radio intenational“ dargestellt, sondern wurde im Februar 2011 sogar in einem rotchinesischen Medium als Ratgeber für Jugendliche in Peking hingestellt. German jounalist give advice to today’s youth in Beijing http://www.beijingtoday.com.cn/specials/german-jounalist-give-advice-to-todays-youth-in-beijing

Dem amtierenden KP-Botschafter Shi Mingde in Berlin dient Erling hingegen als Medienpartner.  Seine Berichte tragen die Überschriften „Peking entsendet einen Deutsch-Profi nach Österreich“ und „China schickt seinen besten Mann nach Deutschland“. Dabei stellt Shi ein typisches Beispiel dafür dar, dass Zhou Enlai talentierte Chinesen von Kindheit an zu Werkzeugen der KP  trainieren ließ.  Der erste Premier der VR China wurde 1921 als Student in Berlin Kommunist und importierte später den sowjetischen KGB nach China. Ohne Zhou hätte der Despot Mao Zedong weder den Krieg gegen die chinesische Regierung, noch den bis zu seinem Tod geführten Machtkampf innerhalb der KP  gewonnen. Zhou trug maßgeblich dazu bei, dass mindestens 80 Millionen Chinesen durch den kommunistischen  „Klassenkampf“ zu Tode kamen und Diplomaten aus der VR China grundsätzlich als Berufslügner gelten.

Gott sei Dank leben die deutschsprachigen Leser in Freiheit und lassen sich nicht leicht betrügen. Kritische Leser wissen, wie man mit Propaganda-Berichten  umgeht. Zu dem ersten genannten Bericht von Erling in „Der Standard“ fragte der erste Kommentator nach „Falun Gong“ und ob der „Deutsch-Profi“ auch in den Wiener Stadtpark kommt? Denn dort gibt es Österreicher, die Falun Gong üben, während Chinesen wegen des Praktizierens von Falun Gong durch Folter oder Organraub umgebracht werden könnten. Der zweite Kommentator schrieb unter der Überschrift „so ein sympathischer Kerl“: „seit einiger Zeit habe ich eine LobbyingPhobie. Zur Beruhigung sage ich mir 108x vor: Der Standard hat für diesen Artikel kein Geld bekommen“. http://derstandard.at/1280984582056/Peking-entsendet-einen-Deutsch-Profi-nach-Oesterreich

Das sind nur die ersten drei von den gelobten „Schwiegersöhnen“,  die wohl das Propagandalied der KP Chinas „Oh Partei, liebe Mutter“,  kennen.  Während sich immer mehr Chinesen gegen die falsche Mutter wehren, helfen  diese „Schwiegersöhne“ der KP dabei,  auf verschiedene Art und Weise die Welt zu desinformieren. Außer ihnen gibt es noch Westler, die keine Rotchinesinnen geheiratet haben, aber dennoch wie ein  „Schwiegersohn“  das KP-Regime verklären und sogar sein Tiananmen-Massaker verteidigen.

Ohne die Einflussnahme der KP Chinas durch ihre „Schwiegersöhne“ wäre es in Deutschland nicht zur derzeitigen schizophrenen Situation gekommen,  dass auf der rechten Seite jeder Holocaust-Verleugner strafrechtlich verfolgt wird, aber auf der linken Seite, ein KP-Regime geduldet, ja sogar hofiert wird, das mehr Menschen umgebracht hat, als das NS-Regime, zumal dieses Regime noch weiter mordet.  Die verifizierten Todesopfer, die seit 1999  wegen ihres Glaubens an „Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Toleranz“ von der KP  umgebracht worden sind, steigen am 2. 12. 2012 auf 3617,  während seit 2009 bis zu diesem Tag sich 96 Tibeter selbst angezündet haben,  aus Protest gegen die KP-Diktatur.  Ihnen widme ich diese weiße Pflaumenblüte aus fünf Rundmails.

Köln, 3. 12. 2012

Eine weiße Pflaumenblüte aus fünf Rundmails

Das dritte Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/11/23/xu-pei-uber-einflussnahme-der-kp-chinas-in-deutschland-am-beispiel-der-deutschen-welle/

Das zweite Blumenblatt:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/28/insider-wissen-uber-china-fur-deutschsprachige-mitburger-von-xu-pei/

Das erste Blumenblattl:

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/10/23/xu-pei-uber-die-rote-gefahr-fur-deutschland/