XU Pei über den Literaturnobelpreisträger 2012

14 Okt

Mo Yan – Höchste Leistung eines selbstkastrierten Schreibtalentes

Am 10. Oktober berichtete die Propagandaagentur Xinhua, dass der Leiter der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas  Wang Jiarui den norwegischen Finanzminister in Peking empfing. Am nächsten Tag bekam ein Kommunist aus der VR China den Nobelliteraturpreis 2012.

http://news.xinhuanet.com/world/2012-10/10/c_113325705.htm

Für chinesische Leser ist Mo Yan wahrscheinlich so bekannt wie Sholokhov (1905-1984)

für die russischen Leser, oder Christa Wolf für die deutschen Leser. Autoren, die in eine kommunistische Partei eintreten, tauschen mit ihrem Talent die Gunst der kommunistischen Machthaber ein. Scholokhov und Christa Wolf dienten vielleicht aus Überzeugung einer KP-Diktatur als Vorzeige-Autoren. Bei einem Autor, der auch Mitglied der KP ist, aber Mo Yan (nichts sagen) als  Pseudonym wählte,  ist nur der Opportunismus festzustellen. Denn um der KP beizutreten, musste sich Mo Yan auch mit erhobener Faust vor der roten Fahne der KP aufstellen und schwören, „Ich bin entschlossen, der Kommunistischen Partei Chinas beizutreten,…der Partei treu zu sein, aktiv für sie zu wirken, bis an mein Ende für den Kommunismus zu kämpfen, jederzeit bereit zu sein, alles für die Partei…zu opfern und sie niemals zu verraten.“

chinesische Karikatur zur Preisvergabe

http://www.secretchina.com/news/12/10/11/470217.html

Der Bauernsohn Guan Moye liess sich geistig kastrieren

Mo Yan (1955-) gehört zur Generation in der Volksrepublik China, die Maos Terror wie z.B. die große Hungersnot und die „Kulturrevolution“ mit physischem und psychischem Schaden überlebt hat.

Die chinesischen Bauern werden seit der Machtergreifung der KP versklavt. Sie werden von ihrer Geburt an benachteiligt und diskriminiert. Um dem Elend auf dem Land zu entgehen, hat sich der Bauernsohn Guan Moye  viermal der Aufnahmeprozedur der kommunistischen Armee unterworfen. Endlich im Jahr 1976 durfte er in die rote Armee eintreten und ließ sich seitdem von der KP drillen und indoktrinieren.

Es gibt viele Chinesen, die wegen ihrer Kritik an den Machthabern aufs Land, ins Arbeitslager und ins Exil

verbannt werden. Aber um in der roten Armee aufzusteigen, hat sich Guan Moye  der KP Chinas ganz unterworfen. Er zwang sogar seine Frau zur Abtreibung. Das machte einem Menschen natürlich zu schaffen. In der KP-Armee hatte sich Guan Moye zu Mo Yan verwandelt. In dem Fernseh-Interview vom 24. Mai 2010 gab Mo Yan selbst  zu, dass er aus Feigheit im Schreiben Kompensation schafft. Er sagte, „Im täglichen Leben kann ich ein Unterwürfiger,  ein Feigling, eine bedauernswerte Kreatur sein, doch wenn ich Romane schreibe, dann habe ich den Mut eines Diebes, der es mit dem Himmel aufnimmt, dann bin ich von Sex besessen und von monströser Frechheit.“  http://v.ifeng.com/his/201005/09a9def2-9288-41e6-90c9-923351c6b025.shtml

Das Selbstportrait  von Mo Yan ist weit entfernt von einem aufrichtigen, mutigen Chinesen wie sein Altersgenosse Wei Jingsheng,  der sich offen gegen die KP-Diktatur wehrt. Mo Yan  traut sich nicht zu,  direkt zu sagen und zu schreiben, was er denkt, weil er der KP Chinas gehorcht. Er wusste, „Die Kinder in jener Zeit (1959-1962) trugen alle einen großen Bauch, ihre Unterbeine waren so dünn wie Holzstücke, ihre Köpfe waren unvorstellbar groß“, aber er verteidigte die dreijährige Hungersnot, die das Regime verursachte. Er schrieb, „viele Artikel haben die dreijährige schwierige Periode dunkel und freudlos dargestellt, das finde ich nicht richtig. In jener besonderen Periode gab es auch Freude, natürlich hatten alle Freuden mit dem Essen zu tun.“ Die Intellektuellen, die von dem Regime verfolgt werden, stellen die Hungersnot, die etwa 40 Millionen Todesopfer gefordert hat, nicht nur „dunkel und freudlos“ dar, sondern fragen noch nach dem Grund. Ich fordere sogar die Chinesen auf, die Kommunisten zur Rechenschaft zu ziehen.

2009 durfte Mo Yan deshalb als Vorzeige-Autor mit einer Delegation unter der Führung des Exbotschafters der VR China in Deutschland, Mei Zhaorong  zur Frankfurter Buchmesse kommen. Mo Yan war dem KP-Vertreter Mei gefolgt, den Saal demonstrativ zu verlassen, als zwei selbständige Autoren von dem deutschen Gastgeber auf das Podium gebeten wurden.

Wie ein Kastrat vermag Mo Yan auch höchste Töne zu erzeugen

Mo Yan ist talentiert, aber an Talenten fehlt es in China nicht. Womit er sich auszeichnet ist, dass er genau die Eigenschaften der KP Chinas zeigt, verlogen, gewalttätig und obszön, wie sein Werk deutlich macht.

Während alle unabhängigen Schriftsteller vom Regime umgebracht, ins Gefängnis geworfen oder ins Exil gezwungen werden, gelten selbstkastrierte Schreibtalente wie Mo Yan in der VR China als Schriftsteller. Das Regime macht auch alles, um Mo Yan zu fördern und weltweit zu vermarkten. In den Medien der KP lässt sich schon 2009 die Propaganda mit der Überschrift finden, „Der Direktor von der Frankfurter Buchmesse: Mo Yan hat die Hoffnung, den Nobelpreis zu bekommen“. http://www.china.com.cn/book/txt/2009-07/25/content_18201043.htm

Mo Yan dient dem Regime mit seinem Schreiben, um das Verbrechen der Kommunisten zu vertuschen und den Nationalismus zu propagieren. Beispielsweise hat er die japanischen Verbrechen wie in der Novelle „Die rote Sorghumhirse“ (Deutsche Übersetzung: „Das rote Kornfeld“) oder die westlichen Verbrechen wie in dem Roman „Die Sandelholzduft-Folter“ (Deutsche Übersetzung: „Die Sandelholzstrafe“) angeprangert. Dabei haben die Kommunisten im Frieden viermal mehr Todesopfer verursacht, als die Japaner im zweiten Weltkrieg in China.

In einem Interview behauptet Mo Yan, „Ja, in der Zeit von Mao Zedong war die Literatur eine Waffe der Revolution und die Schriftsteller mussten die Gesellschaft so darstellen, wie sie dem sozialistischen Weltbild entsprach. Aber im Reformzeitalter ist dieses Tabu gebrochen worden, und heute schreiben wir, wie wir wollen: über die Politik und die Gesellschaft, das Leben und die Liebe, Gewalt und Sex. “ Mo Yan weiss ganz genau, dass seit dem Pekinger Massaker 1989 viele Intellektuelle verfolgt werden und nicht in China veröffentlichen dürfen, aber Mo Yan kann die Wirklichkeit ignorieren und die Propaganda der KP verbreiten, ohne dabei rot zu werden.

Mo Yan sagt und schreibt viel, aber nichts, was die Kommunisten nicht erlauben. Er hat das kommunistische Verbrechen persönlich erlebt, aber er verurteilt nicht die Kommunisten, sondern verlagert seine Erlebnisse auf andere Zeiten, die er gar nicht kennt, um dem Zensuramt nicht zu missfallen. Auch sein Werk „Frösche“ , in dem es um die blutige Praxis der Einkind-Politik  geht, fragt nicht nach der Ursache. Und die Verbrechen, die das Regime jetzt begeht, ignoriert er erst recht. Mo Yan gehört nicht mehr zu den Bauern, die weiterhin diskriminiert werden. Selbst in Deutschland kann ich die Hilferufe von den Bauern, deren Land weggenommen und vergiftet wird, wahrnehmen, aber Mo Yan scheinbar nicht.

Dennoch spricht Mo Yan davon, dass Schriftsteller die Ärzte der Gesellschaft sind. In der VR China, in der systematischer Organraub an den Andersdenkenden betrieben wird, kann die KP Chinas nun mit der Preisvergabe der Bevölkerung vormachen, dass Mo Yan ein weltweit anerkannter Schriftsteller wäre.

Es ist  kein Wunder, dass sich im Werk von Mo Yan weder Achtung für die Grundwerte, noch Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und Verantwortung finden lässt. Was halluzinatorisch und detailliert beschrieben wird, sind die Gewalt, die Foltermethode, die Gier, die Perversität, die Treue zur KP, nicht zuletzt auch die Ausländerfeindlichkeit. ( In seinem obszönen Buch „Üppige Titten und fette Ärsche“ wird einem westlichen Missionar ein Geschlechtsverhältnis mit einer verheirateten Bäuerin angedichtet.)  Mo Yan wird zurecht von unabhängigen Chinesen im Internet  als „blutrünstiges Monster“, „Seltsames Tier“ und so weiter bezeichnet.

Nach der Preisvergabe an Mo Yan wird auch das Nobelkomitee in Mitleidenschaft gezogen. 2012  hat die KP Chinas einen Jubiläumsband zu Ehren des Massenmörders Mao veröffentlicht. Mo Yan hat als Vizevorsitzender der Schriftstellervereinigung der KP Chinas mit der Hand eine Seite aus der Rede des Diktators vom Jahr 1942 abgeschrieben, in der Mao die Literaten und Künstler zur Unterwerfung auffordert.  http://blog.boxun.com/hero/201210/xwziwj/2_1.shtml

Leider werden die verlogenen Kastraten auch im Westen als chinesische Schriftsteller anerkannt, während die echten chinesischen Schriftsteller im Gefängnis und im Exil von westlichen Sinologen und Medien ignoriert werden. Warum? Weil der Kommunismus im Westen entstanden ist und die Westler sich mit den Kommunisten besser verstehen, als mit den Chinesen, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit streben?

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