Archiv | Mai, 2012

XU Pei: Absurdes Lebenstheater von Václav Havel

19 Mai

Für ein chinesisches Publikum führte Václav Havel  am Ende seines Lebens ein absurdes  Theater auf, das die Wahrheit und seine chinesischen Bewunderer  verriet.

 

Seit etwa 1978 ist der tschechische Dichter ins Chinesisch übersetzt worden. Aber er und sein Werk dürfen offiziell nur in der Republik China erscheinen. In der VR China gehört Havel zu den verbotenen Autoren, wie seine chinesischen Kritiker wie zum Beispiel Zhong Weiguang. Als die freiheitliche Welt um seinen Tod trauerte,  trauerten die Machthaber in Peking um ihren kleinen nordkoreanischen Bruder.

 

 

Ein Prager Frühling in Peking

 

 

Die Kommunisten vertrieben 1949 eine demokratisch gewählte Regierung nach Taiwan  und zwangen den Festlandschinesen ein totalitäres System  nach dem sowjetischen Modell auf. Bis zum Tode von Mao Zedong 1976 forderte das Regime etwa 80 Millionen Todesopfer.

 

Ende der Siebziger gewann Deng Xiaoping mit Intrigen den Machtkampf innerhalb der KP. Er liess Demokraten wie Wei Jingsheng verhaften und hielt weiter an der KP-Diktatur fest, aber die Bewohner dürfen wieder Handel treiben und studieren, was vorher verboten wurde.

 

Bis zum Tiananmen-Protest 1989 gab es in Rotchina trotz Repressionen eine Art Prager Frühling. Der 84-jährige Deng  liess den Pekinger Frühling mit Panzern beenden, während der Prager Frühling von der Sowjetunion niedergeschlagen wurde.

 

Das Tiananmen-Massaker in Peking und der weltweite Protest dagegen konnten Michail Gorbatschow und das  Marionettenregime in Prag nicht übersehen haben, bevor auch dort das Volk aufstand.

 

Als der 53-jährige Havel von den versammelten Pragern bejubelt wurde, saß der 33-jährige Liu Xiaobo wie viele Chinesen in Untersuchungshaft der KP Chinas. Als im April 1989 die Studenten das Herz in Peking eroberten, war Liu Xiaobo noch in New York damit beschäftigt,  den roten Journalisten Liu Binyan zu kritisieren, der trotz der Verfolgung immer noch Treue zur KP hielt, um einen Bruch der Chinesen mit der KP hervorzurufen.  Aber als er  mit Schuldbekenntnis und Falschaussage einer Gefängnisstrafe entkam, wurde in seinem Artikel „Wir wurden von unserer ‚Gerechtigkeit‘ niedergeschlagen“  (1993 ) behauptet, dass der Tiananmen-Protest „die Demokratisierung der Regierungspartei durch ihre allmähliche Selbstveränderung unterbrochen und einen totalen Rückschlag in China verursacht habe“.  1992 gab Liu Xiaobo in seiner Autobiographie „Monolog eines Überlebenden der Endzeit“ zu, dass er  aus Geltungssucht mit einem Hungerstreik den Tiananmen-Platz wieder füllte, während andere die Studenten dazu bewegen wollten, den Platz zu verlassen, um ein blutiges Ende zu vermeiden. Mit solchen Veröffentlichungen hat Liu Xiaobo nicht nur sich selbst verraten, sondern die gesamte Demokratiebewegung angeschwärzt. Liu Binyan, der wegen des Massakers endlich mit der KP Chinas brach, hielt Liu Xiaobo wie viele Chinesen für einen rückgratlosen Opportunisten, zumal Liu Xiaobo noch den Täter rühmte.

 

Wegen seiner Offenbarungen  wie, „Ich verachte Menschenmassen, betrachte die Gesellschaft als Mob, verehre die persönliche Kreativität des Genies, mein Lebensziel ist zu sehen, ob ein einsames Genie mit Kreativität stärker ist als das gemeine Volk“,  gilt Liu seitdem auch als unmoralischer Egomane.  Dieses „Genie“ trat als Augenzeuge im Propagandasender der KP Chinas auf, um die Lüge kreativ zu bestätigen, dass die Zwangsaufräumung durch die rote Armee keine Todesopfer gefordert hätte.

 

 

Charta 77 und die Pekinger Verfälschung

 

Havel  wurde dafür bewundert, dass er mit seinem wahrhaftigen Werk das Bewusstsein für die Absurdität unter einer KP-Diktatur schärfte und die unterschiedlichen Kräfte in der Tschechoslowakei zusammenbrachte, um sich gemeinsam gegen die Machthaber zu wehren.

 

Der Zeitzeuge des Prager Frühlings und dessen blutigen Niederschlagung  analysierte die Entfremdung und Verlogenheit durch eine kommunistische Diktatur adäquat, ergriff die mutigen Gegenmaßnahmen Wahrheit und Liebe. Damit trug er dazu bei, dass eine KP-Diktatur mit einer samtenen Revolution beendet wurde.

 

Havel sagte nicht nur die Wahrheit, sondern setzte sich auch für die verfolgten jungen Musiker ein, trotz des Staatsterrors. Die Petition Charta 77 und die damit verbundene Bürgerrechtsbewegung wären ohne Havel undenkbar. Havel hatte insgesamt fast  fünf  Jahre lang Zwangsarbeit im Gefängnis verrichten müssen, bevor er 1989 vom aufgestandenen Volk zum ersten Präsidenten  der Tschechoslowakei gewählt wurde.

 

Charta 77  weist mit klaren Worten auf die Diskrepanz zwischen der Realität und der vom tschechoslowakischen Außenminister unterschriebenen Schlussakte von Helsinki hin, um die Menschenrechte einzufordern, die von den Machthabern verletzt wurden.

 

Mit der unpolitischen Politik strebt Havel nach der Menschenwürde,  dabei zeigte er mit Worten und Taten seine Wahrheitsliebe und eine aufrichtige Haltung gegenüber den Mitmenschen und Machthabern.

 

Liu Xiaobo fiel aber nicht wegen seiner Verlogenheit auf, sondern feindet seit dem Pekinger Frühling viele Chinesen wie  Yuan Hongbing  an, die von den Kommunisten befürchtet und verfolgt werden. 2004 verzichtete Yuan Hongbing sogar auf seine Juraprofessur,  um vier Werke im Exil zu veröffentlichen. Im Schauprozess der KP Chinas  2009  gab Liu  an die Handlanger und seine zweite Frau eine  Liebeserklärung ab. Die Absurdität gipfelte darin, dass Liu in dieser Selbstverteidigungsrede nicht nur sich, sondern auch seine Peiniger rühmte, damit er ein milderes Urteil bekam. Um seine Feigheit zu vertuschen, gaukelte er vor, dass er keine Feinde hätte. Die erste Frau von Havel,  Olga war der Meinung, selbst den Namen des Hundes darf man den Peinigern nicht verraten, geschweige denn sein Gewissen!

 

Nachdem Havel im Januar 2010 öffentlich dafür plädierte, die Charta 08 und den zu elf Jahren Haft verurteilten  Liu  mit dem Friedensnobelpreis zu ehren, wandten sich Yuan Hongbing und 18 Regime-Gegner an ihn,  um auf die Verlogenheit der Charta 08 und von Liu Xiaobo hinzuweisen. Unter den vorgeschlagenen Preisträgern wie z. B. Wei Jingsheng wäre jeder andere Chinese moralischer und vorbildlicher. Wei wurde zweimal verhaftet und  blieb trotz Folter unbeugsam. Nach einer insgesamt 18-jähriger Haft hat das Regime ihn 1997 ins Exil abgeschoben, um Austragungsrecht für die Olympischen Spiele 2000 zu gewinnen. Aber niemand von diesen heldenhaften Chinesen hat  sich ausdrücklich auf die Charta 77 berufen und Havel veröffentlichte im September einen zweiten Aufruf, um Charta 08 als Nachwirkung der Chart 77 zu rühmen und Liu Xiaobo zum Friedensnobelpreis zu verhelfen.

 

Ohne den geschmeichelten Ex-Präsidenten wäre es dem „einsamen Genie“ nicht gelungen, mit einer unwahrhaftigen Kopie der Charta 77 auf der Weltbühne als der Doppelgänger seines Vorbildes gefeiert zu werden.

 

Köln, den 15. Januar 2012

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