Stellungnahme von XU Pei zum Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Liao Yiwu

5 Okt

Seit der Machtergreifung der Kommunisten 1949 in China leben Exilchinesen in Deutschland. Das erfuhr ich durch die Proteste gegen das Tiananmen-Massaker 1989, an denen ich als Germanistikstudentin in Düsseldorf teilnahm.

 

Ich persönlich gehöre erst  seit 2002  zu den Exilchinesen, die ihre Heimat wegen der KP-Diktatur nicht besuchen dürfen. Denn seit diesem Jahr bin ich im Internet aktiv und  prangere öffentlich  die KP-Verfolgung an Falun Gong, Schriftstellerkollegen…an.

 

In den zehn Jahren nehmen Exilchinesen auch in Deutschland weiter zu. Liao Yiwu ist nicht der letzte Flüchtling aus der VR China, aber vermutlich der erste Flüchtling aus der VR China, der in Deutschland freundlich aufgenommen wird. Andere Chinesen, die wegen der Gedankenfreiheit nach Deutschland geflohen sind, landen in isolierten Asylantenheimen und  werden sogar mit Abschiebung bedroht.

 

 

Konfrontation mit dem Friedenspreis für Liao Yiwu

 

Seit drei Monaten muss ich mich mit der Wirkung vom Friedenspreis des deutschen Buchhandels für Liao Yiwu auseinandersetzen.

 

Die erste negative Reaktion darauf kam von einem Rumäniendeutschen. Er gehört zu den Kritikern von Herta Müller.

——- Original-Nachricht ——–

> Datum: Tue, 26 Jun 2012 21:12:49 +0200

> Sehr geehrte Frau Dr. Xu,

> sehr geehrte Frau Dr. Wang,

>

> die PR-Maschine funktioniert wieder,

> anbei die Infos aus der FAZ im Dateianhang.

 

Der rumäniendeutsche Germanist machte mich mit dem Interview http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/herta-mueller-ueber-liao-yiwu-es-ist-ein-grosses-glueck-dass-er-in-deutschland-ist-11794236.html

 

bekannt. Die Bemerkung am Ende des Interviews „Die Fragen stellte Felicitas von Lovenberg, die der Jury des Friedenspreises angehört“ fiel mir auch auf.

 

In meinem Blog kommentierte ich zur „Seelenverwandtschaft“ zwischen Herta Müller und Liao Yiwu und wies mit einem Brief die FAZ-Herausgeber auf den ungelösten Konflikt zwischen den Exilchinesen und  Herta Müller, Liao Yiwu und Felicitas Lovenberg hin.

 

Für die weltweite Widerstandsbewegung gegen das kommunistischen Regime in China hat die Forderung nach Wahrhaftigkeit höchsten Stellenwert.

 

Aus Dankbarkeit für die Freiheit in Deutschland fühle ich mich als eingebürgerte Exilchinesin dazu verpflichtet, den Ruf des deutschen Friedenspreises zu verteidigen. Er darf nicht wegen des Konfliktes zwischen den chinesischen KP-Gegnern und dem Friedensnobelpreisträger 2010 Liu Xiaobo und seinen Unterstützern in Misskredit geraten.

 

 

Liao Yiwu und Liu Xiaobo

 

Als Liao Yiwu mit einem Gedicht das Tiananmen-Massaker 1989 anprangerte, trat Liu Xiaobo im Staatsfernsehen der KP Chinas auf, um im Sinne der Mörder, das Massaker zu verleugnen und damit für sich eine milde Strafe auszuhandeln.  Liao Yiwu gegenüber bezeichnete sich Liu Xiaobo selbst als „Adel im Gefängnis“.

 

Im Februar 2010  wurde die Selbstverteidigungsrede „Ich habe keine Feinde“ von Liu Xiaobo vor dem KP-Gericht  im chinesischen Programm der Deutschen Welle veröffentlicht, das seit 2008 wegen ihrer Übernahme der KP-Propaganda kritisiert wird. Der chinesische Text hat  2870 Schriftzeichen. Mit 897 Schriftzeichen hat Liu seine Peiniger gerühmt… Im Westen wird weder Liu Xiaobo, noch seine Rede hinterfragt. Es gibt nur Lob für ihn, weswegen er auch durch die Verurteilung der KP den Friedensnobelpreis bekam. Aber im chinesischen Internet wimmelt es von Kritiken an Liu Xiaobo.

 

Die von aufrichtigen und wahrhaftigen Chinesen vorgebrachte Kritik an der Verlogenheit von Liu Xiaobo brachte mich dazu,   diese Kritik auch auf Deutsch vorzustellen. (Siehe unten) Liao Yiwu aber, der Liu Xiaobo und seine Kritiker auch kennt,  hat nicht nur über die Verlogenheit von Liu Xiaobo geschwiegen, sondern sogar noch für ihn geworben.  Er hat damit die Völkerverständigung zwischen Chinesen und Deutschen nicht gefördert, sondern nur Missverständnisse bei seinen deutschen Bewunderern ausgelöst. (Ein Beleg http://www.sueddeutsche.de/kultur/liao-yiwu-massaker-todesfuge-auf-chinesisch-1.1121818-3 )

 

Die Unterstützer von Liu Xiaobo wie Herta Müller sind im Westen einflussreicher als Lius chinesische Kritiker. Liao hat sich so verhalten, dass Herta Müller in ihrem FAZ-Beitrag vom 27. August 2011 behauptete,  dass Liu Xiaobo und Liao Yiwu  zusammen gehören. (Mehr dazu http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/herta-mueller-ueber-liao-yiwu-diesseitige-wut-jenseitige-zaertlichkeiten-11126134.html   )

 

Wie kann Liao unter diesen Umständen von den chinesischen KP-Gegnern respektiert werden, die nach Wahrheit und Gerechtigkeit streben?

 

Auch der Kritik von einem deutschen Sinologen im Deutschlandfunk an der Preisverleihung kann ich nur zustimmen, obwohl ich ihm seit 2008 immer wieder widersprechen musste.

 

 

Herta Müller und Felicitas Lovenberg

 

Auf Bitten von Lius Kritikern habe ich mich 2010 an Herta Müller gewandt. Die Nobelpreisträgerin hatte sich 2009 auf der Frankfurter Buchmesse öffentlich mit den chinesischen KP-Gegnern getroffen und wie wir meinten, solidarisiert. 2010 unterstützte sie jedoch die Nominierung von Liu Xiaobo, der  zahlreiche KP-Gegner angefeindet hatte.

 

Die Bemühungen der KP-Gegner um Aufklärung und Wahrhaftigkeit beantwortete Herta Müller mit einer öffentlichen Verunglimpfung der Exilchinesen.

 

Felicitas Lovenberg ließ dieses in der FAZ zu,  http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/solidaritaet-mit-dem-friedensnobelpreistraeger-liu-xiaobo-wenn-der-zweite-schuh-herunterfaellt-1608782.html

verweigerte aber den beschimpften Exilchinesen weltweit jede Möglichkeit,  Herta Müllers Verklärung von Liu Xiaobo und ihrer falschen Behauptung über die Exilchinesen in der FAZ entgegenzutreten.

 

Gleichzeitig bot sie Herta Müller die FAZ als Plattform an, um dort gegenseitige Huldigungen von Liao Yiwu und Herta Müller zu verbreiten.  Müller durfte sogar behaupten, „Auch dem Regime bedeutet er (Liao Yiwu) viel, nur umgekehrt – nach Xiaobo und Ai Weiwei hat er wohl den dritten Rang auf der Liste der chinesischen Staatsfeinde inne“ . Damit hat Herta Müller gezeigt, dass sie wenig Ahnung von dem Regime und seinen Gegnern hat, aber gerne unbegründete und unverantwortliche Äußerungen in der Öffentlichkeit produziert, wie auch ihre beiden oben genannten FAZ-Beiträge  zeigen.

 

Während Herta Müller die chinesischen Kritiker von Liu Xiaobo beschimpfte, die das KP-Regime  schon Ende der siebziger Jahre ablehnten, schwärmte sie von Liu Xiaobo, der 30 Jahre später mit  der „Charta 08“ der KP Chinas noch Reformvorschläge machen wollte.

 

Herta Müller als private Person darf zwischen den chinesischen KP-Gegnern und Liu Xiaobo wählen, aber die Öffentlichkeit darf von niemandem in die Irre geführt werden.

 

Herta Müller war von 1978 bis 1984 eine Vorzeigeautorin der Ceaușescu-Diktatur. Sie bekam 4 KP-Literaturpreise und durfte als Autorin mehrmals im Westen Rumänien vertreten. Felicitas Lovenberg  behauptete aber, dass Herta Müller in einem Untergrundverlag veröffentlicht hätte.   (Zeitzeugen Ingmar Brantsch, Carl Gibson…)

 

Journalisten mit Ethos hätten den Austausch mit den rumäniendeutschen und chinesischen Intellektuellen herbeigeführt,  und nicht wie Felicitas Lovenberg  ihre Macht missbraucht, um Preisträger zu fördern und ihre Gegner zu unterdrücken.

 

Wenn so eine Person wegen Liao Yiwu als Laudatorin bei der Verleihung  des Friedenspreises in der Paulskirche auftritt, kann ich diesen  Preis all denjenigen KP-Gegnern gegenüber nicht verteidigen, die die Preisvergabe an Liao als Ergebnis der Machenschaften von Seilschaften seiner Nutznießer ansehen.

 

Aus Wahrheitsliebe und Nächstenliebe möchte ich gerne die Kritiker von Liu Xiaobo, Herta Müller, Felicitas Lovenberg und  Liao Yiwu dabei unterstützen, ihre Stimme zu erheben. Diesen Kritikern geht es genau so wie mir darum, die Grundwerte wie insbesondere Wahrhaftigkeit zu verteidigen.

 

In diesem Sinne wünsche ich, dass der deutsche Friedenspreis nicht dadurch seinen moralischen Gehalt und seine Glaubwürdigkeit verlieren wird.

 

 

Einige Links zur weiteren Info

 

Ein offener Brief von den KP-Gegnern, die ich unterstütze http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/1505-ein-offener-brief-von-exilchinesen-an/

 

Meine Internetbeiträge in diesem Kontext

 

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/15/herta-muller-und-schlimme-e-mails-von-exilchinesen/

 

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/27/xu-pei-uber-die-selbstentlarvung-von-herta-muller/

 

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/07/12/xu-pei-uber-die-seelenverwandtschaft-von-herta-muller-und-liao-yiwu/

 

Liao Yiwu  im Vergleich zu Yuan Hongbing, einem großen KP-Gegner, den Liao beschimpfte http://community.zeit.de/user/xu-pei/beitrag/2010/09/23/ist-geisel-liao-yiwu-frei

 

Liao Yiwu  im Vergleich zu Liu Xiaobo und Ai Weiwei http://www.pressbot.net/article_l,1,i,216735.html

 

https://konfuziusinstituteundliuxiaobo.wordpress.com/2012/01/11/beitrage-uber-liu-xiaobo-von-xu-pei/

 

 

PS: Vielen Dank an alle Deutschen, die ich seit 25. September wegen dieses Preises kontaktiert habe. Ohne diese Gespräche wäre ich nicht in der Lage gewesen, die Stimmung, die ich empfangen habe, auf Deutsch wiederzugeben.

 

Köln, am Tag der Deutschen Einheit

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: