Herta Müller und »Schlimme E-Mails von Exilchinesen« Xu Pei

15 Jan

Hat Herta Müller Grund, auf Exilchinesen zu schimpfen, die Liu Xiaobo kritisieren?

Am fünften Sonntag der Jasmin-Revolution in Rotchina fanden weltweit Lesungen für die Freilassung des Friedensnobelpreisträgers 2010 Liu Xiaobo statt.

Ulrich Schreiber vom Internationalen Literaturfestival hat diese Lesungen initiiert, weil dieser Sonntag auch “Tag der politischen Lüge” ist. Weiß er, dass Liu Xiaobo den Irak-Krieg begrüßt hat?

Die Einladung zur Lesung in Berlin habe ich mit der folgenden Email beantwortet:

Es ist großartig dass sich Herr Schreiber für die Menschenrechte in China einsetzt. Leider hat Liu Xiaobo die Ehre nicht verdient, auch wenn er wie viele andere Chinesen wegen seiner Gedanken verhaftet worden ist. Seine Schriften und seine Eigensucht haben alle aufrichtigen Chinesen angeekelt und abgestoßen. Eine Kostprobe für Dich aus seiner Autobiographie “Monolog eines Überlebenden der Endzeit” (1992 ):

“Ich verachte Menschenmassen, betrachte die Gesellschaft als Mob, verehre die persönliche Kreativität des Genies, mein Lebensziel ist zu sehen, ob ein einsames Genie mit Kreativität stärker ist als das gemeine Volk”.

Seit seinem Sieg über “das gemeine Volk”, zu dem ich mich gerne geselle, habe ich eine Reihe von Aufsätzen geschrieben, um die Deutschen zu informieren. Zur Ehre von Liu Xiaobo möchte ich also nicht lesen, aber für die Menschenrechte in China gerne.

Auf dieser Lesung hat Herta Müller eine Rede gehalten, deren Teilübersetzung zuerst unter Chinesen herumgeschickt wurde und dann am 31. März auf der chinesischen Webseite der Deutschen Welle (DW) unter der Überschrift “Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller unterstützt Liu Xiaobo” erschien. Bevor ich den Link zur DW zu sehen bekam, hielt ich die Teilübersetzung zunächst für ein Machwerk von den KP-Kräften. Herta Müller hat doch keinen Grund, auf Exilchinesen zu schimpfen, die Liu Xiaobo kennen und kritisieren. Leider steht in der FAZ vom 26. März tatsächlich ihre originale Beschimpfung:

“Ich habe den Vorschlag Václav Havels, Xiaobo für den Friedensnobelpreis zu benennen, unterstützt und daraufhin schlimme E-Mails bekommen von Exilchinesen. Verleumdungen, Denunziation, hemmungsloser Rufmord an Xiaobo waren die Inhalte. Vielleicht ist die Emigration infiltriert vom chinesischen Geheimdienst, vielleicht ist es aber auch der eigene Irrsinn von verstörten Emigranten, die im fernen Exil Revolution auf dem Papier betreiben, mit Worten infam randalieren…”

Aus Respekt für Herta Müller, die auf der Frankfurter Buchmesse 2009 den chinesischen Widerstand gegen die KP-Diktatur in Rotchina unterstützte, habe ich ihr Emails in Bezug auf Liu Xiaobo geschickt. Auf meine erste Email hat sie höflich geantwortet. Meine zweite Email an sie habe ich in meinem Beitrag unter der Überschrift “Warum lehnen die Exilchinesen Liu Xiaobo wie Milan Kundera ab?” veröffentlicht.

Ein vermeintlicher Freiheitskämpfer

Herta Müller ist offensichtlich der Einladung zur Lesung nachgegangen, um einen verfolgten Freiheitskämpfer zu unterstützen. Der von ihr so gerühmte Liu Xiaobo gab in einem Interview selbst zu, aus zwei Gründen zu einer Lesung zu gehen, “Erstens, um ein gutes Selbstgefühl zu haben, zweitens, um Geld zu verdienen, wenn nicht genug Geld gezahlt wird, gehe ich nicht hin. Das Geld ist ein Selbstwert, wenn eine bestimmte Summe von Geld da ist, dann ist Dein Leben auch auf eine bestimmte Dimension ausgedehnt.”

Seine Kritiker im Exil setzen sich alle für die Menschenrechte in China ein und unterstützen die Freiheitskämpfer im Land, ohne dafür bezahlt zu werden. Auch ich habe seit dem Pekinger Massaker aus Gewissensgründen an allen möglichen Menschenrechtsveranstaltungen teilgenommen und bei Bedarf einen unbezahlten Lesungsbeitrag geleistet.

Die Chinesen im Ausland, die Liu Xiaobo rühmen, sind entweder bekannte Spitzel der KP Chinas oder Nutznießer, wie z. B. der Menschenrechtsunternehmer Harry Wu und seine ehemalige Mitarbeiterin Tianchi Martin-Liao. Harry Wu ist berüchtigt dafür, aus der Menschenrechtsarbeit ein Geschäft gemacht zu haben. Gegen Harry Wu hat sich endlich ein Opferpaar juristisch gewehrt. Der Ehemann Wang Xiaoning(1950-) wurde 2002 wegen seiner Veröffentlichung vom Regime verhaftet und ein Jahr später zu einer Haft von 10 Jahren verurteilt. (Mehr dazu unter dem englischen Bericht: Chinese Couple Say They Were Extorted After Settling With Yahoo! ) Wang Xiaoning gehört zu den echten Regimekritikern wie Ai Weiwei, die ich unterstütze. Ich hätte auch Liu Xiaobo respektiert, wenn er sich nicht als Machtkämpfer erwiesen hätte, wie ein gottloser Kommunist.

Tianchi Martin-Liao lernte ich durch ihren Ehemann Helmut Martin kennen, der Selbstmord begangenen hat. Da sie aus der Republik China (Taiwan) kommt, hatte ich sie bei einer Gelegenheit persönlich vor Harry Wu gewarnt. Leider hat sie so lange für Harry Wu gearbeitet, bis er ihr öffentlich verbot, weiter sein Geschäft Laogai Research Foundation zu vertreten.

Statt die sachlichen Argumente gegen Liu Xiaobo widerlegen zu können, hat Martin-Liao zahlreiche Kritiker von Liu Xiaobo angefeindet. Am Tag der Preisverleihung beschimpfte sie im chinesischen Programm der Deutschen Welle die Exilchinesen auf die gleiche Art und Weise wie Herta Müller. Damit widerlegte sie aber Liu Xiaobos Verteidigungsrede “Ich habe keine Feinde”, die in Oslo vorgetragen und weltweit übertragen wurde.

Kaum hatte Martin-Liao die Exilchinesen beschimpft, fing Harry Wu an, mit ihr über das Copyright von Liu Xiaobos Werk zu streiten.

Das bestärkt mich in meiner Überzeugung, dass kein aufrichtiger Mensch Liu Xiaobo verehren kann, wenn er weiß, was Liu Xiaobo wirklich gesagt und getan hat. Gleich und gleich gesellt sich gern.

Leider ist die Deutsche Welle spätestens seit 1987 von der KP Chinas infiltriert und propagiert für Liu Xiaobo, wie einst für die Olympischen Spiele 2008. Gegen die Spitzel der KP Chinas kann sich die Deutsche Welle kaum wehren.

Nicht zuletzt möchte ich noch meine erste Email an Herta Müller veröffentlichen, damit man erfährt, was Herta Müller als “Schlimme Emails von Exilchinesen” bezeichnet hat.

Liebe Frau Müller,

ich wurde eben telefonisch gebeten, Sie darüber zu informieren, dass Liu Xiaobo zum Opfer des Machtkampfes innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas geworden ist.

Wir bedauern, dass er verhaftet und zu 11 Jahren verurteilt wurde.

Dennoch hat er eine Nominierung zum Friedensnobelpreis nicht verdient.

Seit dem Pekinger Massaker hat Liu als “prominenter Dissident” der KP Chinas gedient, dem chinesischen Widerstand gegen die KP-Diktatur entgegenzuwirken.

Liu hat beispielsweise nach dem Pekinger Massaker behauptet, dass es keine Toten gegeben hätte.

Liu hat zuletzt gegen den Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng agiert, für dessen Freilassung Sie auf der Frankfurter Buchmesse eine Unterschrift geleistet haben. Ich war bei Ihrem Besuch am Stand der Epoch Times und der IGFM.

Es würde uns daher freuen, wenn Sie nicht Liu, sondern Gao zum Friedensnobelpreis vorschlagen würden.

Denn Sie haben uns in unserem Widerstand gegen die KP-Diktatur sehr ermutigt und bestärkt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Xu Pei

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